Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kurznachrichtendienst Startup Block.One will Alternative zu Twitter schaffen

Mit einer neuen Plattform will Finanzinvestor Peter Thiel Twitter Konkurrenz machen. User sollen dort für Posts und Likes Geld erhalten.
Kommentieren
Der Paypal-Gründer beteiligt sich ebenfalls an Block.One. Quelle: AFP
Peter Thiel

Der Paypal-Gründer beteiligt sich ebenfalls an Block.One.

(Foto: AFP)

Frankfurt Christian Angermayer hat ein Gespür für revolutionäre Technologien. Mit Deals in der Fintech- und Biotech-Branche hat der deutsche Investor ein Vermögen angehäuft, das die britische „Sunday Times“ Ende 2018 auf 350 Millionen Euro schätzte. Jetzt ist der 41-Jährige überzeugt davon, dass die digitale Welt vor der nächsten Revolution steht: der Ablösung der Social-Media-Konzerne durch neue Rivalen, die Nutzer an den Gewinnen beteiligen.

Was nach wilden Träumereien klingt, soll an diesem Wochenende konkrete Formen annehmen: Auf einer Pressekonferenz in Washington will das Krypto-Start-up Block.One nach Informationen des Handelsblatts einen kühnen Plan verkünden: den Frontalangriff auf den Kurznachrichtendienst Twitter.

Noch in diesem Jahr will Block.One, an dem neben Angermayer auch der deutschstämmige Paypal-Mitgründer Peter Thiel beteiligt ist, eine neue Social-Media-Plattform an den Start bringen. Diese soll ihre Nutzer direkt an den Werbeerlösen beteiligen.

Es ist ein streng geheimes Projekt – und bis heute wollen weder Mitinvestor Angermayer noch Block.One einen Kommentar dazu abgeben. Seit Monaten wurde in der Kryptobranche wild spekuliert, dass Block.One an einem neuen Start-up arbeitet.

Genug Kapital dafür ist vorhanden: Das von den US-Amerikanern Brendan Blumer und Daniel Larimer gegründete Unternehmen mit Hauptsitz in Hongkong nahm vor einem Jahr die Rekordsumme von vier Milliarden Dollar durch Ausgabe einer Kryptowährung mit dem Namen EOS ein. EOS ist mehr ein Betriebssystem der Kryptowelt als eine Währung. Dennoch hat auch eine EOS-Einheit einen Preis: derzeit rund acht Dollar.

Block.One hält bis heute einen Anteil von zehn Prozent an den insgesamt 7,4 Milliarden Dollar teuren EOS-Token. Das Unternehmen agiert als eine Art Wagniskapitalfirma auf Kryptobasis: Start-ups erhalten Geld und verpflichten sich im Gegenzug, ihr Geschäftsmodell auf EOS-Basis zu entwickeln. Block.One plant aber auch, rund drei Milliarden Dollar in eigene Neugründungen zu stecken.

Nutzer werden am Erfolg der Plattform beteiligt

Eine der ersten soll am Samstag präsentiert werden: Finanzkreisen zufolge soll die neue Plattform Twitter ähneln, aber auch Funktionen aufweisen, die aus Facebook und Instagram bekannt sind. Der Clou: Anders als bei Twitter und Co. werden Nutzer am Erfolg der Plattform mittels eines Tokens, einer Art virtuelles Guthaben, direkt beteiligt.

Jede Person, die sich anmeldet, soll eine bestimmte Anzahl von Token erhalten. Und für jede Aktivität auf der Plattform – beispielsweise eine Wortmeldung oder ein Like – kommen weitere dazu. Die Nutzer sollen diese Token dann mittels einer Kryptobörse an Werbetreibende verkaufen können. Je mehr Aktivität es auf der neuen Plattform gibt, desto begehrter wird sie für Werbekunden – und desto größer wird der Wert der Token. Block.One selbst soll jedes Jahr neue Token erhalten, die knapp zehn Prozent der Gesamtmenge entsprechen.

Krypto-Fans wie Angermayer glauben fest daran, dass solche Plattformen die Vorhut eines neuen digitalen Wirtschaftsmodells sind, bei dem nicht mehr die Aktiengesellschaft im Vordergrund steht, sondern der Konsument.

„Jeder Mensch hat einen digitalen Fußabdruck, der sehr viel Geld wert ist. Bisher stehlen die großen Tech-Konzerne diesen Wert von den Kunden“, sagt der Multigründer, der sein Vermögen in der Familienholding Apeiron Investment Group verwaltet. „Doch das wird sich ändern: Die Menschen werden künftig allein durch ihre Existenz jeden Monat Geld verdienen. Das wird die kapitalistische Form des bedingungslosen Grundeinkommens werden.“

In der Kryptobranche geht man davon aus, dass ein durchschnittlicher Nutzer auf der neuen Plattform von Block.One zwischen zehn und 100 Dollar im Monat verdienen könnte. Ein Meinungsführer wie US-Präsident Donald Trump, der 60 Millionen Follower hat, könnte sogar bis zu eine Million Dollar einheimsen.

Begrenzter Einfluss von Block.One

Dazu müsste das Netzwerk jedoch erst einmal die enorme Reichweite von Twitter erreichen. Der US-Kurznachrichtendienst hat 134 Millionen tägliche Nutzer. Da die Kryptobranche an Verheißungen und kühnen Versprechungen nicht arm ist, gibt es daher auch skeptische Stimmen.

„Ob der Plan am Ende tatsächlich funktioniert, darauf hat Block.One nur einen begrenzten Einfluss“, sagt Professor Philipp Sandner, Leiter des Blockchain Center der Frankfurt School. „Entscheidend ist die Adaption durch die Nutzer, also die Frage, ob diese sich tatsächlich bei der neuen Plattform anmelden und dort auch ihre Posts absetzen.“

Sandner hält den Plan dennoch für vielversprechend. „Das ist ein sehr spannender Ansatz zur realen Nutzung der Blockchain-Technologie. Es gibt einige solche Ansätze, die bereits jetzt einen gewissen Erfolg erkennen lassen.“ Vorbild ist zum Beispiel das Projekt Steemit, eine Plattform, auf der Nutzer selbst erstellte Texte, Fotos und Videos teilen können und dafür in Kryptowährungen entlohnt werden. Auch der Basic Attention Token, eine Währung, die Internetsurfer dafür belohnen soll, dass sie sich Werbeeinblendungen ansehen, geht in eine ähnliche Richtung. Beide Projekte haben eine Bewertung im dreistelligen Millionenbereich.

Da ist Block.One schon weiter. Das Unternehmen ist laut Brancheninformationen auch dank des neu entfachten Kryptobooms mehr als fünf Milliarden Dollar wert. Das Vermögen glücklicher Erstinvestoren wie Angermayer dürfte es jedenfalls schon deutlich vergrößert haben.

Mehr: Kryptowährungen haben manche reich gemacht, andere arm. Drei Menschen erzählen, wie sie Boom und Absturz erlebt haben – und warum sie weitermachen.

Finance Briefing
Startseite

Mehr zu: Kurznachrichtendienst - Startup Block.One will Alternative zu Twitter schaffen

0 Kommentare zu "Kurznachrichtendienst : Startup Block.One will Alternative zu Twitter schaffen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote