Interview zum Börseneinbruch „Das China-Risiko steigt“

Nach schweren Verlusten stoppte die Aufsicht den Börsenhandel in China, kurz darauf brach der Dax ein. Der Kapitalmarkt-Stratege der Deutsche Bank-Anlagesparte erklärt den Kurssturz und gibt einen Ausblick.
Das wurde 2015 aus 100.000 Euro
Platz 25: Ukrainische Aktien
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Der Konflikt mit den pro-russischen Separatisten im Osten des Landes, aber auch Misswirtschaft hat die Ukraine an den Rand des Staatsbankrotts getrieben. Der Internationale Währungsfonds hält Kiew mit Hilfskrediten über Wasser und fordert im Gegenzug Wirtschafts- und Sozialreformen. Der Leitindex PFTS verlor 2015 mehr als 35 Prozent, gleichzeitig brach die ukrainische Währung Hrywnja ein. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in die Aktien des Leitindex investierte, hat jetzt nur noch 44.950 Euro - also mehr als die Hälfte seines Geldes verloren, so viel wie mit keiner anderen Anlage.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Platz 24: Brasilianische Aktien
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Das südamerikanische Land durchlebt eine der schwersten Wirtschaftskrisen seiner Geschichte. Die Inflation ist bereits zweistellig und Volkswirte fürchten, dass Brasiliens Wirtschaft bis 2017 um acht Prozent schrumpfen wird. Die Politik ist durch einen Korruptionsskandal gelähmt. Das belastete auch die Börse deutlich. Der Index Ibovespa verlor zwölf Prozent. Da gleichzeitig der Real gegenüber dem Dollar und dem Euro einbrach, vergrößert sich der Verlust für Euro-Anleger: Von 100.000 Euro bleiben nur 66.200 Euro übrig.

Stand: 29.12.2015, Schlusstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Platz 23: Brentöl
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Der Verfall der Ölpreise – bedingt durch die Wachstumssorgen in den Schwellenländern und die unverändert hohen Fördermengen der Opec – hielt das ganze Jahr an. Kurz vor Weihnachten fiel der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar auf das Elf-Jahrestief von 35,98 Dollar und ist seither nur leicht gestiegen. In Dollar gerechnet liegt der Jahresverlust bei gut 35 Prozent, in Euro sind es 28,16 Prozent. Das heißt: Aus 100.000 Euro wurden 71.850 Euro.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Platz 22: Aktien Griechenland
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Anders als für die nur noch wenigen Besitzer griechischer Anleihen war für die Besitzer griechischer Aktien ein schlechtes Jahr: Fünf Wochen lang war im Sommer die griechische Börse wegen des drohenden Ausscheidens Griechenlands aus dem Euro-Raum geschlossen. Als die Börsen im August wieder öffneten, ging es weiter bergab: Der Leitindex ASE brach in diesem Jahr um 25,37 Prozent ein – von 100.000 Euro blieben Anlegern nur 74.630 Euro übrig.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Platz 21: Magere Schweine
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Nicht nur Öl, Industrierohstoffe und Metalle sind 2015 unter die Räder gekommen, sondern auch die Preise für landwirtschaftliche Produkte. Dazu gehören auch an der Chicago Mercantile Exchange gehandelte Terminkontrakte auf Nutztiere: Der Preis für magere Schweine zum Beispiel fiel hier um 27 Prozent. In Euro gerechnet liegt der Verlust bei 19,34 Prozent. Somit bleiben von 100.000 investierten Euro noch 80.660 Euro übrig.

Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Platz 20: Kaffee
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Auf dem Preis für die schwarzen Bohnen lastet unter anderem der heftige Verlust des brasilianischen Real zum Dollar, da Brasilien das mit Abstand wichtigste Kaffee produzierende und exportierende Land ist. Gleichzeitig sind die Ernteaussichten gut, das erwartete hohe Angebot drückt zusätzlich auf den Preis. In Euro gerechnet fiel der Terminkontrakt für am Chicago Board of Trade gehandelten Kaffee um 19,28 Prozent. Das entspricht bei einer Anlage von 100.000 Euro einem Verlust von 19.280 Euro.

