Marc Faber im Interview „Finanzieller Selbstmord“

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"In Gold zu investieren birgt ein geringeres Risiko"

Gold bringt keine Zinsen, also ist das Risiko von Gold gering.

Gold hat natürlich schon ein gewisses Kursrisiko. Aber einen Teil seines Vermögens in Gold zu investieren und es physisch zu halten birgt wahrscheinlich ein geringeres Risiko als Staatsanleihen und Bargeld.

Goldbesitz könnte verboten werden.

Das ist schon denkbar. Die Amerikaner könnten irgendwann sagen: „Wir sammeln das Gold ein“, und dann international Druck machen, dass andere das jetzt auch tun müssten. Und die Dummköpfe in Schweizer Banken würden dann vielleicht sagen: „Okay, we do the same.“

Wo lagern Sie Ihr Gold?

Ich habe den größten Teil in der Schweiz. Am sichersten physisch gelagert ist Gold aber in Singapur und Hongkong. Jedes Mal, wenn ich aus der Schweiz nach Thailand zurückfliege, nehme ich etwas Gold mit. Natürlich nicht, wenn ich einen Zwischenstopp in den USA habe. Falls etwas passiert, möchte ich etwas Gold an meinem Wohnsitz haben.

Was könnte passieren?

Dass man zum Beispiel nicht mehr reisen kann, etwa, wenn Hacker den Flugverkehr lahmlegen. Vielleicht kommt es in einem Cyberwar auch zu einem Zusammenbruch der Kommunikationswege oder zu Stromausfällen. Weil die Weltwirtschaft heute derart verflochten ist, ist sie auch sehr verletzlich. Das muss jedem klar sein.

Gold ist vielen Anlegern und Ökonomen schon zu teuer. Wie sehen Sie das?

Ich weiß nicht, ob Gold morgen um 100 Dollar pro Unze fallen wird. Das ist schon möglich. Die Professoren Nouriel Roubini und Paul Krugman haben schon von einer Goldblase gesprochen, als der Goldpreis noch bei 600 Dollar pro Unze lag, also bei knapp einem Drittel des heutigen Preises. Eine Blase erkennt man immer daran, dass sich der Preis nach einer langen Anstiegsphase binnen zwölf Monaten noch einmal verdoppelt – mindestens. Das ist bei Gold noch nicht passiert. Gut, wahnsinnig billig ist Gold vielleicht nicht mehr, aber das sind die Alternativen auch nicht.

Woran machen Sie das fest?

In den Achtzigerjahren lag die Staatsverschuldung in den USA im Schnitt bei etwas weniger als 2000 Milliarden Dollar, die monetäre Basis etwa bei 450 Milliarden Dollar. Heute erreicht die Staatsverschuldung 14 000 Milliarden Dollar und die monetäre Basis 2800 Milliarden Dollar. Die Staatsverschuldung hat sich also versiebenfacht, die Geldbasis sich mehr als versechsfacht. Der Goldpreis ist wesentlich weniger stark gestiegen als die monetäre Basis und die Staatsschulden. Im Schnitt der Achtziger- und Neunzigerjahre lag Gold bei 380 Dollar, der Preis hat sich also erst gut vervierfacht. Noch eine Vergleichsgröße: Die weltweiten Währungsreserven sind von 1995 von weniger als 1000 Milliarden auf 10 000 Milliarden Dollar gestiegen. So gesehen müsste der Goldpreis eher bei 3500 Dollar stehen.

Dann wären 100 Prozent Plus beim Gold noch locker drin?

Es gibt Leute, die meinen gar, gemessen an der Relation von Geldbasis und Goldreserven der USA, sollte der Goldpreis bei über 10 000 Dollar stehen. Ich streite mich nicht darüber.

Es wird viel geredet über Gold, aber sehr verbreitet ist es bei Anlegern noch nicht.

Ja, das ist tatsächlich so. Ich war kürzlich auf einer Konferenz von Hedgefondsmanagern in Singapur, alles intelligente Leute, dürfte man annehmen. Ich habe die mal gefragt, wie viele von ihnen Gold besitzen. Da war nicht einer dabei. Auf einer anderen Konferenz habe ich das wieder gefragt. Da waren es auch nur drei Leute – von 500. Das hat mich trotzdem noch mehr erstaunt, denn es war auf einer Rohstoffkonferenz der Standard Bank, also bei Leuten, bei denen man eigentlich eine gewisse Nähe zu Gold vermuten könnte. Auch die Staatsfonds haben kein Gold, keine Unze. Die werden aber irgendwann Bedenken bekommen, bezüglich des Dollar und des Euro, der ja nicht wesentlich besser ist. Und dann kommen sie vielleicht auf die Idee, fünf Prozent ihres Vermögens in Gold zu investieren.

