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Kapitalmarkt Wie Anleger von Chinas Kapitalhunger profitieren können

China wird sich weiter für ausländische Investoren öffnen, zeigt eine Studie von Morgan Stanley. Chancen bieten sich vor allem für risikofreudige Anleger.
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Die Aktienkurse an Chinas Börsen schwanken stark. Quelle: dpa
Aktienanleger in China

Die Aktienkurse an Chinas Börsen schwanken stark.

(Foto: dpa)

FrankfurtEs war ein mehr als nur symbolischer Schritt: Seit Juni 2018 notieren chinesische Festlandsaktien – also solche Titel, die in Schanghai und Shenzen in der Landeswährung Yuan gehandelt werden – im Weltaktienindex MSCI. Dass diese sogenannten chinesischen A-Aktien in eines der wichtigsten globalen Börsenbarometer aufgenommen wurden, ist bereits ein Zeichen dafür, dass sich der chinesische Kapitalmarkt für ausländische Investoren öffnet.

Der Trend, den Finanzmarkt des Landes stärker international auszurichten, wird sich künftig noch verstärken. Das zumindest erwarten Strategen der US-Bank Morgan Stanley. Zur Begründung verweisen sie auf Schätzungen, denen zufolge die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde in diesem Jahr erstmals seit 1993 ein Leistungsbilanzdefizit ausweisen wird. China wird also mehr Waren importieren als exportieren.

Die Experten erwarten für 2019 einen negativen Handelssaldo von 50 Milliarden Dollar – das entspricht etwa 0,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Bis 2030 dürfte sich dieses Defizit sogar auf 420 Milliarden Dollar oder 1,6 Prozent des BIP vergrößern.

Um die Geldabflüsse aufgrund der negativen Handelsbilanz zu kompensieren, wird die Regierung in Peking aller Voraussicht nach größeres Interesse daran haben, Kapital aus dem Ausland anzulocken – und internationalen Investoren daher mehr Anlagechancen auf dem chinesischen Kapitalmarkt zu eröffnen.

Dieser Druck wird nach Meinung der Studienautoren zum Wandel des chinesischen Finanzmarkts beitragen. Bisher sei der Markt noch „nicht besonders eng in die Weltwirtschaft eingegliedert“ – trotz aller Öffnungsversuche am Aktien- und Anleihemarkt sowie einer verbesserten Konvertierbarkeit der Währung Renminbi zumindest über Hongkong. So haben internationale Investoren aufgrund strenger Regulierung bisher relativ wenig Kapital ins Land gesteckt: ausländische Anleger halten demnach gerade einmal 2,6 Prozent der chinesischen Aktien und zwei Prozent der Bonds im Land.

Doch „das wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach ändern“, schreiben die Strategen. Impulse erwarten sie durch diverse Maßnahmen, die die chinesische Regierung eingeleitet habe. So wurden die Handelsmöglichkeiten chinesischer Wertpapiere an internationalen Börsen verbessert ­– nach Hongkong soll 2019 die Kooperation der Handelsplätze in London und Schanghai ausgebaut werden. Für heimische Firmenbonds wurde das Rating ausgeweitet, Steuerregeln vereinfacht, die Mehrwertsteuer gesenkt und der Zugang internationaler Anleger zum Renminbi verbessert.

Riesiger Markt mit vielen Chancen

Für deutlich steigende Kapitalzuflüsse in chinesische Aktien und Anleihen dürften zudem die Betreiber von Börsenindizes selbst sorgen: So will nicht nur MSCI als einer der bekanntesten Anbieter das Gewicht chinesischer Aktien in seinen Indizes ausweiten. Weitere Indexbetreiber wie Bloomberg und FTSE Russell wollen Dividendentitel und Bonds 2019 in ihre globalen Indizes aufnehmen. Andere wie Citi und JP Morgan denken ebenfalls konkret darüber nach.

Die Studienautoren von Morgan Stanley rechnen damit, dass bereits 2019 die Rekordsumme von 70 bis 125 Milliarden Dollar frischen ausländischen Kapitals in Aktien fließen könnte, die an den Festlandsbörsen Schanghai und Shenzhen gehandelt werden. Längerfristig dürften sich die jährlichen Zuflüsse in sogenannte A-Aktien zwischen 100 und 220 Milliarden Dollar einpendeln.

