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Kapitalmärkte Die Steuerrevolution des Donald Trump

Trumps Pläne zur Entlastung der Unternehmen dürften weitreichende Folgen für die Kapitalmärkte haben. Das neue Steuersystem wirkt auf den ersten Blick ziemlich verrückt, da es ungewohnt ist.
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Der designierte US-Präsident hat eine Senkung der Unternehmensteuern versprochen. Ökonomen und Investoren fangen an, sich über die konkreten Auswirkungen den Kopf zu zerbrechen. Quelle: AP
Donald Trump

Der designierte US-Präsident hat eine Senkung der Unternehmensteuern versprochen. Ökonomen und Investoren fangen an, sich über die konkreten Auswirkungen den Kopf zu zerbrechen.

(Foto: AP)

New YorkWas sich seit dem 8. November am Kapitalmarkt abspielt, ist eine große Wette auf den Erfolg der Wirtschaftspolitik von Donald Trump. Dabei gibt es eine Menge offener Fragen. Etwa, ob die Banken tatsächlich so stark von teuren Auflagen befreit werden, wie ihre Aktionäre hoffen. Oder, ob Trump mit seiner Handelspolitik eine weltweite Welle von lähmendem Protektionismus einleitet.

Besonders spannend ist aber die Frage, was in der Unternehmensbesteuerung passieren wird. Trump hat eine Senkung der Steuersätze versprochen, aber das ist nur eine recht konventionelle Idee. Die Republikaner im Parlament haben schon im Sommer ein Konzept vorgestellt, das einer Revolution des gesamten Systems gleichkäme, aber im Wahlkampf zunächst wenig Beachtung fand. Weil es zugleich einen Schutz Amerikas gegen Billigprodukte verspricht, passt es sehr gut in Trumps Weltbild.

Kein Wunder, dass Ökonomen und Investoren anfangen, sich den Kopf darüber zu zerbrechen. Noch ist vieles unklar, aber eines zeichnet sich deutlich ab: Wird das Konzept umgesetzt, dann dürfte es der Inflation und dem Dollar Auftrieb geben. Dabei ist beides bis zu einem gewissen Grad austauschbar: Ein sehr starker Dollar könnte die Inflation im Zaum halten.

„Die wichtigste Sache, über die niemand spricht“

Nach einer Studie von Morgan Stanley würde die US-Währung um zehn bis 15 Prozent steigen, was weltweit Auswirkungen auf die Kapitalmärkte hätte. Der viel gelesene Blog Zerohedge spricht daher von „der wichtigsten Sache, über die niemand spricht“. Die Deutsche Bank sieht „die größte Veränderung der amerikanischen Steuerpolitik“ in einer Generation voraus.

Nach dem neuen Konzept würde, grob gesprochen, statt dem Gewinn mit 35 Prozent der Kapitalfluss (Cash-flow) der Unternehmen mit 20 Prozent besteuert. Die Unternehmen könnten ihre Abschreibungen und ihre Zinsen nicht mehr als Ausgaben geltend machen. Allein das hätte schon weitreichende Auswirkungen, weil Firmen mit hohen steuerlichen Verlustvorträgen diese nicht mehr gut verwerten könnten.

Noch spannender ist aber eine andere Regelung. Exporte werden steuerbefreit, Importe können steuerlich nicht mehr als Ausgaben geltend gemacht werden. Importe werden so de facto mit einer Abgabe von 20 Prozent belegt, also entsprechend teurer. Exporte werden nach Schätzung von Zerohedge um rund zwölf Prozent billiger.

Dabei geht der Blog von einer durchschnittlichen Gewinnmarge der Unternehmen von 33 Prozent und dem bisherigen Steuersatz von 35 Prozent aus: 35 Prozent von 33 Prozent ergibt knapp zwölf Prozent. Zerohedge schätzt, dass der Effekt auf den Außenhandel einer Abwertung des Dollars um 15 Prozent entsprechen würde, Morgan Stanley geht sogar von 25 Prozent aus. Die Frage ist, wie viel davon durch einen steigenden Dollarkurs gleich wieder neutralisiert wird.

Wird das Konzept auf Widerstand der WTO stoßen?

Zunächst bedeutet die Regelung also eine Förderung der Exporte und eine Bestrafung der Importe im Vergleich zum heutigen Steuersystem. Im Vergleich zu anderen Ländern lässt sich festhalten: US-Unternehmen müssen in ihre Exportpreise keine Steuern mehr einkalkulieren. Bei den Importen gilt: Sie werden mit 20 Prozent besteuert. Wird die Ware stattdessen im Inland produziert, fallen zwar auch 20 Prozent an, aber wohl abzüglich einiger Ausgaben, vor allem der Löhne. Außerdem müssen die Importeure zusätzlich wahrscheinlich Steuern im eigenen Land zahlen.

