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Leitindex Größer und profitabler – So kommen die Pläne zum Dax-Umbau an

Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer plädiert für eine Erweiterung des hiesigen Leitindexes. Im Arbeitskreis Aktienindizes wird noch kontrovers diskutiert.
05.10.2020 Update: 05.10.2020 - 18:42 Uhr 1 Kommentar
Vorgeschlagen hat die Erweiterung der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse, dem neben Vertretern der Börse auch Manager von Banken und großen Fondsgesellschaften angehören. Quelle: dpa
Die Börse in Frankfurt

Vorgeschlagen hat die Erweiterung der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse, dem neben Vertretern der Börse auch Manager von Banken und großen Fondsgesellschaften angehören.

(Foto: dpa)

Frankfurt Theodor Weimer hat sich seine Meinung schon gebildet: „Es ist kein Geheimnis, dass ich persönlich die Ausweitung des Dax 30 auf einen Dax 40 begrüßen würde“, sagte der Chef der Deutschen Börse am Montag. Jetzt befragt die Börse auch Investoren, was sie von einer Erweiterung des deutschen Leitindexes halten. Gleichzeitig soll in diesem Fall der MDax der bislang 60 mittelgroßen Unternehmen auf 50 Unternehmen gestutzt werden.

Doch es geht um noch viel mehr: Die Börse plant die umfassendste Reform ihrer Indizes seit der Dax-Einführung vor mehr als 32 Jahren. Auslöser dafür sind der Skandal um den Zahlungsdienstleister Wirecard und auch die Diskussionen um dessen Dax-Nachfolger Delivery Hero.

Wirecard wurde erst Wochen nach dem Insolvenzantrag aus dem Dax verbannt, der Essenslieferant Delivery Hero schreibt seit seiner Gründung operativ Verluste. Wohl auch deshalb geht es jetzt unter anderem um die Frage, ob künftig nur noch profitable Unternehmen in der ersten Börsenliga mitspielen dürfen.

Außerdem will die Börse von Investoren wissen, ob Kriterien zur guten Unternehmensführung künftig bei der Notierung in einem der Indizes der Dax-Familie – also auch im 70 Unternehmen umfassenden SDax der kleinen Werte und im TecDax mit den 30 größten deutschen Technologiekonzernen – eine Rolle spielen sollen. Auch der Umsatz der Aktien an der Börse, also die Marktliquidität, könnte künftig weniger wichtig beim Aufstieg in einen Index sein als bislang.

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    Die Vorschläge kommen vom Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse, dem neben Vertretern der Börse auch Manager von Banken und großen Fondsgesellschaften angehören. Sie haben sich Ende September beraten und laden nun Investoren, Banken und „alle interessierten Marktteilnehmer“ bis Anfang November ein, über einen Fragebogen zu den Vorschlägen Stellung zu nehmen.

    Der Börsen-CEO steht einem größeren Dax sehr offen gegenüber. Quelle: Bloomberg
    Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer

    Der Börsen-CEO steht einem größeren Dax sehr offen gegenüber.

    (Foto: Bloomberg)

    Eine Entscheidung über Änderungen trifft die Börse bis spätestens 23. November. Dabei werden die Aussagen gewichtet – die Meinung zum Beispiel von großen Fondshäusern, die viel Geld am deutschen Aktienmarkt anlegen, zählt mehr als die Meinung einzelner Privatanleger. Umgesetzt werden sollen die Regeln frühestens ab März 2021. Die Börse will Unternehmen und Investoren Zeit geben, sich auf die Änderungen einzustellen.

    Bislang sieht es so aus, dass Investoren der Dax-Erweiterung von 30 auf 40 Werte zustimmen. Zuletzt schon hatten Profi-Anleger und Indexexperten in Gesprächen mit dem Handelsblatt einen größeren Dax gefordert.

    Positives Echo

    Jürgen Hackenberg, Fondsmanager für deutsche und europäische Aktien bei Union Investment, begrüßt auch jetzt die vorgeschlagene Erweiterung auf 40 Dax-Werte: „Damit würden sich die Indexgewichte der bisherigen Dax-Mitglieder verringern.“ Als aktiver Fondsmanager bekäme er so die Möglichkeit, insbesondere auch die Dax-Schwergewichte im Fonds stärker hervorzuheben.

    Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance der Fondsgesellschaft Deka, betonte schon im September, dass eine breitere Aufstellung den Dax stabiler machen würden. Bislang gebe es aufgrund der vielen Unternehmen aus dem Automobilsektor ein „Klumpenrisiko“.

    Es gibt aber auch Bedenken. Prinzipiell sei eine Dax-Erweiterung zwar sehr gut, heißt es zum Beispiel bei einer Bank. Ein Problem sei aber, dass der MDax im Zuge einer Dax-Vergrößerung verkleinert werden soll: „Damit würde der MDax entwertet.“

    Ähnliche Aussagen gibt es auch von Investoren. Christoph Ohme, Fondsmanager für deutsche Aktien bei der DWS, zum Beispiel begrüßt zwar im Allgemeinen die Idee, den Dax diversifizierter aufzustellen. Insofern seien Erneuerungsvorschläge der Deutschen Börse generell erst einmal wichtige Diskussionsgrundlagen. „Allerdings muss berücksichtigt werden, dass die Nebenwerteindizes parallel dazu an Liquidität und Marktkapitalisierung verlieren würden“, betont Ohme. „Die zehn kleineren Unternehmen, die in den Dax nachrücken würden, würden wegen ihrer geringen Marktkapitalisierung nur zehn Prozent der Dax-Gewichtung ausmachen“, sagt der Fondsmanager. „Der MDax verlöre dagegen 40 Prozent seiner Marktkapitalisierung und würde darunter sehr leiden.“

    Momentan befinden sich 30 Unternehmen im Dax. Quelle: Reuters
    Börse Frankfurt

    Momentan befinden sich 30 Unternehmen im Dax.

    (Foto: Reuters)

    Dem Vernehmen nach wird auch im Arbeitskreis Aktienindizes die Dax-Erweiterung kontrovers diskutiert. Im Arbeitskreis sind derzeit neun Banken und Fondshäuser, die Deutsche Bank und Unicredit sind schon länger nicht mehr dabei.

    Laut einer Simulation der Börse würde sich an den Branchengewichtung bei einer Dax-Erweiterung gar nicht so viel ändern. Auch die Entwicklung des Dax hätte sich demnach in den vergangenen Jahren kaum geändert – unabhängig ob 30 oder 40 Werte im Leitindex vertreten sind.

    Forderungen nach einem größeren Dax gibt es indes schon lange, denn andere europäische Börsenindizes sind größer. In Spanien umfasst der Leitindex 35 Unternehmen, in Frankreich und Italien sind es jeweils 40, und im Euro-Zonen-Leitindex Euro Stoxx 50 sind 50 Firmen gelistet. „Der Dax macht aber schon mit seinen 30 Werten knapp 75 Prozent der Marktkapitalisierung aller gehandelten deutschen Unternehmen aus, bei 40 Werten wären es 83 Prozent“, gibt Ohme von der DWS zu bedenken. Dies sei in anderen europäischen Ländern und in den USA nicht der Fall. „Der US-Leitindex S&P umfasst zwar 500 Unternehmen, deckt aber nur 75 Prozent der Marktkapitalisierung ab.“

    Sehr interessant findet Ohme den Vorschlag der Börse, das Umsatzkriterium als Voraussetzung für eine Indexzugehörigkeit zu ändern. „Das würde auch schon zu mehr Diversifizierung führen“, sagt der Fondsmanager. Die Deutsche Börse stellt zur Diskussion, dass künftig nur noch die Marktkapitalisierung der frei gehandelten Aktien entscheidend sein und in einer Rangliste abgebildet werden soll. Beim Börsenumsatz soll es dagegen keine Rangliste mehr geben, sondern nur noch um eine Mindestliquidität gehen. Dies ist international üblich.

    Wenn es schon jetzt lediglich um eine Mindestliquidität statt um einen Rang in der Marktkapitalisierung gegangen wäre, hätte zuletzt der Duft- und Aromenhersteller Symrise den Dax-Aufstieg für Wirecard geschafft, der umstrittene, nicht profitable Essenlieferant Delivery Hero wäre außen vor geblieben.

