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Kraft Heinz Warren Buffetts größter Flop

Die Partnerschaft mit 3G sollte für Berkshire Hathaway ein profitabler Umweg zu neuen Deals sein. Doch die Strategie wird wohl vorerst nicht aufgehen.
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Auf der Hauptversammlung wird der Berkshire-Chef gefeiert wie ein Rockstar. Quelle: Bloomberg
Warren Buffett

Auf der Hauptversammlung wird der Berkshire-Chef gefeiert wie ein Rockstar.

(Foto: Bloomberg)

New York Vor zwei Jahren noch ließen sich Warren Buffett und Jorge Paulo Lemann feiern. Die beiden Milliardäre saßen auf einem Podium der Eliteuniversität Harvard, um über ihr Leben, ihre Erfolge und ihre ungewöhnliche Geschäftsbeziehung zu plaudern.

Damals klang das alles ganz einfach. Buffett, Chef des Konglomerats Berkshire Hathaway, und Lemann, Gründer der brasilianisch-amerikanischen Private-Equity-Firma 3G Capital, kennen sich bereits seit Jahren, saßen eine Zeit lang gemeinsam im Verwaltungsrat des Batterieherstellers Duracell.

Auf einer Veranstaltung in Colorado 2013 warb der 80-jährige Lemann für seinen nächsten großen Deal. Er wollte den Ketchup-Hersteller Heinz übernehmen, um ihn später mit anderen Nahrungsmittelherstellern zusammenzulegen. „Ich habe Warren kurz und knapp einen Entwurf des Deals geschickt und ihn später angerufen, um zu fragen, ob ich noch mal vorbeikommen soll, damit wir alles besprechen können“, erinnerte sich Lemann vor den Studenten in Harvard.

Doch Buffett wollte nur wissen, wie viel Geld er an 3G überweisen sollte. „Ich sagte 14 Milliarden, er sagte okay“, so Lemann. Damit war der Deal besiegelt.

Die Feierstimmung ist längst verflogen. 3G und Berkshire orchestrierten zwei Jahre später den Zusammenschluss von Heinz mit dem Nahrungsmittelkonzern Kraft. Eigentlich wollte das neu geformte Unternehmen die Branche neu aufrollen, wachsen und dann mit einem weiteren Unternehmen fusionieren.

Doch Kraft Heinz ist zum Problemfall geworden. Große Marken und industriell verarbeitete Lebensmittel sind längst nicht mehr so angesagt wie noch vor ein paar Jahren. Die Verbraucher mögen jetzt Kombucha, bio und vegan, doch Kraft Heinz braucht zu lange, um sich den neuen Trends anzupassen.

Die Folge: Gewinneinbruch und Milliardenabschreibungen – bei Kraft Heinz ebenso wie bei Berkshire, das rund 27 Prozent an dem Nahrungsmittelhersteller hält. Die großen Deal-Maker Buffett und Lemann mussten Fehler einräumen.

Für Buffett ist der Flop bitter. Er hatte sich erhofft, dank 3G an lukrative Möglichkeiten zu kommen, Berkshires 122 Milliarden Dollar an Barreserven einzusetzen. Ob er künftig noch auf diese Option setzen kann, ist unklar. Seit der Fusion von Kraft mit Heinz hat es keine weiteren Deals mit 3G gegeben.

Zweimal in diesem Jahr schon musste der Nahrungsmittelhersteller aus Chicago Abschreibungen auf seine Marken vornehmen, zunächst um gut 15 Milliarden Dollar im Februar. Im August folgte bei der Vorstellung der Quartalszahlen eine weitere Runde Abschreibungen, um 1,2 Milliarden Dollar.

Neuaufstellung soll Erfolge bringen

Der Konzern hat zudem mit einem Bilanzierungsskandal zu kämpfen und musste Ergebnisse seit 2015 neu veröffentlichen. Für das erste Halbjahr meldete das Unternehmen einen Gewinneinbruch um über 50 Prozent. Der Umsatz ging um fünf Prozent zurück. 3G und das Kraft-Heinz-Management haben sich verkalkuliert.

Produkte wie Velveeta Käse und Miracle Whipp Mayonnaise kommen nicht mehr so gut an. „Ich bin ein erschrockener Dinosaurier“, scherzte Lemann im vergangenen Jahr auf einer Konferenz. „Wir haben Marken gekauft, von denen wir dachten, dass sie auf ewig erhalten bleiben.“ Doch darauf könne er sich nicht mehr verlassen.

Ein neues Management soll es nun richten. Im Juli übernahm der Portugiese Miguel Patricio die Führung. Er war zuvor Marketingchef bei Anheuser-Busch Inbev, ebenfalls einem Portfoliounternehmen von 3G. Der frühere Finanzchef Paulo Basilio kehrte im September zurück und löste den 31-jährigen David Knopf ab.

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Doch der Turnaround kann nur gelingen, wenn 3G von seinem bisherigen Managementstil abrückt. Die Brasilianer sind für radikale Sparkurse bekannt. Sie sind Verfechter der „Zero-Based Budget“-Methode. Danach mussten Manager jedes Jahr ihr Budget von Grund auf neu planen, daher der Name „Base Zero“.

Das steht im krassen Gegensatz zum üblichen Vorgehen, bei dem der Etat fortgeschrieben wird, oft um ein paar Prozentpunkte höher, gerechtfertigt durch Inflation oder Kostensteigerungen. Neben Personalkürzungen heißt das auch: weniger Ausgaben für Marketing und Innovation, was der Konzern nun korrigieren muss.