Klima-Skeptiker, Milliardäre und ein Wall-Street-Anwalt
Dan Coats
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Der künftige US-Präsident Donald Trump will den früheren US-Botschafter in Deutschland, Dan Coats, zum Geheimdienstdirektor ernennen. Coats war von 2001 bis 2005 US-Botschafter in Berlin unter Präsident George W. Bush. 2011 warf er Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, sich mit der deutschen Enthaltung beim Militäreinsatz in Libyen isoliert zu haben. Als ehemaliger Senator vertrat der Konservative zudem den US-Bundesstaat Indiana im Kongress.

(Foto: AP)
Jay Clayton
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Neuer Chef der US-Börsenaufsicht wird unter US-Präsident Donald Trump Jay Clayton. Clayton ist ein Mann der Wall Street. Er arbeitet bisher als Wirtschaftsanwalt in der renommierten Kanzlei Sullivan & Cromwell. Unter anderem war er an den Vorbereitungen für den Börsengang des riesigen chinesischen Internethändlers Alibaba beteiligt.

(Foto: dpa)
Robert Lighthizer
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Anfang Januar wurde bekannt, dass Donald Trump den 69-jährigen Robert Lighthizer zum Handelsbeauftragten der US-Regierung machen will. Lighthizer gilt als scharfer Kritiker der Handelsstrategien Chinas und als Protektionist. Der Politikveteran hat als Handelsattaché in der Reagan-Ära zahlreiche bilaterale Abkommen ausgehandelt und den Umfang unfairer Einfuhren in die USA deutlich reduziert.

(Foto: AFP)
Carl Icahn
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Trump wird sich zukünftig beim Starinvestor Carl Icahn Tipps zu Regulierungsfragen holen. Icahn wird kein offizieller Regierungsmitarbeiter und für seine Dienste auch nicht bezahlt, sagte ein Trump-Sprecher. Nach Trumps Wahl setzen viele darauf, dass der 70-jährige Immobilien-Milliardär die Wirtschaft unter anderem mit einer Deregulierungswelle in Schwung bringen will. Icahn ist Großaktionär mehrerer Konzerne und vielen für ein aggressives Geschäftgebaren bekannt.

(Foto: Reuters)
Peter Navarro
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Der durch seine Bücher wie „Tod durch China“ bekanntgewordene Ökonom Peter Navarro wird in den Nationalen Handelsrat des Weißen Hauses berufen. Der 67-jährige Wirtschaftsprofessor der University of California beriet Trump bereits im Wahlkampf. In seinem Buch „Tod durch China: Wie Amerika seine industrielle Basis verlor“, das die Grundlage für einen Dokumentarfilm lieferte, wirft er der Volksrepublik beispielsweise den Diebstahl geistigen Eigentums vor.

(Foto: picture-alliance)
Innenminister: Ryan Zinke
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Der Kongressabgeordnete war Kommandeur der Marine-Infanterie-Elitetruppe Navy SEALs. Das Ministerium verwaltet rund ein Fünftel der öffentliche Flächen des Landes, darunter Nationalparks. Es ist in den USA nicht für die innere Sicherheit zuständig. Das übernehmen die Ministerien für Justiz und Heimatschutz. Zinke ist gegen die Privatisierung von öffentlichem Grundbesitz, hat aber auch für Gesetze gestimmt, die Umweltauflagen in solchen Gebieten aufweichen. Trump will auf Staatsgebiet verstärkt Ölbohrungen und Bergbau erlauben.

(Foto: Reuters)
Rex Tillerson (l.) - Außenminister
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Der Chef des US-Ölkonzerns Exxon Mobil, Rex Tillerson, soll Außenminister werden. Das ist aus dem Umfeld von Donald Trump zu hören. Der 64-Jährige hat gute Beziehungen zu Russland, das Bild zeigt Tillerson im Jahr 2012 bei einem Aufeinandertreffen mit dem russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin.

(Foto: dpa)

Das System wirkt auf den ersten Blick ziemlich verrückt, da es ungewohnt ist. Es hat eine gewisse Ähnlichkeit mit der Mehrwertsteuer in Europa, die ja auch an der Grenze bei Ausfuhren erstattet und bei Einfuhren erhoben wird.

Weil es aber keine Mehrwertsteuer ist, bleibt die Frage offen, ob die Welthandelsorganisation (WTO) das Konzept akzeptieren würde. Denn die WTO erlaubt derartige Steuerkorrekturen an der Grenze eigentlich nur bei Verbrauchssteuern, nicht aber bei Unternehmenssteuern. Die zweite Frage ist, wie sehr Trump sich für die Meinung der WTO interessiert.