Was soll der Anleger machen?

Auf keinen Fall sein ganzes Vermögen in Gold packen und dafür vielleicht noch Geld aufnehmen. Dann hat er keine regelmäßigen Erträge aus seinen Anlagen, sondern wettet nur darauf, dass der Goldpreis steigt. Aber vielleicht steigt der ja mal ein Jahr nicht.

"China macht Geschäfte mit allen, das hat es von USA gelernt"
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12 Kommentare zu "Marc Faber im Interview: „US-Staatsanleihen sind finanzieller Selbstmord“"

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  • Kennt Ihr den Traum der Ackermänner und Bernakes dieser Welt? Nein? Dann macht euch hier ein Bild davon:
    http://twitpic.com/5z04yt

    "Reichtum ist nicht auf Leistung zurückzuführen, sondern auf das Versagen der Gesellschaft, die Ökonomie fair zu gestalten!"

    Gruß @irisiert

  • “…würde ich keine zehnjährige US-Staatsanleihe kaufen, die gerade mal 2,16 Prozent Rendite bringt – nominal. Das ist Irrsinn und finanzieller Selbstmord!”

    Damit hat Herr Faber Recht, auch wenn er es als “großer Investor” sicher anders gemeint hat: Jede langfristige Anleihe, die auf Dauer mehr als Null Prozent Rendite bringt, ist Selbstmord.

    Um das zu verstehen, müsste Herr Faber zuerst ein Bewusstsein entwickeln:

    http://www.deweles.de/files/bewusstsein.pdf

  • Sehr düstere Prognose, keine Frage. Und möglicherweise auch etwas oberflächlich. Aber im Kern hat der Mann schon recht. Und was man auch rauslesen kann: Die derzeitige Situation ist für besonnene Menschen echt unschön. Da spart man in der Zeit, um was zu haben in der Not. Und dann stellt man fest, dass man als Spekulant verschrien an allen möglichen Stellen abkassiert wird; sei es über Steuern, Inflation oder fallende Kurse.

    Also, in dem Sinne: Live now, pay never!

  • Der Herr hat Recht! Die USA haben noch nicht begriffen, dass das alte System nicht mehr funktioniert. Das amerikanische System ist auf Expansion gegründet, zuerst über den nordamerikanischen Kontinent, dann über die Welt. Mit dem Ende des kalten Kriegs entfiel diese Geschäftsgrundlage, seitdem sind die USA eine Firma ohne Businessplan und dabei, sich selbst zu kannibalisieren. Oder ist das US-Finanzgebaren und das Gezerre zwischen Reps und Dems etwas anderes?

    Dass aufstrebende Staaten, die auf den Weltmarkt drängen, Kriege auslösen ist eine erwiesene Tatsache. Beispiel ist Deutschland, das zu Ende des 19. Jhts auf den Weltmarkt musste, um seine stark zunehmende Bevölkerung zu ernähren. Wilhelm II war der Narr, der auf den Knopf drückte, aber dieser 1. Weltkrieg wäre auch ohne ihn ausgebrochen. China ist weise und lernt aus der Geschichte. Frage ist nur, ob das die USA auch tun.

  • Das Fass ist voll! Und sehr bald wird es ueberlaufen. Sobald noch mehr wertloses Geld in die Maerkte fliesst, wird der finale Countdown laufen. Unser System ist am Ende angelangt. Rette sich wer kann! Es wird sehr, sehr unschoen werden.

  • wir sind bereits mittendrin.

    @die überzeugten Eigenheimler:

    seid euch da mal nicht so sicher mit Eigenheimen. Steckt auch im Namen drin: "immobil". Im schlimmsten Fall ist es nichts Wert wenn an falschen Platz.

    Einfach Risiko streuen und nicht alles auf eine Karte setzen...

  • Absolute Räuberpistolen, was die USA betrifft. Selbstverständlichkeiten was Europa betrifft und 50-50 Einschätzungen zu Gold. Filmreifer Apocalyptiker. Eitel und peinlich zugleich.

  • hauseigentümer werden dann selbstverständlich mit einer 100 % igen zwangshypothek zu gunsten der allgemeinheit belegt.

    tuet buße brüder und schwestern !! das ende ist nahe !!

  • Hauseigentum ist ein reales Gut und sollte nicht mit Schatzbriefen, Lebensversicherungen oder Bausparverträgen in einen Hut geschmissen werden. Ansonsten stimme ich 100% zu.

  • Tatsächlich ist die Zunahme der Verschuldung nicht mehr aufzuhalten. Wir befinden uns bereits am Anfang der exponentiellen Phase. Das heißt; in immer kürzeren Abständen wird die Verschuldung immer massiver zunehmen. Der finale Kollaps ist unausweichlich.

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