Interview mit Joachim Fels von Pimco Kommt der Bärenmarkt? „Wenn es in den USA rasselt, wird es auch in Europa rasseln“

Joachim Fels, der Chefökonom von Pimco, spricht über den Handelskrieg, die geldpolitische Strategie und darüber, warum er die nächste Rezession frühestens 2020 erwartet.
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Wann kommt die nächste Rezession und wodurch wird sie wohl ausgelöst? Quelle: AP
Skeptischer Händler an der Wall Street

Wann kommt die nächste Rezession und wodurch wird sie wohl ausgelöst?

(Foto: AP)

Es ist ein langsamer Abschied von den guten Zeiten. Schon vor einem Jahr hat Pimcos Chefökonom Joachim Fels angekündigt, dass sich der Anleihe-Investor auf die nächste Korrektur einstellt. Eine Rezession erwartet er jedoch nicht, zumindest nicht im nächsten Jahr.

Herr Fels, die Aktienmärkte waren ungewöhnlich nervös in den vergangenen Wochen. Ist dies der Beginn einer großen Korrektur?
Nein, am Aktienmarkt ist dies noch nicht die große Korrektur. Der große Bärenmarkt kommt in der Regel erst kurz vor oder während einer Rezession. Ich glaube wir sind in einer Spätphase des Konjunkturzyklus. Aber die nächste Rezession ist noch nicht um die Ecke. Dazu gibt es in der Wirtschaft im Moment noch nicht die typischen Ungleichgewichte und Verspannungen, die eine Rezession notwendig gemacht haben.

Die US-Notenbank Fed ist noch nicht restriktiv, was in der Vergangenheit oft Rezessionen gebracht hat. Sie bewegt sich derzeit auf eine neutrale Geldpolitik zu. In USA ist die Fiskalpolitik für dieses und für weite Teile des nächsten Jahres auch noch unterstützend. Insofern denke ich, dass die nächste Rezession frühestens in 2020 anstehen wird.

Werden sich denn die Märkte bis dahin wieder beruhigen?
Es wird immer wieder Korrekturen geben, so wie wir sie im Moment sehen. Es ist durchaus typisch in einer Spätphase des Zyklus, dass die Volatilität zunimmt. Aber normalerweise laufen die Aktienmärkte immer noch ganz gut in so einer Phase. Die brechen dann erst richtig ein, wenn klar ist, dass die Rezession bevorsteht oder sogar schon angefangen hat.

Wie sieht die Lage denn in Europa aus?
Europa hinkt im Konjunkturzyklus etwas hinterher, weil wir uns zwischendurch noch eine Rezession genehmigt haben, in 2012 und 2013. Das Problem ist nur: Wenn in den USA eine Rezession kommt, wird sich Europa sehr wahrscheinlich nicht abkoppeln können. Wenn es in den USA rasselt, wird es auch in Europa rasseln. Zumal die Geldpolitik in Europa relativ wenig Spielraum hat.

Was heißt das für Anleger?
Es ist noch nicht die Zeit, alles zu verkaufen und in Cash oder in sichere Staatsanleihen zu gehen. Denn man kann einiges an Rendite auf dem Tisch liegen lassen. Aber in Spätphase des Zyklus wird das Investieren schwieriger. Zum einen, weil die Volatilität zunimmt und zum anderen, weil man angesichts hoher Bewertungen nicht mehr so hohe Renditen erwirtschaften kann.

„Wenn es zu einer Krise in Europa kommt, die von Italien ausgelöst wird, dann wird das globale Auswirkungen haben.“ Quelle: Reuters
Joachim Fels

„Wenn es zu einer Krise in Europa kommt, die von Italien ausgelöst wird, dann wird das globale Auswirkungen haben.“

(Foto: Reuters)

Wie hat sich Pimco in so einer Phase aufgestellt?
In dieser späten Phase gibt es ein paar typische Verhaltensweisen. Erstens: Die Renditeaufschläge für Unternehmensanleihen weiten sich aus, während der Aktienmarkt noch einigermaßen gut läuft. Deshalb sind wir in unseren Multi-Asset-Fonds Unternehmensanleihen leicht untergewichtet. Was Aktien angeht, sind wir neutral gewichtet.

