Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Investmentbanking Wie der Zwang zur Digitalisierung Fusionen und Übernahmen befeuert

Deutsche Firmen wollen durch Verkäufe von Unternehmensteilen Geld für Digitalisierungsprojekte lockermachen und dadurch die Konkurrenz einholen.
Kommentieren
In den kommenden Jahren wächst der Druck auf Unternehmen, mehr in die Digitalisierung zu investieren. Quelle: dpa
Digitaler Wandel in der Wirtschaft

In den kommenden Jahren wächst der Druck auf Unternehmen, mehr in die Digitalisierung zu investieren.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Digitalisierung lässt die Manager in den Unternehmen nicht mehr los. Nur die Firmen, die hier vorn mitspielen, haben eine Zukunft, erwarten die Spitzenkräfte. Entsprechend fallen Studien aus: 95 Prozent der Unternehmen planen Investitionen in den kommenden zwei Jahren, um die Digitalisierung auszubauen, ist das Ergebnis einer Umfrage, die die Kanzlei Noerr zusammen mit dem Finanzdatendienst Merger Market und der Technischen Universität München durchgeführt hat.

„Dabei haben 68 Prozent der befragten deutschen Unternehmen eingeräumt, dass für sie der digitale Umbau die zentrale Rolle in ihrer Strategie spielt“, betont Gerald Reger, Partner bei Noerr. Denn deutsche Firmen hinken vor allem asiatischen Unternehmen hinterher, insbesondere der Mittelstand. Diesen Rückstand wollen sie vor allem mithilfe von Übernahmen wettmachen. Für die Studie wurden 150 Entscheider in deutschen Unternehmen befragt.

Im ersten Quartal des laufenden Jahres war von dem Versuch, den Abstand bei der Digitalisierung mithilfe von Fusionen und Übernahmen (M&A) zu verkleinern, noch wenig zu merken. Investmentbanker waren von dem M&A-Aufkommen enttäuscht. Bei den Deals mit deutscher Beteiligung brach das Volumen gegenüber der Vergleichszeit des Vorjahres um 67 Prozent ein. Anhaltende Konjunkturängste und die ungelösten handelspolitischen Spannungen mit den USA verhagelten das Geschäft.

Umso mehr setzen die Banker jetzt auf die Digitalisierung der Wirtschaft. Hier sollen in den kommenden Dekaden die stärksten Impulse aus dem Verkauf von Konzernteilen und Tochterunternehmen herkommen, um daraus eine Kriegskasse für Übernahmen im Geschäft mit Digitalisierung zu schaffen.

Noch viel Zurückhaltung

Momentan sieht der Berater EY eine ganz besondere Situation. Viele Faktoren kämen zusammen und verstärkten den Trend zu mehr Desinvestitionen. Einmal gebe es die Konzentration auf die Kernbereiche der Konzerne.

„Dazu kommen transformative Veräußerungen von Geschäftsbereichen als Folge der Digitalisierung. Ferner ist in den kommenden 18 Monaten mit Restrukturierungen zu rechnen“, sagt Carsten Kniephoff, Leiter Divestment für Europa bei der Beratungsgesellschaft EY. Insgesamt 82 Prozent der befragten Manager in Deutschland wollten sich in den kommenden zwei Jahren von Unternehmensteilen trennen. Weltweit befragte EY 930 Manager.

Die Abtrennung von Geschäftsfeldern hat im vergangenen Jahrzehnt stetig zugenommen. Im vergangenen Jahr wurden knapp 10.500 Deals gezählt, 2010 waren es nur 6800. Jetzt erwarten die Manager in der Industrie, Berater und Investmentbanker einen neuen Schub. „In einigen Branchen stehen wir erst am Anfang der Desinvestments, denken Sie nur an die Automobilbranche“, glaubt Kniephoff von EY. Vermehrt sind Verkäufe der Randgeschäfte zu beobachten.

Außerdem fehlt oftmals die Liquidität, um digitale Firmen kaufen zu können. Über Desinvestments kommt das notwendige Geld in die Kassen. „Das kann über Börsengänge oder aber Verkäufe an Finanzinvestoren und Strategen gehen“, betont Noerr-Anwalt Reger. Die Finanzinvestoren stünden wegen der massiven Geldzuflüsse unter Anlagedruck und seien bereit, auch hohe Bewertungen zu bezahlen. Strategen besäßen den Vorteil einer günstigen Finanzierung.

Beispiel Sprint

Finanzinvestoren wollen die Effizienz und Profitabilität von Gesellschaften erhöhen, die sie von Konzernen übernehmen. Das muss während der üblichen Haltedauer von meist drei bis fünf Jahren passieren, sagt Christian Kames, Chef des deutschen Investmentbankings bei der US-Großbank JP Morgan.

Bei Übernahmen seien durchaus zweistellige Milliardenbeträge von Private Equity darstellbar, wie der Verkauf des Batteriegeschäfts des Autozulieferers Johnson Controls Ende vergangenen Jahres an das Beteiligungsunternehmen Brookfield Business Partners gezeigt habe. Die Strategen wiederum besäßen den Vorteil einer günstigen Finanzierung, die die derzeit vorhandene wirtschaftliche Unsicherheit mehr als ausgleiche, so der Rechtsexperte Reger.

Gerade die Firmen, die auf die Digitalisierung setzten, hätten bessere Chancen, herausragende Renditen bei ihren Investitionen zu erzielen, urteilen die in der Noerr-Studie befragten Unternehmen. Der Anteil von Deals mit einem Digitalisierungselement ist inzwischen von 19 auf 25 Prozent zwischen 2013 bis 2017 gestiegen, haben die Experten errechnet.

Zu den größten Desinvestments zählten 2018 der Verkauf von Sprint durch die Softbank an T-Mobile für 61 Milliarden Dollar und der mehrheitliche Einstieg von Blackstone beim Finanzdatendienstleister Refinitiv für 17 Milliarden Dollar. Beide Transaktionen besitzen viel digitale Wachstumsfantasie.

Investmentbanker Kames von JP Morgan glaubt, dass der Handlungsdruck in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird. „Digitalisierung ist zeitkritisch. Das verstärkt den Druck, Unternehmen zu kaufen, die die benötigte Expertise bereits besitzen. Deutschland hinkt bei der Digitalisierung vielfach hinterher, was viele Unternehmen aber noch nicht vollends wahrhaben wollen“, gibt Kames zu bedenken.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Investmentbanking - Wie der Zwang zur Digitalisierung Fusionen und Übernahmen befeuert

0 Kommentare zu "Investmentbanking: Wie der Zwang zur Digitalisierung Fusionen und Übernahmen befeuert"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.