Die Idee ist auf den ersten Blick verwirrend, und selbst die Experten tun sich schwer, sie zu erklären und die Konsequenzen abzuschätzen. Dahinter steckt aber eine durchaus intelligente Idee. Es geht darum, tatsächlich nur noch zu besteuern, was im Inland passiert, und das Geschehen im Ausland auszublenden. Das würde den Anreiz nehmen, möglichst viel Gewinn in Steueroasen zu erwirtschaften.

Das Ende des Steuerwettbewerbs?

Würden sich andere Länder dem Prinzip anschließen, was nicht abzusehen ist, dann gäbe es keinen Steuerwettbewerb mehr. Jedes Land würde die Unternehmen nach eigenem Geschmack im eigenen Land besteuern, und zwar alle Beteiligten, auch die ausländischen Hersteller der Importware. Der für die Staaten ruinöse Wettbewerb, sich mit niedrigen Sätzen gegenseitig Unternehmen abzuwerben, wäre gestoppt.

Ein steigender Dollar spricht für Anlagen in den USA
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23 Kommentare zu "Kapitalmärkte: Die Steuerrevolution des Donald Trump"

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  • Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Liebes Handelsblatt,
    es hat einen einfachen Grund, warum innergemeinschaftliche Lieferungen nicht mit der Mehrwertsteuer belastet.
    Ist der ausländische Empfänger Unternehmer, bekommt er keine Vorsteuer, die der inländische Empfänger vom deutschen Finanzamt bekommen hätte. Mehrwertsteuer ist die Steuer auf den vom Unternehmen generierten Mehrwert, daher der Name.
    Ist der Empfänger ein Endverbraucher, bekommt er die deutsche Mehrwertsteuer erstattet, muss aber die Mehrwertsteuer des eigenen Landes bezahlen.

    Was Trump dagegen vorhat, ist im Grunde einen 20%-Zoll auf alle in die USA eingeführten Waren, mit dem normalen Verfahren, bei dem Steuern auf den Ertrag entrichtet werden, hat das nichts zu tun. Ich bin doch sehr überrascht, wie kenntnisfrei dieser Bericht verfasst wurde.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Herr Hoffmann, ich lach mich schlapp. Ein Glück, dass mein Stuhl Armlehnen hat.
    Was hat den bitteschön der Geldfluss mit "wirtschaftlicher Mehrwertschöpfung" zu tun? Das Wort ist in sich auch schon ein Witz.
    Nichts!
    Frau Bollmohr hat völlig recht.
    Diese ganze "Reform" wird lediglich dazu führen, dass die Reichen noch reicher werden und die von Trump eh verachtete "weiße Mittelschicht ohne Collegabschluss" noch ärmer wird. Sie haben ihn gewählt - und nun werden sie auch die Quittung bekommen. Inflation und starker Dollar (so es überhaupt so kommt) machen das Leben teurer. Die "Entlastung" der Reichen wird ganz sicher nicht bei den Normalos ankommen.

  • "Zusätzlich gehen die Experten von einem Anstieg des Dollarkurses aus. Die einfachste Erklärung dafür lautet: Wenn das Ausland weniger in die USA exportiert und mehr von dort importiert, dann bekommt es weniger Dollar und braucht gleichzeitig mehr davon. Mehr Nachfrage nach Dollar sollte den Kurs nach oben treiben."

    Vielleicht übersehe ich ja was, aber warum sollte das "Ausland" in den USA einkaufen, und das auch noch besonders teuer (wegen des künstlich aufgeblähten Dollarkurses trotz der wegfallenden Exportsteuern in den USA), wenn es selbst kaum noch dorthin exportieren kann?

  • @Holger Narrog
    Trump verfolgt einen einfachen und genialen Plan mit seiner Steuerreform...er will nicht mehr das "Geldvermehren" in den Mittelpunkt stellen sondern die wirtschaftliche Mehrwertschöpfung.
    Er will Klasse statt Masse....er will die Besten der Besten in der US Volkswirtschaft haben.
    Eine Gute Idee ist immer eine, die einen Mehrwert in sich trägt. Und diese Mehrwert-Produkt-Erfinder Firmen/Unternehmensgründer werden immer einen "Sponsor" = Kapitalgeber finden.
    Trump will also mit seiner Steuerpolitik die Mehrwertschaffer und nicht die Blender und Simulanten fördern. Diese "Grüne Industrie Politik" von Clinton über Obama haben viele dieser Subventionsabhängigen-Steuerbegünstigten Minderwertigen Firmen / Neungründungen einer sog. Erneuerbaren Energie Branche = Grüne Industrie Branche hervorgebracht.
    Trump will damit diesen Spekulationsgeschäftemacher die auf Basis von Steuersubventionen und nicht auf Basis der Mehrwertschaffung des Marktes ihr Geld gemacht machen, unterbinden = einen Riegel vorschieben.

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