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Insiderbarometer Steigende Verkäufe sind ein Warnsignal für den Dax

Top-Manager trennen sich von mehr Aktien der eigenen Firmen. Deshalb fällt das Insiderbarometer auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahr.
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Firmenlenker verkaufen vermehrt Aktien des eigenen Unternehmens. Quelle: AFP/Getty Images
Aktienhändler

Firmenlenker verkaufen vermehrt Aktien des eigenen Unternehmens.

(Foto: AFP/Getty Images)

Frankfurt Die Stimmung der Börse ist gekippt, und viele Investoren sind skeptisch. Risiken wie der Handelskrieg und die zahlreichen anderen politischen Konflikte gelten zwar schon lange als mögliche Belastungsfaktoren für die Börsen. Jetzt schlagen die Krisen aber stärker auf die Wirtschaft und die Aktienkurse durch.

Der Dax hat seit Anfang Juli rund sechseinhalb Prozent eingebüßt. Zuletzt beendete er drei Handelswochen in Folge mit Verlusten. Seit Ende Juli haben auch die US-Börsen, die zuvor neue Rekordhochs markiert hatten, den Rückwärtsgang eingelegt.

Geht das so weiter? Viele Analysten meinen: Ja. „Der Blick nach vorn ist eher trübe“, sagt zum Beispiel Christian Kahler, Aktienchefstratege bei der DZ Bank. Neue Zölle lassen den Optimismus für eine Einigung im Handelsstreit sowie einer Erholung der Wirtschaft im zweiten Halbjahr seiner Meinung nach schwinden.

In Europa werde das um die Brexit-Unsicherheiten ergänzt. Dazu kommen Krisenherde wie die Gefahr einer erneuten Pleite in Argentinien, die Aufstände in Hongkong und der Kaschmir-Konflikt zwischen Indien und Pakistan. Fondshäuser wie Blackrock, die DWS, Union Investment oder Flossbach von Storch haben die Aktienquoten in einigen ihrer Portfolios gesenkt.

„Auch aus Sicht der Vorstände und Aufsichtsräte deutscher Unternehmen wird sich der Börsentrend nach unten fortsetzen“, meint Olaf Stotz, Professor an Privatuniversität Frankfurt School of Finance & Management. Er beobachtet seit etwa 16 Jahren die Käufe und Verkäufe von Top-Managern von Aktien der eigenen Unternehmen und analysiert, was sie für die Entwicklung der Märkte bedeuten. Dafür hat er das Insiderbarometer entwickelt, das alle zwei Wochen im Handelsblatt veröffentlicht wird.

Dieses Barometer ist seit Anfang Juli deutlich von 150 auf etwas unter 125 Punkte gefallen. Schon beim ersten Rutsch um neun Punkte hatte Stotz betont, dass Aktienkurse oft stagnierten oder fallen, wenn das Insiderbarometer so deutlich sinkt – unabhängig vom absoluten Niveau. Jetzt beschleunigt sich die Talfahrt.

Umfangreichste Verkäufe bei Delivery Hero

In den vergangenen beiden Wochen gab das Insiderbarometer erneut um zehn Punkte nach. Der Barometerstand von etwas unter 125 Punkten bedeutet, dass es in den vergangenen drei Monaten gemessen an der Historie des Barometers mehr Käufe als Verkäufe gab. Doch wichtig ist eben, dass die Verkäufe zunehmen.

In den vergangenen beiden Wochen haben 22 Unternehmen Käufe ihrer Vorstände und Aufsichtsräte an die Finanzaufsicht Bafin gemeldet. Die Käufe liegen etwas über dem historischen Durchschnitt von neun Käufen je Woche. Bei den umfangreichsten Verkäufen fällt auf, dass es sie allesamt bei Unternehmen mit stark gestiegenen Aktienkursen gab.

Der mit Abstand umfangreichsten Verkauf von gut elf Millionen Euro kommt vom Essenslieferanten Delivery Hero. Firmengründer Niklas Östberg und Finanzchef Emmanuel Thomassin trennten sich von Aktien. Thomassin verkaufte über die Vermögensverwaltung Steelhorse Capital. Die Aktie hat seit Januar mehr als ein Drittel zugelegt.

Wenn es nach Analysten geht, hat die Aktie von Delivery Hero noch mehr Potenzial. Fast alle Banken, die den MDax-Wert beobachten, raten laut Finanzdienst Bloomberg zum Kauf. Den Grund dafür bringt Sarah Simon von der Berenberg Bank auf den Punkt: Die Konkurrenz verblasse hinter dem Wachstum, meint sie.

Tatsächlich hat der Essenslieferdienst im zweiten Quartal seinen Umsatz auf 314,6 Millionen Euro mehr als verdoppelt. In der zweiten Jahreshälfte will er im Geschäft in Europa die Gewinnschwelle erreichen.

