IT-Sicherheitsfirmen Die Abwehr von Cyberattacken bringt Anlegern Rendite

Angriffe über das Internet richten bei Unternehmen immer größere Schäden an. Viele suchen Schutz bei speziellen IT-Sicherheitsfirmen. Davon können auch Anleger profitieren.
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„Vorfälle, die früher als außergewöhnlich galten, werden immer alltäglicher.“ Quelle: dpa
Cyberkriminalität

„Vorfälle, die früher als außergewöhnlich galten, werden immer alltäglicher.“

(Foto: dpa)

FrankfurtNoch vor wenigen Tagen hielten sie sich für unangreifbar. „Wir haben Zehntausende Programme installiert, aber das ist uns zum ersten Mal passiert“, sagte C.C. Wei. „Geschockt“ berichtete der Geschäftsführer des Apple-Zulieferers TSMC aus Taiwan, dass ein Computervirus über das Wochenende das Firmennetzwerk infiziert und mehrere Fabriken lahmgelegt hatte.

Dort lässt Apple die Prozessoren für iPhone, iPad und Apple Watch produzieren. Schuld soll nach Angaben Weis ein schludriger Techniker gewesen sein, weil er ohne Virenprüfung Software installiert habe.

Der Vorfall verdeutlicht, wie verwundbar Unternehmen im Computerzeitalter sind. Ein Angriff in Taiwan kann angesichts weit verzweigter Lieferketten weltweit verheerende Folgen haben. Um eine Wiederholung zu verhindern, wolle er den Sicherheitsmechanismus überarbeiten, kündigte TSMC-Chef Wei an.

Wie seine Firma wappnen sich immer mehr Unternehmen gegen Cyberattacken. Spezialisierten Entwicklern und Dienstleistern bringt das lukrative Aufträge ein. Und Anlegern nicht selten eine stattliche Rendite: Seit geraumer Zeit haben etliche Anbieter auch an der Börse Konjunktur.

Vermögensverwalter haben das erkannt. So hat das britische Finanzunternehmen Legal & General Group vor bald drei Jahren einen börsengehandelten Indexfonds (ETF) aufgelegt: Der L&G Cyber Security UCITS ETF (ISIN: IE00BYPLS672) bildet den Nasdaq Cybersecurity Index nach.

Mit einem Kursplus von 50 Prozent seit Auflage und einer Rendite von 23 Prozent im laufenden Jahr schlägt der ETF mit einem Anlagevolumen von umgerechnet 600 Millionen Euro Vergleichsindizes wie den MSCI World. An die steil ansteigenden Branchen-Barometer wie den S&P Technology mit Apple, Alphabet (Google) und Co. oder den TecDax kommt der L&G Cyber Security allerdings noch nicht heran.

Ähnliches gilt für ein Zertifikat des Schweizer Vermögensverwalters Vontobel. Thomas Rappold hat den Cyber Security Performance Index, auf dem das Zertifikat basiert, mit 14 Werten im Vergleich zu dem L&G-ETF schmaler konzipiert, setzt aber wie der ETF überwiegend auf US-Titel. „In den USA sind die führenden Cyber-Security-Unternehmen zu Hause“, sagt Rappold. Aus Deutschland ist einzig Secunet auf seiner Watch List.

Bislang erfüllte das IT-Unternehmen aus Essen nicht die Aufnahmekriterien des Vontobel-Zertifikats (ISIN: DE000VS5ZCS6): 750 Millionen Dollar Marktkapitalisierung, tägliches Handelsvolumen in Millionenhöhe. Außerdem hält Rappold die Secunet-Aktie für „zu teuer“, weil der Kurs – 500 Prozent plus seit Mitte 2016 – Umsatz- und Gewinnwachstum enteilt sei. Mit jährlichen Kosten von 1,2 Prozent des Vermögens ist das Zertifikat etwas teurer als der ETF (0,75 Prozent).

Alarmierende Zahlen zu Attacken

Anleger, die auf das Geschäftsfeld IT-Sicherheit setzen wollen, werden auch bei aktiv gemanagten Fonds aus der Schweiz fündig, müssen aber Kompromisse eingehen. So ist der größte Einzelposten des Global Security Equity Fund von Credit Suisse (ISIN: LU0909471681) der deutsche Finanzdienstleisters Wirecard. Dessen Angebot zum mobilen Bezahlen gilt als besonders sicher.

