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Interview Ingo Speich: „Nachhaltigkeits-Label für Finanzprodukte greifen zu kurz“

Der Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance der Sparkassen-Fondstochter Deka spricht über einen nötigen, aber nicht zu engen Rahmen für Investoren.
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„Was fehlt, sind Kriterien, wie Nachhaltigkeit mit Leben gefüllt wird“, sagt der Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance von Deka.
Ingo Speich

„Was fehlt, sind Kriterien, wie Nachhaltigkeit mit Leben gefüllt wird“, sagt der Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance von Deka.

Frankfurt Herr Speich, die Bundesbank mahnt klare Kriterien dafür an, was „grün“ und „nachhaltig“ bei Finanzprodukten bedeutet. Bremst mangelnde Transparenz Investorgeld aus?
Es hat sich bereits am Markt durchgesetzt, was Nachhaltigkeit ist: das Berücksichtigen von Umwelt- und sozialen Zielen sowie gute Unternehmensführung. Was fehlt, sind Kriterien, wie Nachhaltigkeit mit Leben gefüllt wird. Da setzt die Bundesbank zu Recht an. Entscheidend ist nun, dass grobe Leitplanken gesetzt werden, es muss aber Spielraum für Investoren bleiben: Ein zu weit gefasster Rahmen fördert Wildwuchs. Er darf aber nicht zu eng ausgerichtet werden, das würgt das Konzept ab. Dann gäbe es zu wenig verschiedene Möglichkeiten zu investieren, was Klumpenrisiken schafft. Außerdem würden die meist institutionellen Anleger nicht in Nachhaltigkeit investieren, weil sie ihre individuellen Strategien nicht umsetzen könnten.

Wie wichtig sind konkrete EU-Standards für die Entwicklung des Marktes?
Eine Taxonomie, wie sie die EU einführen will, macht grundsätzlich Sinn, auch wenn bestimmte Dinge kritisch zu sehen sind wie das Thema Atomkraft. Allerdings ist die Taxonomie nicht verbindlich. Die Regulierung aber wird das Thema vorantreiben. So wird etwa die Verordnung über die EU-Regeln für mehr Verbraucherschutz Mifid II Druck auslösen: In der Anlageberatung bei Privatkunden muss künftig eine Präferenz für Nachhaltigkeit festgelegt werden. Das wird die Welt der Geldanlage komplett verändern – jede Anlageentscheidung wird davon betroffen sein.

Was bringt ein Nachhaltigkeits-Label für Finanzprodukte?
Solche Label greifen meist zu kurz. Es hat in der Finanzindustrie noch nie etwas gebracht, einfach ein Siegel auf ein Produkt zu kleben. Unklar ist auch, wer das Siegel vergeben soll. Zudem dürfte das in jedem Land anders gehandhabt werden.

Was kommt noch auf die Branche zu?
Es wird vonseiten der Regulierung Druck auf den gesamten Geschäftsprozess geben bei Vermögensverwaltern, Banken und Versicherern. Das neue Merkblatt der Finanzaufsicht Bafin zu Nachhaltigkeit wird sehr viele ihrer Prozesse betreffen. Die neuen Anforderungen könnten verbindlich Gegenstand der Bankenaufsicht werden – und 2020, unter der EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands EU-weit durchgesetzt werden. Deutschland hat sich bisher zu wenig eingebracht, um die neuen Vorgaben mitzuprägen. Das dürfte sich nun unter der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ändern.

Was bedeuten neue Vorgaben für den Markt?
Bisher wächst nachhaltig gemanagtes Vermögen drei- bis viermal so stark wie der Gesamtmarkt in Europa, also circa 18 bis 25 Prozent im Jahr. Wenn Privatanleger in den bisher von Großinvestoren geprägten Markt einsteigen, dürfte sich das Wachstum noch weiter erhöhen.

Mehr: Schwammige Vorgaben für nachhaltige Geldanlagen bremsen den Markt für nachhaltige Finanzprodukte, moniert die Bundesbank. Sie fordert mehr Verbindlichkeit und Transparenz.

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