Italien Italiens Aktienmarkt befindet sich in einer Abwärtsspirale

Italiens Aktienleitindex hat seit Mai mehr als 20 Prozent verloren und befindet sich offiziell in einem Bärenmarkt. Das ist ein schlechtes Zeichen.
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Von einem Bärenmarkt sprechen Börsianer, wenn ein Index von seinem vorhergehenden Hoch mindestens 20 Prozent verloren hat. Quelle: dpa
Bär und Bulle

Von einem Bärenmarkt sprechen Börsianer, wenn ein Index von seinem vorhergehenden Hoch mindestens 20 Prozent verloren hat.

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FrankfurtHohe Schulden, wenig Wirtschaftswachstum und der Streit mit der EU über noch mehr Schulden: Italien macht Anleger zunehmend nervös. Seit die populistische Regierung aus der rechten Lega und der linken Fünf Sterne im Mai an die Macht gekommen ist, fallen Aktien- und Anleihekurse des Landes massiv. Italiens Leitindex FTSE MIB ist in der vergangenen Woche sogar offiziell in einen sogenannten Bärenmarkt eingetreten.

Davon sprechen Börsianer, wenn ein Index von seinem vorhergehenden Hoch mindestens 20 Prozent verloren hat. Anfang Mai notierte der Index mit 24 544 Punkten, jetzt ist er unter 19 400 Punkte gefallen. Schlechter hat sich in Europa nur die griechische Börse entwickelt, die sich schon seit August im Bärenmarkt befindet. Die Rendite zehnjähriger italienischer Anleihen hat sich seit Anfang Mai auf mehr als 3,5 Prozent nahezu verdoppelt, der Kurs sackte um rund 13 Prozent ab.

Die größten Verlierer

Zu den größten Verlierern im 40 Werte umfassenden Index gehören die Banken. Die Aktien von Unicredit, Intesa Sanpaolo und Banco BPM haben seit Anfang Mai zwischen 32 und 38 Prozent verloren. Die Banken gehören zu den größten Käufern italienischer Staatsanleihen. Der Kursverfall der Bonds zehrt an den Kapitalpolstern der Banken.

Über 40 Prozent eingebüßt hat die Aktie von Indexschwergewicht Telecom Italia, weil der französische Billiganbieter Illiad mit Kampfpreisen in Italiens Mobilfunkmarkt eingetreten ist. Bärenmärkte sind gefährlich, weil der sich darin zeigende weit verbreitete Pessimismus oft eine sich selbst erfüllende Abwärtsspirale in Gang setzt. Frei nach der Börsenweisheit „Greife nie in ein fallendes Messer“ drücken immer mehr Investoren auf den Verkaufsknopf – und die Kurse sacken immer weiter ab.

In dieser Woche dürfte es erneut turbulent werden, weil die Regierung in Rom ihren Haushaltsplan in Brüssel vorlegen muss. Darüber gab es schon viel Streit, zwischenzeitlich wurde sogar über einen Rücktritt des parteilosen Wirtschafts- und Finanzministers Giovanni Tria spekuliert. Tria hatte sich für einen Sparkurs ausgesprochen. Doch die Regierung will ein Grundeinkommen durchsetzen, die Steuern senken und die Rentenreform zurücknehmen.

Das Budgetdefizit soll deshalb allein im nächsten Jahr um 2,4 Prozent steigen. Tria hatte sich für 1,6 Prozent ausgesprochen, der EU-Kommission wären 0,8 Prozent am liebsten. „Es ist kaum zu erwarten, dass die EU-Kommission Italiens Pläne ohne Nachverhandlungen akzeptieren wird“, warnt Daniel Lenz, Stratege bei der DZ Bank. Die hohen Schulden von 132 Prozent des Bruttoinlandsprodukts alarmieren auch die Ratingagenturen, vor allem Moody‘s hat sich kritisch geäußert. Schon jetzt bewerten die Agenturen Italiens Bonität nur mit Dreifach-B. Das entspricht einer mittleren Bonität, ist aber nur zwei Stufen vom Junk-Rating für schwache Schuldner entfernt.

Moody‘s und Standard & Poor‘s werden das Rating nach Abschluss der Haushaltsplanungen überprüfen.

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