Lehman und die Folgen Die Angst vor der Aktie geht um

Das Weltfinanzbeben im Gefolge der Lehman-Pleite hat offenbar eine ganze Anlegergeneration traumatisiert. Die neue Shell-Studie zeigt: Aktien sind so unbeliebt wie nie zuvor, nur noch zwölf Prozent der 15 bis 25-Jährigen finden die Finanzprodukte jenseits des Sparbuches attraktiv. Warum das Vertrauen in die Wirtschaft eingetrübt ist.
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Zwei Jahre nach der durch den Lehman-Crash ausgelösten weltweiten Wirtschaftskrise ist die Zahl derer, die Aktien oder Aktienfonds besitzen, weiter rückläufig. Quelle: ap

Zwei Jahre nach der durch den Lehman-Crash ausgelösten weltweiten Wirtschaftskrise ist die Zahl derer, die Aktien oder Aktienfonds besitzen, weiter rückläufig.

(Foto: ap)

BERLIN/FRANKFURT. Es ist die Anzahl der Nullen, die weit mehr aussagt als die "9", die davorsteht: 9000000000000 Euro hat die Finanzkrise die Anleger im Jahr 2008 gekostet. Sie fand ihren Höhepunkt in der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers und dem Abtritt des Vorstandschefs Richard Fuld, genannt "Gorilla", vor zwei Jahren. Lag die Summe der privaten Geldvermögen weltweit zu Beginn des Jahres noch bei 85,5 Billionen Euro, so waren es am Ende nur noch 76,5 Billionen Euro. Ein Minus von 10,6 Prozent. Das zeigt eine Studie der Allianz, die gestern vorgestellt wurde.

Bis heute hat das private Geldvermögen zwar wieder auf 82,2 Billionen Euro zugelegt, doch die Verunsicherung blieb. Die Anleger haben Angst vor der Aktie. Früher stand sie für schnellen Gewinn, heute für drohenden Verlust. Einst war sie ein Symbol der Hoffnung, heute weckt sie Unsicherheitsgefühle.

Pensionskassen und Treuhandgesellschaften, die für die betriebliche Altersvorsorge in Deutschland mehr als 1,1 Billionen Euro verwalten, reduzierten ihren Aktienanteil im vergangenen Jahr von 22 auf 16 Prozent. Lebensversicherer wie der Branchenprimus Allianz Leben hatten einst 25 Prozent Aktienanteil im Depot, heute sind es noch rund acht Prozent.

Die Zahl derer, die Aktien oder Aktienfonds als indirekte Variante besitzen, ist seit Jahren rückläufig. Im relativ soliden Börsenjahr 2010 ist die Zahl noch einmal um 200 000 auf 8,6 Millionen Deutsche zurückgegangen. Das hat das Deutsche Aktieninstitut berechnet.

"Ist die Aktie in?" fragen die Jugendforscher der Shell-Studie alle vier Jahre. Das Ergebnis der gestern vorgestellten Studie zeigt einen neuen Tiefpunkt der Aktienkultur in Deutschland. Von einer Zustimmungsrate in Höhe von 39 Prozent im Jahre 2002 stürzte die Aktie auf 12 Prozent ab. "Wenn etwas heute out ist, neben Drogen, dann sind das Aktien", sagt Ulrich Schneekloth, einer der Autoren.

Schuld an der Unlust auf Aktien sind auch traumatische Erfahrungen nach der Pleite von Lehman. Mit ihr begann die schwerste Wirtschaftskrise der letzten 80 Jahre.

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11 Kommentare zu "Lehman und die Folgen: Die Angst vor der Aktie geht um"

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  • Zitat Realist-> "Der DAX liegt heute z.b. etwa 25 % niedriger als in 2000. Punkt!"

