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Jan-Caspar Hoffmann im Interview „Zweistellige Milliardendeals erscheinen möglich“ – Investmentbanker zum Thema Private Equity

Der Investmentbanker Hoffmann hat viele Deals von Finanzinvestoren begleitet. Er sieht kein Ende des Booms bei außerbörslichen Beteiligungen.
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Der Bulle ist ein Symbol für den Aufwärtstrend an den Börsen. Das Interesse von Investoren an Private Equity ist seit Jahren steigend. Quelle: dpa
Bulle-Statue in Frankfurt am Main

Der Bulle ist ein Symbol für den Aufwärtstrend an den Börsen. Das Interesse von Investoren an Private Equity ist seit Jahren steigend.

(Foto: dpa)

FrankfurtHerr Hoffmann, selbst höhere Zinsen in den USA und schlechtere Aussichten für die Wirtschaft können die Beteiligungsbranche derzeit nicht bremsen. Woran liegt das?
Treibender Faktor des Booms ist das viele Geld, das Anlage sucht. Die Aktienmärkte sind wieder stark gestiegen, und Geld ist angesichts der Notenbankpolitik noch immer reichlich vorhanden. Auf den Investoren lastet deshalb der Druck, ihre Mittel in Investments anzulegen, die höhere Renditen bringen. Das ist bei Private Equity der Fall, auch wenn die Erträge fallen sollten. Zweistellig bleiben sie allemal, das lässt sich auch an den historischen Renditen ablesen.

Welche Renditen lassen sich mit außerbörslichen Beteiligungen erzielen?
Die Zeiten sind definitiv vorbei, als Private Equity Renditen von 30 Prozent durchaus erzielt hat. Heutzutage können sich Finanzinvestoren mit Renditen von 15 bis 20 Prozent anfreunden. Gehen die Investments eher in Richtung Infrastruktur, wie das beispielsweise beim Heizkostenableser Techem der Fall war, dann kann der Renditekorridor tiefer liegen, als das der Markt suggeriert. Die Risiken sind bei dieser Anlage aber auch geringer.

Gleichzeitig verdienen die Finanzinvestoren bestens. Zweistellige Erträge durch Managementgebühren plus Erfolgsprämien sind üblich. Zieht das neue Spieler wie Blackrock an?
In Zeiten fallender Erträge bei aktiven und börsennotierten passiven Fonds ist es verständlich, wenn der weltgrößte Asset-Manager mit seinen rund sechs Billionen Dollar verwaltetem Vermögen Alternativen wie Private Equity für sich wiederentdeckt. Der Aufbau eines Private-Equity-Teams ist aber alles andere als einfach. Es werden Spitzenfachleute benötigt, die gut zusammenarbeiten können, keine Einzelspieler, so gut sie sein mögen. Für den Aufbau dieser Teams sind Zeit und Nerven nötig.

Am Ende würde Blackrock in Konkurrenz zur ehemaligen Mutter Blackstone treten.
Das könnte sein. Es entstünde eine interessante Konkurrenz. Ein Start von Blackrock bei Private Equity müsste aber von einem Fonds im hohen einstelligen oder gar zweistelligen Milliardenbereich begleitet werden. Sonst lohnt es sich für einen Vermögensverwalter der Klasse von Blackrock nicht. Vielleicht ist es einfacher, als Ko-Investor bei außerbörslichen Beteiligungen aufzutreten, wie das etwa die kanadischen Pensionsfonds machen.

Hoffmann ist M&A-Chef für Deutschland bei der Investmentbank Moelis.
Jan-Caspar Hoffmann

Hoffmann ist M&A-Chef für Deutschland bei der Investmentbank Moelis.

Wie entscheiden die Anleger bei der Auswahl der Private-Equity-Fonds?
Ein Fonds sollte viele Jahre erfolgreicher Arbeit mit guten Renditen vorweisen können. Entscheidend sind auch die Personen, die hinter dem Erfolg stehen. Da fließt das Geld hin, wie sich am jüngsten Fonds des Private-Equity-Hauses Blackstone ablesen lässt, das insgesamt 22 Milliarden Dollar eingesammelt hat.

Steht Private Equity nicht vor dem Problem, zu viel Geld zu haben, aber zu wenige Ideen umzusetzen?
Angesichts von zwei Billionen Dollar an verfügbarer Liquidität von Finanzinvestoren, die weltweit investiert werden sollen, fällt es gerade auch in Deutschland schwer, genügend attraktive Übernahmemöglichkeiten zu finden. Der Kauf von börsennotierten Unternehmen wird deshalb wichtiger werden als bisher. Auch schwierige Erfahrungen wie im Fall des Pharmaherstellers Stada scheinen da nicht schrecken zu können. Zweistellige Milliardentransaktionen erscheinen möglich bei Unternehmen, die Finanzinvestoren von der Börse nehmen wollen. Bei Bedarf können sich etwa zwei oder mehrere Private-Equity-Häuser zusammenschließen, um einen solchen Deal gemeinsam zu stemmen.

Setzen die Finanzinvestoren heute mehr Eigenkapital und weniger Schulden ein?
Nachdem Private Equity ein Stück weit gezwungen ist, sich größere Deals anzuschauen, ist die Branche auch bereit, mehr eigenes Kapital einzusetzen. Das kann bis zur Hälfte des Übernahmepreises ausmachen. Der Einsatz von hohen eigenen Mitteln drückt zwar die Rendite. Sie bleibt aber immer noch zweistellig, und das ist in heutigen Zeiten entscheidend und weiter sehr attraktiv.

Welche Branchen schauen sich die Beteiligungsfonds bevorzugt an?
Weltweit versucht Private Equity gerade in Firmen der Bereiche Technologie und Gesundheit zu investieren. Wobei Technologie angesichts der zunehmenden Digitalisierung inzwischen alle Wirtschaftsbereiche betrifft. In Deutschland gibt es daneben Unternehmen aus alten Industrien wie dem Maschinenbau und der Chemie, die gesucht sind.

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