    Schneller Rauswurf möglich

    Auch die Änderungen zur Einhaltung von Corporate-Governance-Regeln zur guten Unternehmensführung haben wohl mit Wirecard zu tun. So sollen Unternehmen aus dem Dax verbannt werden können, wenn sie ihre Zahlenwerke nicht fristgerecht vorlegen oder Wirtschaftsprüfer den Jahresabschluss wieder zurückziehen, so wie es bei Wirecard der Fall war. In solchen Fällen sollen Unternehmen künftig den Index innerhalb von zwei Handelstagen verlassen müssen, wenn die entsprechenden Fristen verstrichen sind.

    Wirecard hatte nach dem Auffliegen seiner Bilanzfälschungen am 25. Juni Insolvenz angemeldet. Im Dax blieb Wirecard trotzdem, weil die Börsenregeln einen sofortigen Ausschluss lediglich dann vorsahen, wenn ein Insolvenzantrag mangels Masse abgelehnt wurde oder die Abwicklung bereits lief. Diese Regeln änderte die Börse erst am 12. August nach einer Marktkonsultation und kündigte schon damals an, das gesamte Dax-Regelwerk einer „vertieften Prüfung“ zu unterziehen.

    Zu den weiteren Vorschlägen zählt, dass alle Unternehmen in einem der Dax-Indizes einen Prüfungsausschusses im Aufsichtsrat nachweisen. „Strengere Regeln für die Berichtspflichten und die Transparenz der Dax-Unternehmen sind ebenfalls in unserem Interesse, wobei man darauf hinweisen muss, dass die Dax-Mitglieder diese im Regelfall sehr gut eingehalten haben“, erklärt Fondsmanager Hackenberg von Union Investment.

    Der Börsenchef ist selbst gespannt auf die Änderungen, die es in der Dax-Familie geben wird.
    Theodor Weimer

    Der Börsenchef ist selbst gespannt auf die Änderungen, die es in der Dax-Familie geben wird.

    Außerdem stellt die Börse Investoren die Frage, ob Unternehmen, die mehr als zehn Prozent ihres Umsatzes mit umstrittenen Waffen machen, aus allen Dax-Auswahlindizes ausgeschlossen werden. Demnach würde Indexexperten zufolge der Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus aus den Indizes ausscheiden. Ein weiterer Vorschlag ist, dass die Zusammensetzung des Dax künftig nach allen Kriterien zweimal jährlich überprüft werden soll. Bisher fand eine gründliche Dax-Überprüfung nur im September statt, an anderen Terminen gab es nur Änderungen, wenn ein Unternehmen sich ganz besonders schlecht oder gut entwickelte.

    Börsenchef Weimer selbst ist jedenfalls „auf das Ergebnis gespannt“ und sicher, dass die Weiterentwicklung der Kriterien dem deutschen Kapitalmarkt zu weiterer Qualität verhilft“.

    Mehr: Diese Kandidaten haben bei einer Dax-Erweiterung die besten Aufstiegschancen.

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    1 Kommentar zu "Leitindex : Größer und profitabler – So kommen die Pläne zum Dax-Umbau an"

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    • Der Dax repräsentiert das globale Schaufenster der deutschen Wirtschaftselite.

      Nicht alle Mitglieder im Dax haben in den letzten Jahren zum Ansehen und zu einer positiven Aktienkultur beigetragen. Eine Verbesserung wird aber nicht durch mehr Mitglieder erreicht. Das Kommen und gehen wird zunehmen und der Unterschied der Marktkapitalisierung und des Eigenkapitals einzelner Unternehmen vergrößert sich.

      Das Misstrauen gegen einzelne Neuzugänge ist jetzt schon groß. Der Dax hat nur 30% deutsche Anteilseigner. Das ist bedauerlich und hat mit der wirtschlichen Bildung aber nach meiner Meinung vornehmlich mit der politischen und medialen Haltung im Inland zu tun.
      Natürlich auch mit dem fehlenden Anstand und den negativen Tugenden einzelner Unternehmen.

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