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IPO-Markt Uber setzt zum Endspurt an die Börse an – trotz tiefroter Zahlen

Dass der Fahrdienstvermittler noch lange Verluste machen wird, sieht sein CEO so gelassen wie viele andere Start-ups, die an die Wall Street drängen.
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Der Manager übernahm die Führung von Uber nach einer Führungskrise im Sommer 2017. Quelle: AFP
Dara Khosrowshahi

Der Manager übernahm die Führung von Uber nach einer Führungskrise im Sommer 2017.

(Foto: AFP)

New YorkZum Endspurt an die Börse hat Uber noch einmal die Marketing-Maschine angeworfen. Der Fahrdienstvermittler will nach den Worten von Vorstandschef Dara Khosrowshahi „das Amazon für die Transportbranche werden“: übermächtig, unangefochten und aus dem Leben der Kunden nicht mehr wegzudenken.

Auf den ersten Blick scheint der Vergleich vorteilhaft. Auch Amazon hat jahrelang Verluste gemacht und stark in den Ausbau der eigenen Plattform investiert, oft gegen den Willen der Aktionäre. Doch die Strategie hat sich ausgezahlt: Heute ist der Onlinehändler einer der wertvollsten Konzerne der Welt – mit einer Marktkapitalisierung von rund 950 Milliarden Dollar.

Ein Erfolg ist nicht garantiert

Am Freitag wird Khosrowshahi einen ersten Eindruck davon bekommen, ob die Anleger seiner Vision folgen. Dann beginnen die Uber-Aktien mit dem Handel an der New York Stock Exchange. Am Donnerstag nach Börsenschluss wird der Ausgabepreis festgelegt, er wird vermutlich zwischen 44 und 50 Dollar liegen. Am oberen Ende der Spanne wäre das 2009 gegründete Unternehmen aus dem Silicon Valley 84 Milliarden Dollar wert, fast so viel wie General Motors und Ford zusammen.

Dass Ubers Geschäftsmodell ähnlich wie das von Amazon aufgehen wird, ist jedoch längst nicht garantiert. Der weltgrößte Fahrdienstanbieter ist hochdefizitär. Im vergangenen Jahr machte Uber 1,8 Milliarden Dollar Verlust, bei einem Umsatz von gut elf Milliarden Dollar. Von Januar bis März lag der Fehlbetrag bei rund einer Milliarde Dollar, der Umsatz bei gut drei Milliarden.

Damit wird der Taxi-Rivale als das Unternehmen in die Geschichte eingehen, das mit den höchsten Verlusten aller Zeiten an die Börse geht – ein Titel, den bislang der kleinere Konkurrent Lyft trug, der Ende März in den Handel startete. Dessen Aktie hat seitdem rund 25 Prozent verloren.

Uber ist längst nicht das einzige Unternehmen aus Kaliforniens Technologiezentrum, das mit tiefroten Zahlen an die Börse strebt. Wework, der Co-Working-Spezialist, machte 2018 sogar stolze 1,9 Milliarden Dollar Verlust – bei einem Umsatz von nur 1,8 Milliarden Dollar.

Der Messenger-Dienst Slack, der in den kommenden Wochen ebenfalls auf das Börsenparkett will, verlor im Jahr 2018 140 Millionen Dollar. Gemeinsam mit den Fehlbeträgen von Lyft und Pinterest, einer Plattform für Fotos und Shopping, die im April an die Börse ging, lagen die Verluste der Start-ups bei knapp fünf Milliarden Dollar – allein im vergangenen Jahr.

Ein Echo der Dotcom-Blase

Uber, Wework und Co. liegen im Trend: 84 Prozent aller Unternehmen, die derzeit an die Börse gehen, schreiben Verluste, geht aus einer Analyse von Jay Ritter, Professor an der University of Florida in Gainesville hervor. Der Anteil ist so hoch wie zuletzt auf dem Höhepunkt des Dotcom-Booms im Jahr 2000.