    Es ist immer eine Frage des Ausgangspunkts.
    Rechne ich ab 2003 oder März 2009,
    sieht ihre "insider-"Rechnung gleich ganz anders aus.
    Was für ein insider wollen Sie denn bitte sein,
    der mit solchem Hokuspokus wie einem Startzeitpunkt ab 2000 rechnet?
    Es sei denn, Sie haben damals ihren Kunden zum Einstieg geraten, oder sind selbst eingestiegen nach dem Motto, omg ab heute kennen Aktien nur noch eine Richtung. Nach oben!

    Verdammt unseriös was Sie hier sagen,
    da ist mir mein Vorredner lieber,
    der wohl gerne in Massenvernichtungswaffen investiert.

    MfG

  • Pardon, wollte sagen "alles KEiN Nullsummenspiel ist"

  • @AJ

    Übrigens nicht nur Vater Staat prügelt sein Kind den Kleinanleger,
    sind Sie gesetzlich versichert,
    bestiehlt Sie auch noch die Zwangskrankenkasse mit bald vermutlichen 16%.
    Nun gut es sei denn sie verdienen eh über der beitragsbemessungsgrenze.
    Für alle darunter bedeutet dies aufgerundet beinahe 44% Abzocke, für die dann unsere Pensionäre ohne Gegenleistung durchgefüttert werden.

    @Realist
    ich wage zu behaupten das weniger als eine Stunde am Tag ausreichen kann, wenn man bereits ein wenig eingeübt ist.

    Das die berater voll für's Kloh sind,
    sollte spätestens nach dieser Krise klar sein.

    Und niemand behauptet hier, dass egal welches Geschäft am Finanzmarkt getroffen wird,
    alles ein einziges Nullsummenspiel ist.
    Übermäßiges Handeln ist genauso dumpfsinnig wie,
    die Aktien im Depot verschimmeln zu lassen.

    Und wer eh blos auf Kursgewinne aus ist,
    nicht auch auf regelmäßige Dividenden achtet hat eh nix kapiert.

    Auch für den Kleinanleger gehört mindestens ein Anbieter für Landminen gegen spielende Kinder ins Depot.

    ich halte Sie übrigens für keinen "brauchbaren" insider, eher für einen, der mit Aktien selbst mal in den Abfluss gelangt hat,
    sicher wären Sie aber auch dann eine Art insider.

  • Spätestens mit dem Abschlagsteuer-Gesetz wurde der deutsche Aktienanleger dem Spekulanten gleichgesetzt. Es ist nun vollkommen egal, ob ich eine Aktie 1 Sekunde oder 10 Jahre halte - wir sind alle gleich. Die Steuer auf Dividenden wurde um satte 100% erhöht. Da macht die Anlage in Aktien erst recht Spaß! Tja, warum kaufen immer weniger Personen in Deutschland Aktien? Es gibt keine Aktienkultur. 80% der Aktien werden über Fonds gehalten. Da geht ein Großteil der Kursgewinne und Dividenden an das Fondsmanagement. Das wird immer reicher, der Anleger nicht!
    Aber es gibt eine Alternative für den "Kleinanleger": Den ETF. Da kaum ein Manager den index schlägt, sind solche ETFs genial. Die kann man auch zu kleinen Stückzahlen kaufen.
    Wer etwas mehr Geld übrig hat, der sollte Aktien direkt handeln. Man sollte sich nicht scheuen zu kaufen und verkaufen. Über Online-banken geht das Kostengünstig. Und Vater Staat ist immer mit ca. 28% Steuer dabei, egal ob man das Papier kurz oder lang hält.
    Langfristig betrachtet zählen Aktien immer noch zu den besten investments überhaupt. Schade nur, daß der deutsche Anleger im falschen Land sitzt, um mit Aktien glücklich zu werden. Also, tragt euer Geld weiter auf das Sparbuch (0,25%) - das Tagesgeldkonto (0,9%) oder kauft deutsche bundesschatzbriefe. Nur wundert euch nicht, wenn nach 30 Jahren euer Vermögen kleiner statt größer geworden ist ...

