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Marc Thiery Chef der DPE Deutschen Private Equity: Hohe Verschuldungsraten „unverantwortlich“

Marc Thiery spricht im Interview über zu hohe Verschuldungsraten und fallende Bewertungen in seiner Branche. Und warnt vor lauernden Gefahren.
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Der DPE-Gründer empfiehlt Unternehmen bei einer fehlenden Nachfolgeregelung Private-Equity-Geschäfte. Quelle: DPE
Marc Thiery

Der DPE-Gründer empfiehlt Unternehmen bei einer fehlenden Nachfolgeregelung Private-Equity-Geschäfte.

(Foto: DPE)

Frankfurt, MünchenAuf der Visitenkarte von Marc Thiery findet sich ein rotes Eichenblatt – als Symbol für die Beständigkeit seiner Gesellschaft. Der 51-jährige Manager ist geschäftsführender Gesellschafter und Mitgründer der DPE Deutsche Private Equity in München. Das Unternehmen gehört zu den aktivsten Beteiligungsgesellschaften für den Mittelstand im deutschsprachigen Raum. Mit dem letzten Fonds über 600 Millionen Euro wurden seit Sommer 2017 sieben Firmen übernommen. Der Umsatz aller Unternehmen addiert sich auf rund eine Milliarde Euro.

Herr Thiery, alle reden von einer Konjunkturabkühlung in Deutschland. Was würde ein echter Wirtschaftsabschwung für Ihre Branche bedeuten?
Die Bewertungen der Firmen werden sich von den erreichten Höchstständen nach unten bewegen. Das bedeutet einerseits günstigere Einstiegspreise für Private-Equity-Fonds, andererseits wird es wahrscheinlich zu Wertberichtigungen in den Portfoliounternehmen kommen, für die zu viel gezahlt worden ist.

Wo stehen wir bei den Bewertungen?
Alle Transaktionen, die in Auktionen abgeschlossen werden, kommen auf sogenannte Multiples von zehn bis 15. Das heißt, der operative Jahresgewinn (Ebitda) wird beispielsweise mit dem Faktor zehn multipliziert, das ergibt dann den Kaufpreis. Bei uns liegt das Multiple im Schnitt bei sieben und damit deutlich niedriger.

Was machen Sie anders?
Wenn es geht, meiden wir Auktionen. Rund 60 Prozent unserer Transaktionen stammen aus privaten, bilateralen Verhandlungen über eine Partnerschaft mit Eigentümern und Familienunternehmern. Das ist unsere Stärke. Aber dafür schauen wir uns pro Jahr auch 600 bis 700 mögliche Übernahmeziele an.

Aber ist der Mittelstand überhaupt offen für Private Equity? Schließlich verglich der frühere SPD-Chef Franz Müntefering die Branche einmal mit Heuschrecken, die über die Lande ziehen, Jobs vernichten und Firmen aussaugen.
Das ist lange vorbei, heute wissen die Unternehmer, dass sie zum Beispiel bei einer fehlenden Nachfolgereglung auf Private Equity zählen können. Heute haben die Industriekonzerne einen schlechteren Ruf, wegen der unglaublichen Dichte an bürokratischen Strukturen und der Absicherungsmentalität. Mittelständler fürchten da um ihre unternehmerische Freiheit, wenn sie gekauft werden.

Sie malen ein rosafarbenes Bild. Dabei finanzieren die Fonds ihre Deals doch wieder sehr aggressiv. Das kann im Konjunkturabschwung zu Pleiten führen.
Ja, das stimmt. Wir sehen heute wieder Fremdkapitalanteile von 50 Prozent und mehr bei den Transaktionen. Und wir sehen Verschuldungspakete, die das operative Ergebnis um das Sechs- bis Siebenfache übersteigen. Das ist fahrlässig, schadet unserer Branche – und letztlich den Unternehmen. In einem Konjunkturabschwung mit rückläufigen Ergebnissen wird daraus selbst in resilienteren Unternehmen schnell mal der Faktor zehn bis zwölf.

Das klingt nach alten Sünden aus den Zeiten vor der Finanzkrise.
Das ist absolut unverantwortlich. In dieser Phase wollen wir mit unseren Unternehmen doch Wettbewerber kaufen können. Deshalb liegt unsere Eigenkapitalquote im Schnitt zwischen 75 und 80 Prozent.

Welche Industriezweige werden in einem Abschwung interessant?
Wir konzentrieren uns auf Industriedienstleister, Firmen mit Energie- und Umweltschutzbezug, den Gesundheitsmarkt und Unternehmen nah am Handwerk. Im Auf- und im Abschwung.

Kritiker werden sagen, Private Equity geht jetzt sogar auf die Handwerksbetriebe los, weil sie sonst nichts mehr finden.
Nein, es gibt gute Gründe für Investments ins Handwerk. Da gibt es auch schon größere Unternehmen, die in fragmentierten Märkten weiter expandieren und eine effiziente Plattform werden wollen und die Geld und Expertise für Übernahmen brauchen. Das geben wir ihnen. Dazu zählen Elektriker, Heizungsfirmen, Flachdach-Experten und sogar Blitzableiter-Betriebe. Die Renditen mit Transaktionen im Handwerk sind gut, wir sind mehr als zufrieden.

Herr Thiery, vielen Dank für das Interview.

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