Vor zehn Jahren lag der Anteil noch bei einem Drittel. Dabei genießen die Unternehmen milliardenschwere Bewertungen: Wework kommt auf 47 Milliarden Dollar, Slack auf 17 Milliarden, Pinterest auf 16 Milliarden und Lyft auf 17 Milliarden Dollar. Der Begriff „Unicorn“ – Start-ups, die mehr als eine Milliarde Dollar wert sind – wurde an der Wall Street längst um „Decacorn“ erweitert, um jene Firmen hervorzuheben, die auf mehr als zehn Milliarden Dollar kommen.

Möglich gemacht haben das die großen Venture-Capital-Geber wie Andreesen Horrowitz, Benchmark und Sequoia Capital. Sie haben die Verluste nicht nur toleriert, sondern sogar gefördert. „Blitzscaling“ hieß das Zauberwort, mit dem die Investoren die Start-ups antreiben, möglichst schnell zu wachsen und Marktanteile zu gewinnen, auch wenn die Dienstleistungen dafür subventioniert werden müssen.

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Die Folge: Uber und Co. konnten deutlich länger in privaten Händen bleiben als die vorherigen Generationen der Technologie-Unternehmen. Dadurch konnten sie vor dem Gang an die Börse deutlich größer werden, als es zu früheren Zeiten üblich war. Ob sich die Bewertungen an der Wall Street halten können, muss sich zeigen.

„Wir glauben fest daran, dass unser Geschäft langfristig wirtschaftlich ist“, versichert Ubers Finanzchef Nelson Chai in einem Video, mit dem der Fahrdienst um die Gunst der Investoren wirbt. Sicher, auch Facebook hatte nach dem Börsengang 2012 eine schwierige Phase an der Wall Street. Der Social-Media-Konzern gehörte später jedoch mit Apple, Google und Netflix zu den unangefochtenen Börsenstars.

Kritiker bleiben dennoch skeptisch. Die Einhörner aus dem Valley „haben noch keine Wirtschaftskrise erlebt“, gibt Daniel Morgan, Portfoliomanager von Synovus Trust, zu bedenken. „Seit zehn Jahren wächst die Wirtschaft, und sie haben es nicht geschafft, in guten Zeiten schwarze Zahlen vorzulegen. Wie soll das werden, wenn in einem Abschwung die Umsätze einbrechen und die Kosten aber weiterhin hoch sind?“

Ubers Vermögenswerte sind gering

Len Sherman von der New Yorker Columbia Business School weist unterdessen darauf hin, dass der Vergleich mit Amazon hinkt. Der Onlinehändler ging 1997 an die Börse, drei Jahre nach der Gründung. Im Jahr 2001 machte er zum ersten Mal Gewinn. Amazon nahm es nicht nur mit Buchhändlern auf, sondern expandierte, investierte Milliarden in das Cloud-Geschäft, das heute hochprofitabel ist.

„Netzwerk- und Skaleneffekte können sehr wichtig sein, um Gewinne zu generieren“, sagt er. Dafür müsse der Marktführer aber die zentrale Infrastruktur besitzen. Bei Amazon sind es die Logistikzentren, die es für Rivalen teuer machen, in den Markt einzudringen. Uber dagegen setzte bewusst auf wenige Vermögenswerte. Die Fahrer sind alle selbstständig. „Das zieht Konkurrenten an.“

Paul Sagawa vom Analysehaus SSR glaubt gar, dass Lyft und Uber im schlimmsten Fall nie profitabel werden. Wenn es ums autonome Fahren geht, könnte der Wettbewerbsdruck von Konzernen wie General Motors und der Alphabet-Tochter Waymo schlicht zu groß werden. „Das würde Uber und Lyft in eine schwierige Lage bringen.“ Die auftrumpfenden Börsenaspiranten aus dem Valley sind für Investoren daher vor allem eines: hochriskante Wetten.

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