Kapitalmärkte Commerzbank warnt vor Risiko in Italien

Italiens Regierung schwankt zwischen den Anforderungen der Märkte und ihren eigenen Wahlversprechen. Für Investoren bleibt das Klima daher schwierig.
Kommentieren
Italiens stellvertretender Regierungschef hat mit seinen jüngsten Äußerungen die Staatspapiere seines Landes unter Druck gesetzt. Quelle: Reuters
Italiens Arbeitsminister Luigi Di Maio

Italiens stellvertretender Regierungschef hat mit seinen jüngsten Äußerungen die Staatspapiere seines Landes unter Druck gesetzt.

(Foto: Reuters)

FrankfurtLuigi di Maio, Italiens stellvertretender Regierungschef, hat vorgeschlagen, die Klausel in der Verfassung zu streichen, die ein ausgeglichenes Budget verlangt. Das sei Teil der Koalitionsvereinbarung zwischen den beiden Regierungsparteien Lega und Fünf-Sterne-Bewegung gewesen, sagte er.

Doch er fügte hinzu, es gebe dazu noch keine konkreten Vorbereitungen. Di Maio setzte damit italienische Staatspapiere unter Druck, nachdem Regierungschef Giuseppe Conte zuvor mit moderaten Äußerungen für Ruhe gesorgt hatte, wie die Volkswirte der DZ Bank anmerken.

Auch ohne diesen Weckruf können Investoren eigentlich nicht vergessen haben, wie schwierig die Situation in Italien ist. Die Regierung schwankt zwischen den Anforderungen der Märkte, die jeden Abschied von Haushaltsdisziplin und noch mehr jeden Verdacht eines möglichen Ausscheidens aus der Euro-Zone sofort abstrafen würden, und dem Willen, ihre eigenen Wahlversprechen zu erfüllen.

Je nachdem, wohin das Pendel ausschlägt, dürfte es die Risikoaufschläge der italienischen Staatsanleihen im Vergleich zu deutschen Papieren vergrößern oder vermindern. Und wenn die Ausschläge zu heftig werden, besteht die Gefahr, dass es erneut zu Kapitalflucht kommt und andere Länder mit schwacher wirtschaftlicher Basis in Mitleidenschaft gezogen werden.

Teure Wahlkampfversprechen

Die Commerzbank geht davon aus, dass die Regierung zu einem guten Teil ihre Versprechen einhalten wird, wenn sie im Herbst ihren Haushalt beschließt. Die Analysten der Bank halten die Ruhe an den Kapitalmärkten deshalb für trügerisch und erwarten in den kommenden Wochen steigende Risikoaufschläge.

Denn nach Commerzbank-Berechnungen liegt die Summe der Wahlversprechen, darunter Steuersenkungen und eine Herabsetzung des Rentenalters, bei 100 Milliarden Euro, was sechs Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) entspricht. Die Bank vermutet, dass das Land auch nicht wie versprochen die Mehrwertsteuer erhöhen wird, um die Staatsfinanzen im Lot zu halten. Allerdings gehen die Experten davon aus, dass Rom die geltenden Defizitregeln der EU nicht allzu aggressiv verletzen will.

Ein Problem für Italien könnte zudem der Rückzug der Europäischen Zentralbank (EZB) aus ihrem Programm zum Ankauf von Staatsanleihen werden. Es dient dazu, die Inflation im Euro-Raum näher an das angestrebte Ziel von knapp zwei Prozent zu bringen. Aber als willkommener Nebeneffekt sind damit auch Italiens Staatsfinanzen entlastet worden, was bei einer Verschuldung von 130 Prozent des BIP eine Menge Luft verschafft.

Italienische Medien spekulieren daher schon lange darüber, wie sich der Rückzug der EZB auswirken wird. Manche sehen einen Streit zwischen der Regierung in Rom und EZB-Präsident Mario Draghi voraus. Der mahnt immer wieder Haushaltsdisziplin an und hat dabei offensichtlich sein Heimatland im Sinn, auch wenn er keine einzelnen Staaten beim Namen nennt.

Die Webseite ilsussidiario.net befürchtet im Herbst eine politische Attacke Roms gegen die EZB und spricht im übertragenen Sinn von einem möglichen „Selbstmordattentat“ auf Draghi. Denn mit einem Angriff auf ihn würden die Politiker nur sich selbst schaden.

  • fw
Startseite

Mehr zu: Kapitalmärkte - Commerzbank warnt vor Risiko in Italien

0 Kommentare zu "Kapitalmärkte: Commerzbank warnt vor Risiko in Italien"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%