Stand: 29.12.2015, Schlusstand. Quelle: Bloomberg, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 19: US-Junk-Bonds der Energiebranche
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Der Verfall der Öl- und Gaspreise ließ die Ausfälle bei amerikanischen Energieunternehmen mit schwacher Bonität nach oben schnellen. Die Folge: Die Kurse der Junk-Bonds (Schrottanleihen) dieser Unternehmen fielen rasant. In Dollar gerechnet ist ein Verlust von 23,9 Prozent aufgelaufen, in Euro sind es mehr als 15 Prozent. Aus 100.000 Euro sind so bei dieser Anlage nur noch 84.440 Euro geworden.

Stand: 29.12.2015, Schlussstand. Quelle: Bloomberg. Angaben ohne Transaktionskosten.

Bei sieben Prozent Minus war Schluss: Die Aufsicht stoppte am Montag den Handel an den chinesischen Inlandsbörsen. Kurz darauf brachen weltweit die Kurse ein, der Dax verlor zeitweise mehr als vier Prozent. Stefan Kreuzkamp, Chefstratege der Anlagesparte der Deutschen Bank, beantwortet fünf drängende Fragen der Anleger.

Wird das China-Risiko größer?
Wir messen China generell ein hohes Gewicht für die Wachstumsaussichten 2016 bei. Dabei haben wir unsere Erwartungen für das Chinesische Wachstum bereits Ende 2015 auf 6 Prozent reduziert. An diesem bereits konservativen Ausblick halten wir fest. Allerdings sind die Volatilität und Stärke der Ausschläge wie bereits im Juli und August 2015 mehr als bemerkenswert. Das „China-Risiko“ in der Wahrnehmung und Reaktion des Marktes steigt anscheinend an. Jedoch sollten diese Ausschläge nicht eins-zu-eins in allgemein höhere Risiken umgedeutet werden.

CIO Deutsche Asset & Wealth Management. Quelle:
Stefan Kreuzkamp

CIO Deutsche Asset & Wealth Management.

Werden chinesische Aktien ihre Tiefkurse aus dem vergangenen Jahr noch unterschreiten?
Dies ist durchaus möglich. Kurzfristig erwarten wir, dass die chinesische Börse volatil und sehr stark von der Politik der Chinesischen Regierung abhängig bleiben wird.

Kann der neuerliche Sturz die anderen Emerging-Markets-Börsen belasten?
Natürlich belasten die Markturbulenzen in China. Mindestens genauso wichtig wie die unmittelbare Kurskorrektor ist aber die längerfristige Belastung für andere Emerging-Market Börsen, die vom Umbau von China’s Wachstumsmodell in Richtung Binnenkonsum und Dienstleistungen ausgeht. Dies gilt besonders für Rohstoffexporteure und ist einer der Gründe, wieso wir Emerging Markets insgesamt untergewichten.

Besteht ein Ausstrahlrisiko auf die europäischen Märkte und die Wall Street?
Auch hier gilt, dass die Markturbulenzen in China belasten, wobei man den unmittelbaren Einfluss von Kurschwankungen an sich nicht überschätzen sollte. Wichtiger wird, ob und wie stark sich das Wachstum tatsächlich weiter verlangsamt und inwieweit es in China zu weiteren Reformen kommt.

Bedeuten die letzten schlechten chinesischen Wirtschaftsdaten auch weitere Belastungen für die Rohstoffpreise?
In den Rohstoffpreisen ist bereits einiges an schlechten Nachrichten enthalten und andere Faktoren sind ebenso wichtig. Schlussendlich geht es auch hier mehr um die Frage, wie sich der Umbau Chinas im weltweiten Wachstum wiederspiegelt.

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