Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

ISS und Glass Lewis Die Einflüsterer: Wie Stimmrechtsberater Investoren beeinflussen

Die US-Firmen ISS und Glass Lewis beraten Investoren bei Hauptversammlungen. Unter Managern sind sie oft unbeliebt. Doch ihr Einfluss wächst.
Kommentieren
„Stimmrechtsberater haben einen deutlichen Einfluss auf die Abstimmungsentscheidungen von institutionellen Investoren“, heißt es in einer Studie der Stanford University. Quelle: HAMILTON/REA/laif
Elektronisches Abstimmungsgerät

„Stimmrechtsberater haben einen deutlichen Einfluss auf die Abstimmungsentscheidungen von institutionellen Investoren“, heißt es in einer Studie der Stanford University.

(Foto: HAMILTON/REA/laif)

New YorkBayer, Deutsche Bank, UBS: Mit ihren Empfehlungen an die Aktionäre, Vorstände und Kontrollgremien der drei Konzerne nicht zu entlasten, sind die Stimmrechtsberater International Shareholder Services (ISS) und Glass Lewis ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Dabei halten sich die beiden Unternehmen am liebsten im Hintergrund. Ihre Mitarbeiter reden nur selten mit der Presse. Doch ihre Empfehlungen werden immer wichtiger.

Das liegt vor allem am Trend zu passiven Investments in Form von Fonds, die einen Börsenindex abbilden. Für viele Fondsmanager ist es längst unmöglich geworden, alle Unternehmen in ihren Portfolios zu beurteilen. Vor allem dann, wenn sie Aktien halten, weil sie Teil eines Indexes sind und nicht bewusst gekauft wurden.

Soll der Vorstand auf der Hauptversammlung entlastet werden oder nicht? Verdienen die Chefs zu viel? Halten die Unternehmen die sogenannten ESG-Kriterien ein, die ökologische Standards, gesellschaftliche Verantwortung und eine gute Unternehmensführung vorschreiben? Solche Fragen bewerten die Stimmrechtsberater für die Investoren und bieten ihnen auf Wunsch auch individualisierte Analysen, falls die Kunden die Unternehmen nach ihren eigenen Standards messen wollen.

Insgesamt kommen ISS und Glass Lewis auf einen Marktanteil von 97 Prozent, wie aus Berechnungen der George Mason University aus Virginia hervorgeht. Genaue Zahlen zu den jeweiligen Unternehmen gibt es nicht. Branchenschätzungen zufolge ist ISS mit über 70 Prozent Marktführer. Glass Lewis kommt auf rund 20 Prozent.

Zu den Kunden der Stimmrechtsberater zählen institutionelle Investoren wie Vermögensverwalter, Versicherungen, Hedgefonds, Pensionskassen und Universitätsstiftungen. „Stimmrechtsberater haben einen deutlichen Einfluss auf die Abstimmungsentscheidungen von institutionellen Investoren“, heißt es in einer Studie der Stanford University.

Vorstände sind oft nicht besonders gut auf die Stimmrechtsberater zu sprechen. Martina Schmid (Kanzlei CMS Hasch Sigle)

Die Meinung von ISS und Co. ist nicht nur bei der Vergütung und Entlastung der Vorstände gefragt, sondern auch im Falle einer Übernahme oder falls ein Unternehmen von einem aktivistischen Investor angegriffen wird und Aktionäre entscheiden müssen, ob sie sich hinter das derzeitige Management stellen oder nicht.

Die Berater sind mit ihren Kunden eng in Kontakt. ISS etwa schickt Fragebögen, um die Meinung der Investoren zu bestimmten Themen zu erfassen. Außerhalb der Hauptversammlungssaison können die bewerteten Unternehmen Treffen mit den Analysten anfordern. Das Team von Glass-Lewis-Analyst Chris Rushton traf sich im vergangenen Jahr mit 60 Unternehmen aus Deutschland.

