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Insiderbarometer Steigende Aktienverkäufe der Manager deuten auf baldige Kursrückgänge

Manager und Aufsichtsräte trennen sich verstärkt von Aktien ihrer Firmen – ein Indiz für kurzfristig fallende Börsen. Anleger sollten vorsichtig sein.
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Deutschlands Topmanager scheinen dem Aufwärtstrend am deutschen Aktienmarkt nicht mehr recht zu trauen. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Handelsraum der Frankfurter Börse

Deutschlands Topmanager scheinen dem Aufwärtstrend am deutschen Aktienmarkt nicht mehr recht zu trauen.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

FrankfurtWie lange hält der Aufwärtstrend? Das ist die Frage, die sich Investoren seit Wochen stellen. Der Dax hat seit Januar knapp 14 Prozent zugelegt und am Freitag mit in der Spitze 12.032 Punkten den höchsten Stand seit über einem halben Jahr markiert. Für viele Strategen und Investoren spiegeln die Märkte damit inzwischen nicht mehr die Risiken an den Märkten wider.

Und Risiken gibt es: Die Anzeichen für eine schwächere Konjunktur auch in Deutschland mehren sich. So brachen zuletzt die Auftragseingänge der deutschen Industrie ein, und der Ifo-Geschäftsklimaindex liegt nach wie vor unter seinem langfristigen Durchschnitt. Gleichzeitig haben Analysten die Gewinnprognosen für 24 der 30 Unternehmen aus dem Dax gesenkt.

Auch Deutschlands Topmanager scheinen dem Aufwärtstrend am deutschen Aktienmarkt nicht mehr recht zu trauen. In den vergangenen beiden Wochen meldeten Führungskräfte und Aufsichtsräte mehr Verkäufe von Aktien der eigenen Unternehmen an die Finanzaufsicht Bafin. „Gleichzeitig stieg das durchschnittliche Verkaufsvolumen leicht“, beobachtet Olaf Stotz, Professor an der Privatuniversität Frankfurt School of Finance & Management. Es gab zwar auf der anderen Seite auch etwas mehr Käufe der Firmeninsider, aber die Käufe waren weniger umfangreich als zuletzt.

Barometer fällt auf Siebenmonatstief

Die Folge: Das Insiderbarometer, das Stotz aus den meldepflichtigen Transaktionen gemeinsam mit Commerzbank Wealth Management regelmäßig für das Handelsblatt berechnet, ist in den vergangenen beiden Wochen um sechs Zähler auf rund 145 Punkte gefallen. Unter 150 Punkten notierte es zuletzt vor gut sieben Monaten (siehe Grafik).

Das Niveau von 145 Punkten ist zwar immer noch sehr hoch und bedeutet, dass es mehr Aktienkäufe als -verkäufe gibt. Eigentlich ist das ein positives Signal für die Entwicklung der Aktienmärkte. Aber: „Wenn das Insiderbarometer fällt, war das in der Vergangenheit unabhängig vom Stand meist ein Zeichen für kurzfristig fallende oder bestenfalls stagnierende Kurse“, erklärt Stotz. Anleger, die breit am Aktienmarkt investieren wollten, sollten deshalb laut Stotz auf günstigere Einstiegskurse warten. Das gilt vor allem dann, wenn sich die negative Tendenz des Insiderbarometers fortsetzt – die Verkäufe der Insider also noch zunehmen und das Barometer weiter fällt.

Grafik

Den größten Verkauf in der jüngsten Zeit gab es beim Stromkonzern Uniper (siehe Tabelle). Das Unternehmen, in das Eon sein Stammgeschäft mit den fossilen Gas- und Kohlekraftwerken abgespalten hat, erlebte an der Börse einen fulminanten Aufschwung. Seit dem Börsengang vor gut zweieinhalb Jahren legte die Aktie 160 Prozent zu und nähert sich ihrem im vergangenen Oktober erreichten Allzeithoch von 27,74 Euro. Für Stotz ist der Verkauf von Uniper-Vorstand Keith Martin deshalb typisch antizyklisch. Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen häufig Aktien, die schon gut gelaufen und womöglich überbewertet sind. Umgekehrt greifen die Insider, die ihre Unternehmen besser kennen als jeder andere, idealtypisch bei Anteilsscheinen zu, wenn sie diese für unterbewertet halten.

Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank, hält generell europäische Versorgeraktien für sehr teuer. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liege um zwölf Prozent über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Dies könnte den Sektor nun bremsen, betont Stephan.

Auch die Aktien von Immobilienkonzernen sind in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich gestiegen, in der vergangenen Woche aber unter Druck geraten. Grund ist die Berliner Debatte um die Enteignung von Wohnimmobilienkonzernen. Von daher ist es auffällig, dass sich unter den größten Insiderverkäufen der jüngsten Zeit mit Deutscher Wohnen und TAG Immobilien auch zwei Immobilienunternehmen finden. Ein Warnzeichen für Anleger muss das aber nicht sein. Bei der Deutschen Wohnen verkaufte mit Lars Wittan ein Vorstand Aktien, der das Unternehmen verlässt. Dieser Zusammenhang ist nicht ungewöhnlich. Gleichzeitig kauften mit dem Anfang des Monats in den Vorstand berufenen Lars Urabansky und dem Finanzvorstand Philip Grosse aber auch Topmanager bei der Deutschen Wohnen nach. Bei TAG Immobilien war der Verkauf von Aktien über 79.000 nicht sonderlich groß.

Zwei große Käufe im Dax

Anders ist das angesichts des Volumens von mehr als 870.000 Euro bei den Käufen der Deutschen Telekom. Allerdings sollten Anleger auch die Käufe von Telekom-Vorstandschef Timotheus Höttges und des für das Europageschäft zuständige Vorstands Srini Gopalan nicht überbewerten. Bei der Telekom sind Vorstände schon lange dazu verpflichtet, einen Teil ihrer variablen Vergütung in T-Aktien anzulegen.

Nichtsdestotrotz halten auch die meisten Analysten die Telekom-Aktie für attraktiv und raten zum Kauf. Neben der Chance auf steigende Dividenden hebt zum Beispiel Bettina Deuscher von der Landesbank Baden-Württemberg die gute Marktposition und ein relativ stabiles Wettbewerbsumfeld der Telekom in Deutschland hervor.

Auch für den zweiten Dax-Wert auf der Liste der größten Insiderkäufe – Volkswagen – gibt es viele Kaufempfehlungen. Darin finden sich aber auch warnende Hinweise auf die zyklische Branche. „Anleger sollten sich im Autosektor während der Berichtssaison zum ersten Quartal auf weiter starke Kursschwankungen einstellen nach den bereits vorsichtigen Ausblicken zum Jahresbeginn“, heißt es etwa von der Bank of America.

VW-Insider machen sich darüber offensichtlich wenig Sorgen. Thomas Edig, Personalvorstand für Nutzfahrzeuge bei VW, und Ralf Brandstätter, der als Chief Operating Officer für das Tagesgeschäft der Marke verantwortlich ist, griffen bei den Vorzugsaktien zu.

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