Gut laufen in der Spätphase der Konjunktur auch noch Rohstoffe – auch weil die Inflation ins Laufen kommt. In den USA machen daher auch inflationsgeschützte Anleihen Sinn. Außerdem denken wir, dass gerade in den USA Staatsanleihen mit kurzer und mittlerer Laufzeit sinnvoll sind. Die Renditen sind da schon deutlich gestiegen. Wir sind fast bei drei Prozent bei zwei- bis fünfjähriger Laufzeit. Und wenn die Rezession doch schon früher kommt, dann haben solche Staatsanliehen sehr viel Kurspotenzial nach oben. Damit kann man also sein Portfolio diversifizieren.

In Europa gab es so einen Renditeanstieg jedoch nicht.
Das ist richtig. Das bedeutet: Wenn eine Rezession käme, gibt es nicht so viel Kurspotential nach oben. Weil die Preise schon so hoch beziehungsweise die Renditen noch so niedrig sind.

Welche Faktoren werden am ehesten eine Rezession auslösen?
An erster Stelle steht da die Gefahr, dass dieser Handelskrieg deutlich eskaliert. Was bisher passiert ist, ist noch nicht so dramatisch. Aber wenn Präsident Trump und Präsident Xi sich nicht bald einigen, sondern sich das weiter hochschaukelt, dann drohen immer höhere Zölle auf immer mehr Einfuhren und eine weitere Abwertung der chinesischen Währung. Und dann könnte uns schon nächstes Jahr eine Rezession ins Haus stehen.

Und das zweite Risiko?
Dass die Inflation doch deutlich anzieht und die Fed doch noch mal kräftig die Zinsen erhöhen wird. So wurden Wachstumsphasen in der Vergangenheit immer abgewürgt.

Und was könnte die Inflation nun, nach langer Schwächephase, ans Laufen bringen?
Die durch die Fiskalpolitik angeheizte starke Nachfrage. Das Wirtschaftswachstum liegt in den ersten zwei Quartalen bei knapp vier Prozent. Damit verbunden ist auch die Überhitzung des Arbeitsmarktes. Das ist nicht unser Basisszenario. Aber da können wir falsch liegen.

Wie besorgt sind Sie über die Lage in Italien?
Das macht uns durchaus Sorgen. Das ist ein Markt, den wir deutlich untergewichtet haben.

Könnte Italien eine Krise in Europa auslösen und damit auch eine Krise in den USA?
Ja, das ist möglich. Wenn es zu einer Krise in Europa kommt, die von Italien ausgelöst wird, dann wird das globale Auswirkungen haben. Denn Sie dürfen nicht vergessen: Italien ist der drittgrößte Anleihemarkt der Welt, nach den USA und Japan. Die Krise wäre vielleicht nicht ganz so schlimm wie die erste Euro-Krise, weil die Banken vorsichtiger aufgestellt sind und weil die Anleihen aus den Portfolios internationaler Anleger nach Italien zurückgewandert sind – entweder auf die Bücher der Bank von Italien oder auf die Bücher der italienischen Banken. Insofern ist die Ansteckungsgefahr nicht so groß.

Pimco hat schon Ende 2017 angefangen Risiken abzubauen. Sind Sie immer noch dabei oder kaufen Sie langsam wieder zu?
Wir haben einen strukturierten Investitionsprozess und stellen jedes Quartal unsere Konjunktur- und Markteinschätzungen grundsätzlich auf den Prüfstand. Im September haben wir unsere vorsichtige Positionierung noch verstärkt. Wir sind untergewichtet was Unternehmensanleihen angeht, vor allem im Hochzins-Bereich. Auch was die Emerging Markets angeht sind wir vorsichtig eingestellt.

Aber: Wir sind nach wie vor investiert. Wir achten jedoch in jeder Asset-Klasse darauf, dass wir in liquideren und sicheren Anlagen sind. Wenn es dann Kurskorrekturen gibt, kann das auch mal eine Gelegenheit sein, um zuzukaufen und das Risiko wieder etwas hochzufahren.

Herr Fels, vielen Dank für das Interview.

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