Kraft müsse mindestens bis Ende 2020 noch stärker ins Geschäft reinvestieren, um den Umsatz wieder anzukurbeln, sagt Chris Growe, Analyst der Investmentbank Stifel Nicolaus.

Bonität könnte sinken

Die Zeit drängt. Das Unternehmen ist hochverschuldet. Sollte Kraft Heinz es nicht schaffen, bis Mitte 2021 den Schuldenberg von 30 Milliarden Dollar abzubauen, könnte die Bonität herabgestuft werden. Das geht aus einer Analyse der Ratingagentur Standard & Poor’s Global Ratings hervor, die Ende August veröffentlicht wurde.

Der Nahrungsmittelhersteller hat derzeit ein Rating von „BBB-“ und ist damit nur eine Stufe vom riskanteren Junkstatus entfernt. Die Ratingagentur rät dazu, die Dividende zu kürzen oder Unternehmensteile zu verkaufen, um das Verhältnis von Schulden zu Gewinn zu verbessern. Sollte es zu einer Herabstufung kommen, dann würden die Finanzierungskosten für Kraft Heinz steigen.

Bei Berkshires Aktionären regte sich schon von Beginn an Widerstand gegen die Zusammenarbeit mit 3G. Der knallharte Fokus auf Kostenreduzierungen und große Personalabbaurunden passt eigentlich nicht mit Buffetts Führungsstil zusammen. Der 89-jährige Starinvestor ist eher dafür bekannt, sich nicht in die Geschäfte seiner Tochterunternehmen einzumischen.

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Er gilt als extrem langfristiger Investor, der Schwächephasen locker durchstehen kann. Zu Berkshire Hathaway gehören eine Versicherungs-, eine Industrie- und eine Energiesparte sowie rund 80 kleine und mittelständische Unternehmen. Auch die bekannte Eismarke Dairy Queen ist dabei.

Zudem hält Buffett Aktienpakete an Konzernen wie Coca-Cola, American Express und JP Morgan Chase. Zum Ende des zweiten Quartals hatten die Beteiligungen einen Wert von über 200 Milliarden Dollar.

Private-Equity-Firmen sind dagegen darauf bedacht, ihre Investments nach fünf bis zehn Jahren wieder zu verkaufen oder an die Börse zu bringen. 3G hat sich darauf spezialisiert, Unternehmen mit immer neuen Übernahmen zu Wachstum zu verhelfen, verkaufte jedoch Anfang August ebenfalls einen Teil seiner Kraft-Heinz-Anteile.

Berkshire hatte im vergangenen Jahr bereits Abschreibungen auf die Kraft-Heinz-Beteiligung vorgenommen. Weitere könnten nötig werden, warnte das Konglomerat bei der Vorstellung der Quartalsergebnisse im August. Wegen der Bilanzierungsprobleme veröffentlichte Berkshire die Ergebnisse für das erste und zweite Quartal in diesem Jahr, ohne die Zahlen von Kraft Heinz miteinzurechnen.

Buffett kündigte an, er werde die Aktien des Lebensmittelherstellers zwar weiter halten, jedoch keine weiteren dazukaufen. Der Kursverfall bei Kraft Heinz sorgte allein in diesem Jahr für Verluste von über fünf Milliarden Dollar für Berkshire.

„Buffett hat eingeräumt, zu viel bezahlt zu haben“, sagt Thomas Kleber, Investmentchef des Vermögensverwalters Pecora Capital in New York, der selbst seit Jahren Berkshire-Aktien hält. Er geht jedoch nicht davon aus, dass der Fall größere Probleme oder einen Reputationsschaden für Berkshire bedeuten könnte. „Buffett hat sehr viele Sachen richtig gemacht. Doch es ist klar, dass nicht alle Beteiligungen immer gut laufen.“ Zudem hat Buffett über Jahre eine Sonderdividende von Heinz kassiert. 2015 waren es 720 Millionen Dollar.

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Unerwartete Unterstützung bekam Buffett unterdessen von einem anderen prominenten Investor. Hedgefonds-Manager Bill Ackman kaufte Berkshire-Aktien im Wert von rund 700 Millionen Dollar, wie im August bekannt wurde. Berkshire sei derzeit unterbewertet, glaubt Ackman.

Die Aktie hat in diesem Jahr knapp zwei Prozent verloren, während der breit gefasste Index S&P 500 gut zwei Prozent gestiegen ist. Buffetts Ansatz, die Einnahmen aus dem milliardenschweren Versicherungsgeschäft in Aktien und Unternehmen aus den verschiedensten Branchen zu investieren, hat Ackman überzeugt. „Buffett hat das Unternehmen so aufgestellt, dass es noch jahrzehntelang erfolgreich sein kann, auch wenn er nicht mehr das Unternehmen führt“, erklärte Ackman.

Buffett, der Berkshire seit 54 Jahren führt, hat unterdessen auch ohne 3G einen lukrativen Deal abgeschlossen. Im April gab er dem US-Ölkonzern Occidental eine Finanzspritze von zehn Milliarden Dollar, damit dieser den Konkurrenten Anadarko übernehmen kann. Das lässt sich Buffett wie gewohnt gut bezahlen – über Vorzugsaktien mit einer Dividende von acht Prozent.

Mehr:Warren Buffett hat sich bei Kraft Heinz verspekuliert.“ Das kommentiert Bert Rürup, Leiter des Handelsblatt Research Institute.

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