Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Marktanalyse Was die Börsen die Konjunktursorgen vergessen lässt

Der Dax wird seine Rally zwar nicht nahtlos fortsetzen, aber immerhin sind Einbrüche derzeit nicht wahrscheinlich. Besonders eine Entwicklung sorgt an den Märkten für gute Laune.
2 Kommentare
Die Rally schreitet voran – doch wann geht ihr die Luft aus? Quelle: Reuters
Aufwärtstrend im Dax

Die Rally schreitet voran – doch wann geht ihr die Luft aus?

(Foto: Reuters)

DüsseldorfBörsenkrise, Crashgefahr – war da was? Am Aktienmarkt ist das miserable Börsenjahr 2018 mittlerweile abgehakt. Seit Jahresanfang ist der Dax um knapp zehn Prozent gestiegen. An diesem Freitag hat der deutsche Leitindex wieder die Marke von 11.700 Punkten überwunden. Das entspricht einem Plus von rund 1.100 Punkten gegenüber Anfang Januar.

Geht der Kursanstieg in diesem Tempo bis zum Jahresende so weiter? Natürlich nicht. Aber genauso wenig dürfte der Dax wieder auf die Notierungen von Anfang 2019 zurückfallen. Vieles spricht dafür, dass die Frankfurter Benchmark lediglich eine Pause einlegen wird, um anschließend die Rally fortzusetzen.

Um das zu verstehen, hilft ein Blick zurück auf den Dezember 2018. Anleger sehnten sich nach einem verkorksten Börsenjahr in diesem Monat nach der obligatorischen Jahresendrally. Doch das Gegenteil trat ein: Der US-Index Dow Jones fiel in der Spitze um 15 Prozent, der Dax fiel Ende Dezember auf 10.279 Punkte und damit auf ein neues Mehrjahrestief.

Die Gründe dafür waren: Der schwelende Handelsstreit zwischen USA und China, die Brexit-Gefahr, die Angst weiter steigenden Zinsen in den USA und eine eventuelle Zinswende in Europa.
Drei Monate später hat sich die Lage verändert.

Zwar ist der Handelsstreit zwischen USA und China noch nicht gelöst. Und US-Präsident Donald Trump wird dafür sorgen, dass dieser Konflikt noch weiterbesteht. Auch der Brexit-Deal ist noch offen, eine Entscheidung „No Deal“ oder „Verlängerung der Verhandlungen“ zeichnet sich aber zumindest ab.

Ein Faktor hat sich aber entscheidend verändert: die Zinspolitik. Fed-Chef Jerome Powell will in diesem Jahr den Abbau der Bilanzsumme stoppen und hat signalisiert, vorsichtiger bei Zinserhöhungen zu sein. Und die EZB hat eine mögliche Zinswende auf das Jahr 2020 verschoben. Viele Experten rechnen damit, dass es in den kommenden Jahren keine normale Zinspolitik geben wird.

„Keine Angst vor Investments – die Stimmung an den Märkten hat sich stabilisiert“

Es bleibt also bei einer lockeren Zinspolitik. Die beflügelt die Aktienmärkte seit nunmehr gut zehn Jahren und hat den Dax auf das Rekordhoch von 13.597 Punkte getrieben. Daher ist es trotz schwächer Wirtschaftsdaten unwahrscheinlich, dass der Dax wieder auf um mehr als 1000 Punkte auf das Mehrjahrestief von 10.279 Punkten zurückfällt.

Ja, die die Prognosen zur deutschen Wirtschaft werden pessimistischer. Laut Ifo-Institut soll die Konjunktur 2018 nur noch um 0,6 Prozent. Allerdings interessant dabei: Für 2020 zeigen die Prognosen wieder nach oben zeigen, fast in Richtung zwei Prozent. Alle diejenigen, die den deutschen Aktienmarkt für viel zu teuer halten, sollten sich die Frage stellen: Teuer im Vergleich wozu?

Einsteigen oder nicht? Keine leichte Frage

Ein einfacher Vergleich mit dem Anleihenmarkt zeigt: Zehnjährige US-Staatsanleihen bringen derzeit 2,6 Prozent Rendite. Schon das ist angesichts eines Wirtschaftswachstums von zwei bis drei Prozent und rund 1,5 Prozent Inflation eigentlich zu wenig. Für zehnjährige Bundesanleihen gibt es mit 0,09 Prozent sogar praktisch: nichts. Bei 1,5 Prozent Inflation ist das ein realer Wertverlust.

Auf der anderen Seite weisen die Dax30-Werte eine Dividendenrendite von 3,6 Prozent auf. Und mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwas mehr als zwölf liegt die Bewertung im Mittelfeld.

Sollen Anleger jetzt einsteigen? Oder lieber abwarten, bis der Index tiefer steht? Das ist seriös nicht zu beantworten. Es sei denn, man wüsste, wann Donald Trump den Handelsstreit beendet. In solchen Fällen dienen andere Dinge als Orientierung.

Der Dax ist beim Fall unter die Marke von 11.800 Punkten offiziell in den Bärenmarkt gerutscht. Ein Sprung über diese Marke würden ihn offiziell beenden. Die 200-Tagelinie, die vor allem von konservativeren Investoren beachtet wird, liegt aktuell nahe 10.794 Zählern. Spätestens wenn diese derzeit noch fallende Kurve nach oben dreht, gilt das als langfristigeres Einstiegssignal.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Marktanalyse - Was die Börsen die Konjunktursorgen vergessen lässt

2 Kommentare zu "Marktanalyse: Was die Börsen die Konjunktursorgen vergessen lässt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @ Edelgard Kah

    Sie haben absolut Recht.
    Wobei anzunehmen ist, dass eine Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China durchaus auch auf Kosten der EU gehen könnte. So könnte China etwa zusagen, deutlich mehr Waren aus der USA zu importieren; - aber wenn das Waren sind, die vorher (auch) aus der EU gekommen sind oder speziell von unserem "Exportweltmeister", dann bekommen die USA eben mehr vom Kuchen ab. ;-) Und das dürfte die deutsche (Export-)Industrie dann eher weniger freuen.
    Das ist eben auch ein Grund, weshalb die US-Börsen besser performen als die deutschen / europäischen.
    Leider kommentiert hier das von mir sehr geschätzte "Investmentgenie" Baron v. Fink nicht mehr. Der hatte schon vor über einem Jahr sinnngemäß geschrieben, dass mit deutschen Aktien nicht mehr viel zu holen ist...

  • Sehr geehrter Herr Röder,

    als erfahrener Marktbeobachter kann Ihnen doch wohl nicht entgangen sein, dass der amerikanisch-chinesische Handelsstreit für die Börse das mit weitem Abstand wichtigste Thema ist und über Wohl und Wehe der gesamten Weltwirtschaft entscheidet.

    Und es kann Ihnen ebenfalls wohl nicht entgangen sein, dass von diesen Handelsgesprächen beinahe täglich Signale der Entspannung ausgehen und beide Gesprächspartner Fortschritte und Zuversicht für eine baldige Einigung melden. Außerdem sollten Sie vielleicht mit ins Kalkül ziehen, dass der amerikanische Präsident wiedergewählt werden will und von daher wohl kaum ein Interesse hat, die Weltwirtschaft in eine Rezession mit Tausenden von Firmenpeiten und Millionen von Arbeitslosen zu stürzen.