Die Aktie von Wirecard mit einem Kursplus von rund 150 Prozent über ein Jahr ist es auch, die dem Security-Fonds (ISIN: LU0256846303) von Pictet viel Aufwind verschafft. Bei beiden Produkten liegt der Fokus allerdings nicht vorrangig auf Schutz vor Internetkriminalität: Von Produzenten von Auto-Airbags bis Lieferanten von Laborausstattung diversifizieren die Schweizer stark im Marktsegment Sicherheit.

Rappold begründet seinen Fokus auf Cyber-Security mit Verweis auf Wachstumstreiber wie Industrie 4.0, autonomes Fahren und E-Government. Zudem verspricht die Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union „ein dickes Zusatzgeschäft für die Wachstumsbranche Cyber-Security“.

Außerdem hält er die Branche für konjunkturresistent. „Bei der Sicherheit zu sparen kann sich kein Vorstand mehr leisten“, meint Rappold. Tatsächlich warnt das World Economic Forum (WEF): „Angriffe auf Unternehmen haben sich innerhalb von fünf Jahren fast verdoppelt, und Vorfälle, die früher als außergewöhnlich galten, werden immer alltäglicher.“

Unternehmen müssen demnach damit rechnen, dass Cyberattacken wie jene mit dem Erpressungstrojaner Wannacry, von dem im vorigen Jahr 300 000 Computer in 150 Ländern betroffen waren, in den kommenden fünf Jahren Schäden in Höhe von acht Billionen Dollar anrichten. 2017 haben kleine und mittelständische Unternehmen laut Branchenangaben Erpressern rund 300 Millionen Dollar gezahlt, um gehackte Daten zurückzubekommen.

Einem Bericht des Versicherungsunternehmens Hiscox zufolge haben Kriminelle binnen zwölf Monaten etwa zwei Drittel aller Unternehmen in Deutschland angegriffen.

Cyber-Security-Markt wächst kräftig

Experten prophezeien dem Markt für Cyber-Security daher jährliche Wachstumsraten bis zu fünfzehn Prozent. Die guten Aussichten bewahren aber nicht vor Rückschlägen. So haben die jüngsten Geschäftszahlen von Imperva den Anbieter von Firewalls an der Wall Street jäh ausgebremst: Das in Israel gegründete und im Silicon Valley ansässige IT-Sicherheitsunternehmen wies im zweiten Quartal 23 Millionen Dollar Verlust aus, die Imperva-Aktie rauschte um 15 Prozent in den Keller.

Sie stagniert damit seit zweieinhalb Jahren etwa 40 Prozent niedriger als im November 2015. Rappold schreckt das nicht auf. Imperva sei wie die meisten aufstrebenden Cyber-Security-Firmen schließlich noch in der Wachstumsphase. „Viele Werte sind volatil. Selbst ich als Profi traue es mir nicht zu, Einzelwerte herauszupicken.“

Sein größter Posten, das US-Unternehmen Fortinet, macht deshalb weniger als neun Prozent aus. Firewalls, Webfilter und Spamschutz zum Abschirmen von Rechenzentren bis zu Sicherheitstoken mit Einmalkennwort: Die Kalifornier gelten als Anbieter mit den meisten Sicherheitstechnologien in der Branche. 2009 ging Fortinet an die Börse.

21 Prozent Umsatzwachstum auf Jahressicht goutierten die Anleger jüngst mit weiteren Kursgewinnen. Anleger, die vor fünf Jahren eingestiegen sind, haben ihr Kapital vervierfacht. Trotz der anhaltenden Rally und eines relativ hohen Kurs-Gewinn-Verhältnisses von 94 empfehlen Bloomberg zufolge zwölf von 28 Analysten weiterhin den Kauf der Aktie. Nur einer rät, sie zu verkaufen.

Das Angebot dürfte demnächst knapper werden, denn bis Ende 2019 will Fortinet eigene Aktien im Umfang von 1,5 Milliarden Dollar zurückkaufen. Rappold rechnet damit, dass weitere Cyber-Security-Spezialisten dem Beispiel folgen werden. „So schützen sie sich vor einer Übernahme.“ Statt von einem Konzern wie Microsoft oder von Finanzinvestoren geschluckt zu werden, kaufen sie ihrerseits Start-ups.

So hat Imperva gerade für 140 Millionen Dollar das auf den Schutz laufender Computeranwendungen spezialisierte Start-up Prevoty erworben. Auf diese Weise können die Marktführer ihren Kunden zusätzliche Dienste anbieten – häufig im Abonnement. Das sorgt für stetigen Cashflow. Dieses Geschäftsmodell, findet Rappold, macht sie vor allem für langfristig denkende Anleger interessant.

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