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Jürgen Diegruber Finanzinvestoren müssen geduldiger werden – „Wir rechnen mit längerer Haltedauer bei unseren Firmen“

Der Partner der Partners Group über die aktuelle Lage bei Private Equity, die hohen Preise für Unternehmen und die schlechteren Aussichten.
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Der Finanzinvestor ist Partner der Partners Group. Quelle: Sarah Harzer / Euroforum
Jürgen Diegruber

Der Finanzinvestor ist Partner der Partners Group.

(Foto: Sarah Harzer / Euroforum)

FrankfurtIm Geschäft mit Private Equity schreckt Jürgen Diegruber nichts mehr. Der Partner der Partners Group fürchtet zwar schwierigere Zeiten. Einen Absturz sieht er indes nicht.

Herr Diegruber, Partners Group hat mit dem Kauf von Techem die größte Private-Equity-Transaktion des Jahres gemacht. Werden wir noch mehr solche Deals sehen?
Der Wunsch nach größeren Transaktionen ist in der Branche sicherlich vorhanden. Aber die Pipeline in dieser Kategorie ist nicht so groß. Daran hat sich in den vergangenen zehn Jahren wenig geändert, auch wenn es immer wieder Ausnahmen gibt. Im kommenden Jahr setzen wir verstärkt auf Abspaltungen von Töchtern großer Konzerne, die im Bieterverfahren veräußert werden. 

Es wirkt, als ob Finanzinvestoren händeringend Anlageziele suchen, weil sie mit Geld zugeschüttet werden.
Ganz so extrem sehe ich das nicht. Aber es stimmt, es gibt sehr viel Geld im Markt. Das treibt die Preise. Die Gleichung, dass die Nachfrage das Angebot steuert, passt in unserer Branche heute leider nicht mehr ganz. Für das vorhandene Geld gibt es zu wenig attraktive Anlagemöglichkeiten, der Anlagedruck hat sich verstärkt. Gerade Unternehmen in Wachstumsmärkten sind teuer geworden. 

Spiegelt sich das in den Bewertungen wider?
Derzeit gibt es kaum angebotene Unternehmen auf dem Markt, die alle positiven Investmentkriterien vorweisen, bei denen der Kaufpreis ein einstelliges Vielfaches des operativen Gewinns, auch Ebitda genannt, ausmacht. Das war einmal anders. Firmen aus dem Gesundheitsbereich und Technologieunternehmen werden heute mit dem 15- bis 18-fachen Ebitda bewertet. Gleichzeitig bedeutet das, schnelle Verkäufe, die Quick Flips, sind nicht möglich. 

Muss Private Equity vorsichtig sein angesichts der politischen Risiken und einer Wirtschaft, die schwächelt?
Mit Blick auf die Risiken sind wir sehr vorsichtig geworden. Es gilt, die Abhängigkeit von technologischen Unternehmen und binären Risiken zu begrenzen. Die Partners Group sucht deshalb marktführende Firmen, deren Wachstum von Megatrends wie Automatisierung, Digitalisierung und Industrie 4.0 unterstützt wird. Gleichzeitig rechnen wir mit längerer Haltedauer, um die geplanten Wertsteigerungen auch erzielen zu können. Wir gehen zum Teil von sieben bis acht Jahren aus. Normal wären vier bis fünf Jahre.

Können Sie die hohe Bewertung überhaupt hereinholen?
Ja, sonst würden wir nicht investieren. Wir rechnen aber beim künftigen Verkauf mit einem niedrigeren Multiplikator beim operativen Gewinn im Verhältnis zum Preis. Faktoren wie steigende Zinsen werden wahrscheinlich dazu führen, dass er um ein- bis 1,5-mal niedriger ausfällt. Dies gilt es durch eine aktivere Wertgenerierung auszugleichen.

Wie gefährlich ist die Verschuldung für die Branche?
Momentan profitiert die Branche von dem starken Wettbewerb zwischen Banken und Kreditfonds, wenn es um die Aufnahme von Schulden geht. Doch sobald die Zinsen steigen, kann sich das ändern. Dann ist es vorteilhaft, frühzeitig tilgen zu können und den Schuldenhebel zu senken. 

Befürchten Sie Pleiten von Portfoliounternehmen?
In den letzten zehn Jahren ist die Branche deutlich professioneller geworden, und Fremdkapital wird umsichtiger eingesetzt. Dies lässt sich gut bei den Unternehmensauktionen beobachten. Nicht nachhaltige und kurzfristig orientierte Entscheidungen bei Investitionen in Portfoliounternehmen bekämen Private-Equity-Häuser beim nächsten Einsammeln von Geldern bitter zu spüren. 

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