Insiderbarometer Firmenchefs kaufen kräftig zu

Die Topmanager kaufen wieder vermehrt die Aktien ihrer eigenen Firmen zu. Ein guter Hinweis darauf, welche Papiere in nächster Zeit wichtig werden.
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Der Rocket-Internet-Chef kaufte viele Aktien seines Unternehmens. Quelle: Krisztian Bocsi/Bloomberg
Oliver Samwer

Der Rocket-Internet-Chef kaufte viele Aktien seines Unternehmens.

(Foto: Krisztian Bocsi/Bloomberg)

FrankfurtFür Anleger war das Börsenjahr bislang wenig erfreulich. Erst hielten Zinssorgen die Investoren in Atem, dann US-Sanktionsdrohungen. Jetzt belastet der von US-Präsident Donald Trump angekündigte Handelsstreit die Kurse an den Märkten.

Er birgt die Gefahr, sich zu „einem weltweiten Handelskrieg“ zu entwickeln, warnt Charles St-Arnaud, Investmentstratege bei Lombard Odier Investment Manager. Zwischenzeitlich legten die Märkte zwar immer wieder mal zu. Doch unter dem Strich hat der Dax in Deutschland seit seinem Allzeithoch im Januar rund acht Prozent verloren.

Viele Investoren fragen sich, ob sich der Einstieg jetzt schon wieder lohnt – zumal die Alternativen angesichts der Minirenditen an den Anleihemärkten rar sind.

Die Käufe von Vorständen und Aufsichtsräten bei Aktien der eigenen Unternehmen können eine Hilfe für Anleger sein, die nach interessanten Einzeltiteln suchen. Die Topmanager kennen ihre Unternehmen schließlich besser als viele andere und greifen gerne zu, wenn sie Unterbewertungen sehen. Die Käufe sind legal, solange die Firmeninsider keine noch nicht veröffentlichten börsenrelevanten Informationen wie Quartalsergebnisse nutzen und ihre Transaktionen an die Finanzaufsicht Bafin melden.

Sinken die Kurse, greifen die Bosse zu

Dabei gab es in den vergangenen beiden Wochen auffällig viele Käufe, und das größtenteils von Unternehmenslenkern, die sich in diesem Jahr schon mehrfach Aktien der eigenen Firmen ins Depot gelegt haben. Oliver Stotz, Professor an der Privatuniversität Frankfurt School of Finance & Management, fasst das so zusammen: „Sinken die Kurse, greifen die Bosse zu.“ Stotz befasst sich seit rund 15 Jahren mit Insidertransaktionen.

Den mit Abstand größten Kauf gab es zuletzt beim Start-up-Finanzierer Rocket Internet. Chef und Mitgründer Oliver Samwer kaufte Aktien für knapp 40,8 Millionen Euro (siehe Grafik). Das ist sehr viel, selbst für einen Großaktionär wie Samwer. Ein typisch antizyklischer Kauf ist dies laut Stotz indes nicht. Die Rocket-Internet-Aktie notiert deutlich unter ihrem Ausgabekurs vom Oktober 2014. In diesem Jahr gehört sie aber mit einem Plus von mehr als einem Drittel zu den Top-Performern im MDax.

Im ersten Quartal hat Rocket Internet zum ersten Mal die Gewinnschwelle überschritten und 75 Millionen Euro verdient. Mit dem Online-Möbelhändler Home24 schaffte im Juni die vierte Rocket-Internet-Beteiligung den Sprung an die Börse. Nach Ansicht von Stotz signalisiert Samwer mit seinem Kauf, dass er an weitere Börsengänge glaubt.

Deutlich gegen den aktuellen Trend laufen dagegen die Käufe bei Pro Sieben Sat 1. Die Aktie hat allein in diesem Jahr 25 Prozent verloren, im Jahr davor waren es nach mehreren Gewinnwarnungen 24 Prozent. Im März stieg der Medienkonzern aus dem Dax ab, zuvor musste der langjährigen Vorstandschef Thomas Ebeling seinen Platz räumen. Der neue Chef Maximilian Conze kaufte jedoch kurz nach seinem Einstand Aktien für knapp 1,5 Millionen Euro, daneben griff Aufsichtsratschef Werner Brandt zu.

Mit Blick auf die Bewertung und die Dividendenrendite von 8,9 Prozent halten die Experten von Commerzbank Wealth Management die Aktie für „sehr attraktiv“. Neu-Chef Conze müsse sich jedoch erst behaupten. Seit Februar haben Pro-Sieben-Sat-1-Insider Aktien über mehr als 2,1 Millionen Euro gekauft.

Vielen Käufen stehen wenige Verkäufe gegenüber

Durch noch größere Käufe aufgefallen ist in diesem Jahr die Aktie des Gabelstaplerherstellers Jungheinrich, die sich ebenfalls nicht gut entwickelt hat. Jetzt kaufte die LJH Holding von Aufsichtsrat Wolff Lange erneut Papiere für 1,1 Millionen Euro. Zum wiederholten Mal Aktien der eigenen Unternehmen haben außerdem zuletzt Bayer-Chef Werner Baumann und Tele-Columbus-Aufsichtsratschef Frank Donck gekauft. Donck machte dies über die Investmentgesellschaft 3D NV. Auch diese Käufe gelten als antizyklisch.

Auffällig war auf der anderen Seite, dass es zuletzt nur sehr wenige Verkäufe von Unternehmenslenkern und -aufsehern gab. Für den Dax signalisiert dies laut Stotz, dass die Handelsspanne zwischen 12.000 und 13.000 Punkten Bestand haben dürfte.

Aus den Transaktionen der Manager berechnet Stotz alle zwei Wochen gemeinsam mit dem Commerzbank Wealth Management das Insiderbarometer für das Handelsblatt. Da es regelmäßig geglättet wird, notierte es zuletzt trotz vieler Käufe unverändert.

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  • Also was nun, oben steht Firmenchefs kaufen kräftig zu. Ein paar Artikel weiter unten: Firmen-Manager trennen sich von ihren Aktienpaketen.

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