Auch der Online-Modehändler Zalando, bei dem sich Co-Chef Rubin Ritter erneut von Aktien trennte, hat viele Analysten mit guten Zahlen im zweiten Quartal überzeugt. Im vergangenen Jahr war die Aktie unter anderem nach einer Gewinnwarnung abgestürzt, ist seit Januar aber um fast 80 Prozent gestiegen und lag an diesem Freitagnachmittag bei 40 Euro. Für das laufende Jahr hat Zalando die Gewinnerwartungen leicht erhöht.

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Der Bausoftwarespezialist Nemetschek hat ebenfalls gute Zahlen vorgelegt und seine Wachstumsziele für das Gesamtjahr bestätigt. Von daher sollte man wohl auch hier den Insiderverkauf von Firmengründer und Aufsichtsrat Professor Georg Nemetschek nicht überbewerten. Nemetschek und die Nemetschek Vermögensverwaltung halten auch nach dem Verkauf mit 52,6 Prozent die Mehrzahl der Aktien. Seit Jahresanfang hat die Aktie über 45 Prozent an Wert gewonnen.

Mehr als die Hälfte an Wert hat die Aktie des Triebwerkherstellers MTU Aero Engines zugelegt – und ist dabei anders als Delivery Hero, Zalando und Nemetschek nicht einmal in den vergangenen Tagen gefallen. Im Gegenteil: Die Aktie eilte zuletzt von Rekord zu Rekord. Bei MTU gab es aber keine Verkäufe, sondern große Käufe von Vorstandschef Reiner Winkler und von Vorstand Peter Kameritsch.

Bei der MTU-Aktie könnte es bald noch mehrere Allzeithochs geben. Der Konzern gilt neben der Deutsche Wohnen als ein Aufstiegskandidat für den Dax und würde in diesem Fall Neukäufer anziehen. Aus dem Dax weichen muss angesichts der geschrumpften Marktkapitalisierung sehr wahrscheinlich Thyssen-Krupp. Ob MTU oder die Deutsche Wohnen das Rennen machen, entscheidet sich Anfang September.

Die Geschäfte von MTU laufen jedenfalls gut. MTU-Chef Winkler hat die Gewinnerwartungen für das laufende Jahr angehoben, nachdem der Konzern im ersten Halbjahr schon fast zehn Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum verdient hatte.

Sewing will in Deutsche-Bank-Aktien investieren

Anders als bei MTU können die übrigen großen Aktienkäufe der vergangenen beiden Wochen als antizyklisch angesehen werden. Antizyklisch bedeutet, dass die Firmenlenker die Aktien gegen den Trend bei fallenden Kursen kaufen. Das kann bedeuten, dass die Top-Manager, die ihre Unternehmen besser kennen als andere Anleger, die Aktien für unterbewertet halten.

So gab es die größten Käufe zuletzt beim Getränke- und Lebensmittelabfüller Krones. Nach einer Gewinnwarnung im Juli ging es für die Aktie erneut deutlich bergab. Seit Jahresanfang summiert sich der Verlust auf ein Viertel, auf Sicht von einem Jahr hat die Aktie mehr als die Hälfte an Wert eingebüßt.

Aufsichtsrätin Petra Schadeberg und Aufsichtsratschef Volker Kronseder – Sohn des Firmengründers Hermann Kronseder – halten den Kursrückgang womöglich für übertrieben. Sie kaufen über Vermögensverwaltungen zusammen Aktien für mehr als drei Millionen Euro. Es sind die ersten Insiderkäufe bei Krones in diesem Jahr.

Auch beim Chemiekonzern BASF gab es Anfang August die ersten großen Insiderkäufe des Jahres. Im Juli hatte BASF nach einem schwachen ersten Quartal die Gewinnerwartung für das laufende Jahr drastisch gesenkt. Die Aktie leidet wie auch die anderer zyklischer Unternehmen unter den schwächeren Konjunkturaussichten. Ende vergangener Woche fiel sie auf den niedrigsten Stand seit sieben Jahren.

Die Aktie von Pro Sieben Sat 1 fiel zuletzt auf ein Neunjahrestief, die Aktie der Deutschen Bank markierte ein Rekordtief. Beim Pro Sieben Sat 1 gab es in diesem Jahr schon häufig Insiderkäufe. Bei der Deutschen Bank wird Vorstandschef Christian Sewing viele kaufen.

Um sein Vertrauen in die Umbaupläne des Geldhauses zu unterstreichen, will Sewing ein Viertel seines Grundgehalts in Deutsche-Bank-Aktien investieren. Aufsichtsratschef Paul Achleitner hat Anfang August ebenfalls ein starkes Vertrauenssignal gesetzt und Aktien für fast eine Million Euro gekauft.

Mehr: Viele Vermögensverwalter haben die Aktienanteile in ihren Portfolios verringert. Sie setzen auf Anleihen – und suchen nach „sicheren Aktien für unsichere Zeiten“.

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