Iran-Investments Die Glücksritter von Teheran

Jahrelang war der Iran für ausländische Investoren tabu. Wenn die Sanktionen fallen, öffnet auch der Kapitalmarkt für sie seine Tore. Die ersten bringen sich in Stellung. Für Privatanleger ist das Pflaster noch zu heiß.
  • Julia Rotenberger
Der Fall der Sanktionen bietet für das Land Chancen. Quelle: Reuters
Iran

Der Fall der Sanktionen bietet für das Land Chancen.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfAuf dem internationalen Kapitalmarkt glich Iran bislang einer alten Schatzkiste: wertvoll, aber schwer zu öffnen. Wirtschaftssanktionen seitens Europa und der USA versperrten Investoren den Zugang zu den Geld- und Gütermärkten des Staates. Bis jetzt. Schließlich fand das umstrittene Atomabkommen von Barack Obama – Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen Beschränkung und Kontrolle des iranischen Atom-Programms die im September Zustimmung im US-Kongress.

Zwar dauert es noch, bis die ersten Beschränkungen tatsächlich fallen – das Wiener Atomabkommen vom 14. Juli dieses Jahres muss noch vom UN-Sicherheitsrat ratifiziert werden und ein Bereich der Internationalen Atomaufsichtsbehörde (IAEA) steht noch aus. Doch die Zeit der gesperrten Konten und Kontrollen von Kapitaltransfers gehört schon bald der Vergangenheit an. Das ruft Investoren auf den Plan, die von der Marktöffnung profitieren wollen.

Einer, der die frühe Stunde für sich nutzen möchte, ist Stefan Kille. Der ehemalige Börsenhändler hat schon im Oktober vergangenen Jahers beschlossen, auf dem iranischen Markt aktiv zu werden. Er gründete die Gesellschaft „Aspian Invest“, welche internationale Finanzdienstleister beim Eintritt in den Markt berät sowie iranische Finanzfirmen coacht, die sich internationalen Standards anpassen möchten.

Das sind die 15 attraktivsten Wachstumsmärkte
Container im Hamburger Hafen
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Dass sich mittelständische Unternehmen, die im Ausland neue Absatzmärkte erschließen möchten, nicht alleine auf die derzeitige Schwäche des Euro verlassen sollten, zeigt eine Studie des Kreditversicherers Euler Hermes. Demnach können die deutschen Unternehmen zwar in diesem Jahr mit zusätzlichen Ausfuhren im Wert von 36 Milliarden Euro rechnen (+2,7 Prozent), im letzten Jahr konnte die Exportbranche jedoch noch um 45 Milliarden Euro wachsen. Unter anderem die schwere Russland-Krise wird die Exporte bremsen, so die Experten von Euler Hermes. Sie raten deshalb dazu, gezielt wachstumsstarke Länder zu erschließen, in denen die hiesige Wirtschaft bislang unterrepräsentiert ist.

15. Südafrika
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In Südafrika wird für das Jahr 2015 eine Wachstumsrate von 2,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) erwartet. Zum Vergleicht: Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) prognostiziert für Deutschland im selben Jahr ein Wachstum von 1,3 Prozent.

14. Estland
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Mit einer prognostizierten Wachstumsrate von 2,5 Prozent steht Estland noch ein wenig besser da. Der seit 1991 unabhängige Staat mit der malerischen Hauptstadt Tallinn (Bild) ist seit 2011 Mitglied der Eurozone.

13. Slowakei
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Auch die Slowakei ist Euro-Mitglied und dies schon seit 2009. Das Bild zeigt die Hauptstadt Bratislava. Für die Slowakei prognostizieren die Experten von Euler Hermes ein Wachstum von 2,7 Prozent des BIP.

12. Uruguay
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Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftszweig in Uruguay. Bei ausländischen Investoren ist das Land bisher eher unbekannt. Das prognostizierte Wachstum beträgt 2015 2,8 Prozent.

11. Lettland
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Lettlands Bruttoinlandsprodukt soll voraussichtlich um 3,2 Prozent wachsen. Seit 2004 ist das baltische Land in der Europäischen Union, seit 2014 in der Euro-Zone. Diese verliert für die deutschen Exporteure zunehmend an Gewicht. 2014 machten sie nur noch 36,6 Prozent ihres Auslandsumsatzes in den Ländern der Währungsgemeinschaft, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im Jahr 2005 hatte der Anteil noch 44,7 Prozent betragen. Grund für den Rückgang ist die Finanz- und Wirtschaftskrise.

10. Polen
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Gleichzeitig werden die EU-Mitgliedsstaaten, die nicht der Währungsunion angehören, immer wichtiger. Deren Anteil an den deutschen Exporten erhöhte sich von 2013 auf 2014 von 20,1 auf 21,4 Prozent. 1993 lag er bei nur 16,2 Prozent. Zu diesen Staaten gehört auch Polen, welches einen Aufschwung erlebt. Das Bruttoinlandsprodukt wird voraussichtlich um 3,3 Prozent wachsen.

Auf die Idee brachte ihm eine Investoren-Messe in Teheran: „Ich war damals überrascht, dass durch die Sanktionen kein Ausländer vor Ort war“, erzählt Kille. Die Strafen hätten seiner Meinung nach dazu geführt, dass der Markt stark unterbewertet sei. Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis iranischer Firmen zum Beispiel liegt derzeit bei 4,9. Zum Vergleich: Das Dax-KGV lag zuletzt (1. Oktober) bei 12,5.

Auch sonst hört sich Iran ein wenig wie ein Märchen für Schwellenland-Investoren an: Das Land bevölkern 78 Millionen Menschen, die im Schnitt 27 Jahre alt sind. Mehr als die Hälfte von ihnen hat einen Universitätsabschluss. Iran ist einer der größten Ölproduzenten der Welt aber, anders als zum Beispiel Saudi Arabien, nicht so stark abhängig davon – immerhin 40 Prozent der iranischen Exportgüter haben nichts mit dem Energieträger zutun und nur zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes gehen im Moment auf das Ölkonto.

Zum Vergleich: In Saudi-Arabien sind es derzeit 50 Prozent des BIP. Und: Das Land hat drei funktionierende Börsen, darunter eine Rohstoffbörse und ist reich an Infrastruktur, die nach Investitionen lechzt. Zwar bescherten die Sanktionen und die damit verbundenen Exportbeschränkungen Iran sehr hohe Inflationsraten: 2013 lag die Teuerungsrate laut den Daten des Bundeswirtschaftsministeriums bei 34,7 Prozent und im laufenden und vergangenen Jahr betrug diese rund 20 Prozent. Dennoch wächst die iranische Wirtschaft, im vergangenen Jahr geschätzt um 1,5 Prozent.

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