Aktienanlegern bietet China vor allem deshalb spannende Anlagechancen, weil sich die Wertpapiere großenteils unabhängig von globalen Börsenindizes entwickeln. „Der gesamte chinesische Aktienmarkt enthält aus unserer Sicht viele qualitativ hochwertige Unternehmen und Anlagemöglichkeiten“, sagt etwa Martin Lau, China-Experte beim angelsächsischen Fondsanbieter First State, und verweist auf das zuletzt stärkere Gewinnwachstum chinesischer Firmen im internationalen Vergleich.

Allerdings müssen Anleger starke Schwankungen bei chinesischen Aktien aushalten: 2018 ist der Index mit den 300 wichtigsten Aktien des chinesischen Festlandes, der CSI 300-Index, um ein Viertel eingebrochen. Der globale Aktienindex MSCI World dagegen ging um elf Prozent, der deutsche Dax um gut 18 Prozent zurück. Seit Jahresbeginn haben sich die chinesischen Aktien allerdings mit rund zehn Prozent gut doppelt so stark erholt wie die Dax-Aktien. Auch den MSCI World ließen sie klar hinter sich.

Für Anleger ist aber vor allem entscheidend, wie sich die chinesische Wirtschaft insgesamt weiterentwickelt. Sean Darby, der in Hongkong ansässige Chef-Aktienstratege der US-Bank Jefferies, ist der Meinung, dass die Pekinger Regierung 2018 bis in den Spätsommer hinein die Konjunktur stark gebremst hat.

Ähnlich sieht es Stephen Kam, Asienexperte des britischen Fondshaues Schroders: „Wir haben 2018 eine Verlangsamung des Wachstums gesehen, die vor allem auf das Bemühen der Regierung zurückzuführen war, die innere Verschuldung abzubauen und das ausufernde System der Schattenbanken in den Griff zu bekommen“, sagt er. Er erwartet, dass die Schwäche im ersten Halbjahr 2019 noch spürbar ist, das Wachstum dann aber wieder zulegt.

Die internationale Bankenorganisation IIF ist kritischer. Sie sieht chinesische Firmen als Hauptverantwortliche für den Anstieg der globalen Verschuldung auf einen Rekordwert von 92 Prozent der jährlichen Produktion. Und die chinesische Notenbank hat längst wieder auf eine Lockerung der Geldpolitik umgeschwenkt – und etwa die Mindestreserven an Liquidität, die die Banken bei ihr anlegen müssen, reduziert. Auch dies interpretieren Experten als Zeichen dafür, dass sich die Regierung in Peking wieder mehr auf Wachstum konzentriert und ihre zuvor sehr restriktive Finanz- und Geldpolitik lockert.

All das könnte Chinas Aktienmarkt zugutekommen. Internationale Anleger, die davon profitieren wollen, brauchen allerdings einen langen Atem und starke Nerven, um die bisher typischen und extremen Kursschwankungen auszusitzen.

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1 Kommentar zu "Kapitalmarkt: Wie Anleger von Chinas Kapitalhunger profitieren können"

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  • Sehr geehrte Frau Rezmer,

    wie Ist das eigentlich mit Ihnen persönlich? Haben Sie chinesische Aktien in Ihrem Depot? Nutzen Sie die Chancen für risikobereite Anleger? Können Sie uns ein wenig über Ihre Erfolgserlebnisse erzählen?

    Ich erzähle Ihnen auch von meinem Anlagestil. Er ähnelt dem von Warren Buffet. Ich kaufe nur, was ich erkenne, übersehe und begreife. Selbst bei Befolgung dieses Grundsatzes bleibt immer noch mehr Risiko als mir lieb ist. Auf die "Empfehlungen" ganz besonders gescheiter Leute werde ich mich ganz sicher nicht einlassen. Dann schon eher auf den Affen, der mit Dart-Pfeilen auf den Kurszettel wirft.