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Insiderbarometer Topmanager fürchten keinen Börseneinbruch

Deutschlands Führungskräfte kaufen auch bei hohen Kursen Aktien der eigenen Unternehmen. Vor allem bei einer Firma langt ein Aufsichtsrat kräftig zu. 
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Der Dax stieg zuletzt auf den höchsten Stand seit Ende Januar 2018. Quelle: dpa
Deutsche Börse Frankfurt

Der Dax stieg zuletzt auf den höchsten Stand seit Ende Januar 2018.

(Foto: dpa)

Frankfurt Rund elf Prozent hat der Dax allein seit Anfang Oktober zugelegt. In der Spitze stieg er auf bis zu 13.300 Punkte und damit den höchsten Stand seit Ende Januar 2018. Zumindest einige Strategen fürchten deshalb Rückschläge. Andreas Hürkamp von der Commerzbank zum Beispiel würde ein Dax-Niveau von über 13.200 zum Abbau von Aktienpositionen nutzen.

Deutschlands Vorstände und Aufsichtsräte sehen das offensichtlich anders. Sie haben in den vergangenen beiden Wochen wieder stärker Aktien der eigenen Unternehmen gekauft. Olaf Stotz, Professor für Asset Management an der Privatuniversität Frankfurt School of Finance & Management, findet das überraschend: „Eigentlich neigen Unternehmensinsider antizyklisch dazu, bei hohen Kursen Aktien zu verkaufen.“  

Dass dies zuletzt nicht mehr der Fall war, wertet Stotz als positives Zeichen für den Markt. Euphorisch ist die Stimmung der Firmenlenker indes nicht. Denn es gab anders als noch Ende Oktober auch wieder mehr Führungskräfte, die Aktien verkauften. Als Folge stieg das Insiderbarometer, das Stotz gemeinsam mit Commerzbank Wealth Management regelmäßig für das Handelsblatt berechnet, um fünf auf 130 Punkte.

Damit signalisiert es, dass sich Aktien auf Sicht von drei Monaten besser als andere Anlageklassen entwickeln sollten.

Zuletzt gab es zwar relativ viele Käufe, aber nur einen richtig großen. Beim im MDax notierten Gewerbeimmobilienkonzern Dic Asset Management kaufte Aufsichtsrat Gerhard Schmidt über die TTL Real Estate GmbH Aktien für mehr als sieben Millionen Euro. Gleichzeitig legte sich Aufsichtsrat René Zahnd Aktien für knapp 45.000 Euro ins Depot. 

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Das war an dem Tag, als Dic Asset einen 40-prozentigen Anstieg des operativen Gewinns in den ersten neun Monaten verkündet hatte. Dabei zahlte sich die Übernahme des Immobilien- und Investmentmanagers GEG German aus. Die Dic-Asset-Aktie legte nach den Quartalszahlen zehn Prozent zu. 

Schmidt beaufsichtigt Dic Asset Management seit dem Jahr 2002 und kennt das Unternehmen von daher sehr gut. Bereits im August und September hatte er Aktien für insgesamt 11,6 Millionen Euro gekauft. Und offensichtlich sieht er auch nach dem Kursanstieg von 40 Prozent seit Januar noch Potenzial. Die Jahresprognose für das operative Ergebnis hat der im SDax notierte Konzern für das laufende Jahr von 88 Millionen bis 90 Millionen auf 95 Millionen Euro angehoben. 

Gesellschafter verkaufen Hella-Aktien

Den größten Verkauf gab es zuletzt beim auf Licht- und Elektronik spezialisierten Automobilzulieferer Hella. Hier trennten sich gleich mehrere Gesellschafter von Aktien über zusammen gut 46 Millionen Euro. Das klingt dramatisch, ist aber nur ein kleiner Abbau. Die Gesellschafter trennten sich nur von einem Teil der Aktien im Streubesitz. Neben diesen frei handelbaren Aktien halten sie 60 Prozent des Grundkapitals. 

Hella hat im ersten Quartal operativ 15 Prozent weniger verdient als im Vorjahresquartal. Der Konzern hat ein gebrochenes Geschäftsjahr, das im Juli beginnt. Die Aktie hat sich dennoch besser gehalten als die vieler anderer Automobilzulieferer.

Stotz hält sie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 17 für die nächsten zwölf Monate für hoch bewertet. Tatsächlich liegt das durchschnittliche KGV für europäische Autohersteller und -zulieferer bei nur 8,5. Von daher sollten laut Stotz auch Privatanleger über einen Verkauf der Aktie nachdenken.

Einen Rückgang des operativen Ergebnisses von 17 Prozent in den ersten drei Monaten des Jahres verzeichnete der Schmiermittelhersteller Fuchs Petrolub. Hier trennte sich Vorstand Ralph Rheinbold von Aktien für gut 240.000 Euro. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern wegen der Krise der Automobilindustrie zwar weiter einen deutlichen Ergebnisrückgang,  nun aber am oberen Ende der Prognose. 

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 26 mit Blick auf die kommenden zwölf Monate liegt die Aktie von Fuchs Petrolub leicht über dem Durchschnitt der europäischen Chemiekonzerne.  Sebastian Bray, Analyst bei der Berenberg Bank, findet die Aktie angesichts des mehr als 30-prozentigen Kursanstiegs gegenüber den Jahrestief inzwischen „etwas teuer“. 

Voll des Lobes sind Analysten dagegen mit Blick auf die Aktie des Softwarekonzerns SAP. 65 Prozent der Analysten, die die Aktie beobachten, raten zum Kauf der Aktie des Softwarekonzerns, 30 Prozent zum Halten. SAP-Personalvorstand Stefan Ries hat zuletzt dennoch Aktien verkauft. 

Mit gut 120.000 Euro ist der Verkauf bei SAP aber relativ klein. Verkäufe unter 100.000 Euro schaffen es selten in die Toplisten der größten Insiderverkäufe. SAP hat als eines der wenigen Dax-Unternehmen in diesem Jahr seine Gewinnprognose angehoben. Für dieses Jahr rechnet der Konzern mit einem Betriebsgewinn von acht Milliarden Euro. 

Mehr: Der Frühindikator Börse funktioniert – zumindest bis jetzt, sagt Handelsblatt-Redakteur Ulf Sommer.

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