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Frank Thelen

„Die Blockchain- oder Distributed-Ledger-Technik (DLT) steht für mich gerade erst am Anfang.“

(Foto: Stefan Finger/laif)

Investor Frank Thelen „Deutschland benötigt dringend einen internationalen Technologie-Champion“

Starinvestor Frank Thelen spricht im Interview über die Chancen der Blockchain-Technik, das Zögern der Bundesregierung – und die Frage, was nun zu tun ist.
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Bekannt ist er durch die TV-Sendung „Höhle der Löwen“, geschäftlich erfolgreich schon länger. Frank Thelen zählt zu den wichtigsten Start-up-Investoren und fördert mit seiner Freigeist Capital vor allem digitale Geschäftsmodelle. Der gebürtige Bonner fürchtet, dass Deutschland die nächste industrielle Revolution verschlafen könnte.

Sie haben selbst in das Berliner Krypto-Start-up Neufund investiert. Für wie vielversprechend halten Sie die Blockchain-Technologie und die verbundenen Geschäftsmodelle?
Die Blockchain- oder Distributed-Ledger-Technik (DLT) steht für mich gerade erst am Anfang. Die Vorteile, dass zum Beispiel Transaktionen ohne zentrale Kontrolleinheit zuverlässig und automatisiert abgewickelt werden können, sind für bestimmte Anwendungen ähnlich bedeutend wie der Wechsel vom Fax zum Internet. Das gilt nicht für alle Geschäftsmodelle, aber es gibt ausreichend viele, um aus ihnen wirklich bedeutende Technologieunternehmen aufzubauen.

War der Hype rund um Bitcoin und virtuelle Währungen gerechtfertigt oder eine reine Blase?
Die letzten Monate sprechen für sich. Der Kurs des Bitcoins ist von seinen Höhenflügen weit entfernt, 1 000 unsinnige Coins sind vom Markt verschwunden. All das heißt aber nicht, dass die grundsätzliche Idee falsch ist. Es ist ein bisschen so wie in der Frühzeit der New Economy: Da gab es ein Shopping.com, Amazon und viele andere hochbewertete E-Commerce-Start-ups. Da waren Altavista, Google und Yahoo. Und es überleben eben nicht alle. Auch wenn jetzt eine gewisse Blase geplatzt sein sollte, die grundlegende Technologie ist gekommen, um zu bleiben. Unternehmensanteile, Grundbuch, Pässe, Medikamente, Logistik, das alles gehört auf eine DLT-Plattform.

Manche Beobachter sagen, nur in der Freiheit des Netzes könnten disruptive Geschäftsmodelle entstehen. Andere fordern ein möglichst frühes regulatorisches Eingreifen des Staates. Welche Seite hat recht?
So widersprüchlich es klingen mag: beide. Wir brauchen immer wieder regulatorische „Sandkästen“ für Start-ups, da die Regulierung nicht alles vorhersehen kann. In dieser Branche ist Geschwindigkeit sehr wichtig. Und wir brauchen jetzt endlich eine klare Aussage von der Regierung und der Bafin, ein Signal, dass wir Blockchain in Deutschland wollen. Leider hält sich die Bafin bislang komplett zurück und spielt auf Zeit.

Die neue Anfrage des FDP-Parlamentariers Frank Schäffler zeigt, wie ahnungslos Berlin ist, was Zahlen und Daten angeht. Der Koalitionsvertrag hatte die Blockchain-Technik mehrfach erwähnt, geworden ist daraus wenig. Warum agiert die Politik so langsam?
Zum Zeitpunkt des Koalitionsvertrags war das Stichwort Blockchain überall in den Medien. Dann hat man sich gefreut, dass man so modern ist, und es einfach mehrfach dort verewigt. Insoweit teilt dieser Begriff das Schicksal anderer Themen, die im Koalitionsvertrag genannt werden. Es ist einfach noch nicht bei allen Entscheidern angekommen: Deutschland benötigt wirklich dringend einen internationalen Technologie-Champion. Die Blockchain-Technik wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zwei bis drei relevante Unternehmen hervorbringen. Es ärgert mich sehr, dass wir diese Chance – und davon gibt es wenige – wohl mal wieder verschlafen werden.

Agiert die Bafin eher Start-up-freundlich, oder verzögert die Finanzaufsicht Innovationen?
Die Bafin hat den Zeitpunkt, die richtigen Weichen zu stellen, fast schon verpasst. Es gilt die Devise Risikovermeidung – nicht Chancenoptimierung. Dafür werden die Mitarbeiter auch bezahlt. Hier ist die Führungsmannschaft der Bafin gefragt.

Berlin entwickelt sich zur Kryptohauptstadt, aber andere Standorte schlafen nicht. Wie sähe eine sinnvolle Kryptoregulierung aus? Was muss die Bundesregierung nun tun?
Sich Liechtenstein und Malta anschauen und davon eine optimierte Kopie umsetzen. Was zu tun ist, ist klar. Aber es fehlt mal wieder „German Mut“. Wir diskutieren, prüfen, haben Angst vor Fehlern – und verpassen die nächste große Chance.

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