  • Aktien waren für den "kleinen Mann" zu keiner Zeit wirklich attraktiv. Er kann es nämlich nicht leisten, sich täglich um die Lage im Allgemeinen und die Situation von Aktiengesellschaften im besonderen zu kümmern. Auch fehlt ihm ganz überwiegend die Fachkenntnis dazu. Die sogenannten berater wissen es übrigens auch nicht besser und haben das Vertrauen des "kleinen Mannes" lange verspielt.
    Nun zu Aktien: Nur wer besser als der Marktdurchschnitt handelt, kann zusätzliche Gewinne aus dem Aktienrisiko generieren. Auf Dauer schafft das aber Niemand. Und im Durchschnitt sind Aktien schon nicht mehr attraktiv! Der DAX liegt heute z.b. etwa 25 % niedriger als in 2000. Punkt!

    Man möge mich, einen insider, bitte überzeugen, warum Aktien an Anlage für den "kleinen Mann" attraktiv sein sollten! ich, als insider, kenne keinen Grund! Selbst der Schutz in einem "Untergangszenario überzeugt mich nicht. Wenn die Währungen weltweit "knallen", dann werden Aktien den "kleinen Mann" nicht retten!

    Also, liebe Anleger, auch wenn das Hb (als Lobbyist der Aktienbranche) sich wundert, ihr liegt vollkommen richtig, wenn ihr die Finger von den Aktien lasst!

    Zocker kaufen schon mal Aktien. Klar! Risiko! Die ganz großen Zocker spekulieren gleich auf den Lotto-Jackpott. Der ist noch besser als der beste Aktientipp.Man muss nur das Feeling für die Kurse, pardon Zahlen, haben.

  • @lehman´s brother : nicht schlecht...ich habe mich an WASHiNGTON MUTUAL gehalten und konnte auch vervielfachen...gerne wieder......

  • Kommentar # 1 (dumme opfer) hat recht, dass nicht alle Aktien das Potential besitzen, größere Sicherheit als andere investitionen zu bieten. Es gehört schon ein wenig information dazu, die richtigen Aktien individuell zu wählen. Deutsche investoren gelten weltweit als besonders unbedarft, weil sie sich einfach auf Fonds verlassen, in deren Mix die unprofitablen Aktien die Gewinne der "richtigen" Aktien nur wieder auslöschen. Resultat: plus minus Null.

    information über individuelle Aktien ist leicht erhältlich. Wer sich nicht die Mühe machen will, sich zu informieren und persönlich die Wahl individueller Aktien vorzunehmen, hat am Aktienmarkt nichts zu suchen.

  • Die Top-Aktie nach dem crash war Lehman brothers:

    Gekauft im Dez. 2008, der Tiefstkurs war 0.0015 USD.
    Eine Million Stck waren fuer 1'500 USD zu haben!

    Verkauft im Sept. 2009 zu 0.24 USD.
    Das ist das 160-fache.

    Lehman's brother ist saniert bis weit ins naechste Jahrzehnt.

  • Eine Ursache für das niedrige Ansehen der Aktie als Anlageform könnte auch sein, dass das Management im Laufe der Jahre einen immer grösseren Teil der Gewinne für sich beansprucht und dass die Substanz vieler Unternehmen durch exzessive Schuldenmacherei aufgezehrt wird.
    Und bei vielen klassischen Dividendentiteln wird künftig der Staat einen erheblichen Teil mittels höherer Steuern und Sonderabgaben abgreifen.

  • ich finde es sogar relativ positiv wenn nicht jeder 16jährige der keine ahnung hat sein geld in aktien anlegt. immerhin scheint langsam eine gewisse selbstverantwortung für sein geld in die köpfe einiger leute einzuziehen...dann können diese wenigstens nichrt mehr ihre berater für den quatsch verantwortlich machen den sie im depot haben...

    fazit: aktien sind was tolles,antizyklisch und langfristig gehandelt und als beimischung...

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