„Die meisten davon waren Vertreter aus Dax und M-Dax“, sagt er. Das ganze Jahr über verfolgen Rushton und seine zwei Mitarbeiter die deutschen Unternehmen, lesen Medienberichte und Quartalszahlen, machen sich Gedanken und Notizen, die dann am Ende in ihren Reports zusammengefasst werden. Die größten Unternehmen und die mit den größten Ungereimtheiten bekommen dabei die meiste Aufmerksamkeit.

Das dreiköpfige Team von Glass Lewis in Deutschland betreut 160 Unternehmen. Insgesamt kümmert sich Glass Lewis mit 360 Mitarbeitern um 20.000 Hauptversammlungen. Bei ISS sind es mehr als 44.000 Hauptversammlungen, die von den weltweit 1800 Mitarbeitern betreut werden. ISS hat 30 Büros auf der ganzen Welt. Die Zentrale ist ein unscheinbares Bürogebäude in Rockville, Maryland.

Einfluss vor allem im Kleinen

Wie weit der Einfluss der Stimmrechtsberater geht, ist jedoch umstritten, heißt es in der Stanford-Studie. Schließlich lasse sich nicht genau messen, wie ein Investor abgestimmt hätte, wenn er nicht die Empfehlungen von ISS und Co. gelesen hätte. Doch klar ist, dass die Stimmrechtsberater gerade für kleinere Vermögensverwalter eine wichtige Rolle spielen. Sie können sich anders als die großen Konkurrenten wie Blackrock und Vanguard keine eigenen Analysekapazitäten leisten.

ISS und Glass Lewis bieten verstärkt individualisierte Analysen an, die sich den Standards bestimmter Vermögensverwalter anpassen. Einige haben etwa höhere Ansprüche bei den ESG-Kriterien, andere fordern, dass Boni nach bestimmten Regeln von Vorständen zurückgefordert werden können. Zwar veröffentlichen die Berater stets auch eine „Haus-Sicht“ auf die Dinge. 75 Prozent ihrer Analysen für die größten Kunden werden jedoch an deren individuelle Bedürfnisse angepasst.

Und nicht immer folgen die Investoren den Empfehlungen der Stimmrechtsberater. Ein ISS-Sprecher verweist auf die Empfehlungen zur Bezahlung der Manager: „ISS hat bei den 3000 größten US-Unternehmen in 14 Prozent der Fälle dazu geraten, gegen die Vergütungspläne zu stimmen. Nur in zwei Prozent der Fälle wurden die Pläne zurückgewiesen.“

„Vorstände sind oft nicht besonders gut auf die Stimmrechtsberater zu sprechen“, sagt Kapitalmarktrechtlerin Martina Schmid von der Kanzlei CMS Hasche Sigle. „Sie haben das Gefühl, dass sich Außenstehende einmischen, die das Unternehmen, das Geschäft und die Erfordernisse des Kapitalmarkts nicht gut genug kennen.“ Ihrer Einschätzung nach hat der Einfluss der Stimmrechtsberater in Deutschland in den vergangenen drei bis vier Jahren deutlich zugenommen: „Immer mehr Investoren hören auf ihre Empfehlungen.“

Kritiker weisen auf den Interessenskonflikt bei ISS hin, das zur Private-Equity-Firma Genstar gehört. Die Tochter ISS Corporate Solutions bietet Unternehmen Zugang zu einer Datenbank, mit der sie die Vergütung ihrer Manager mit anderen Unternehmen in ihrer Branche vergleichen.

ISS betont, dass es eine strikte Trennung zwischen den beiden Bereichen gebe und die ISS-Analysten nicht wüssten, welche der von ihnen bewerteten Unternehmen auch Kunden von Corporate Solutions seien. Glass Lewis dagegen ist eine Tochter von zwei kanadischen Pensionsfonds und bietet keine Dienstleistungen für Unternehmen an.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: ISS und Glass Lewis - Die Einflüsterer: Wie Stimmrechtsberater Investoren beeinflussen

0 Kommentare zu "ISS und Glass Lewis: Die Einflüsterer: Wie Stimmrechtsberater Investoren beeinflussen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.