Martin Weber im Interview „So besonders ist diese Krise auch wieder nicht“

Sollten Anleger ihr Geld wegen der Euro-Krise in Sicherheit bringen? Nein, sagt Martin Weber von der Uni Mannheim. Der Professor und Anlageexperte plädiert für Gelassenheit. Einen guten Rat hat er trotzdem parat.
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Professor Martin Weber von der Uni Mannheim befasst sich mit Geldanlage und Börsenpsychologie. Quelle: Uni Mannheim

Professor Martin Weber von der Uni Mannheim befasst sich mit Geldanlage und Börsenpsychologie.

(Foto: Uni Mannheim)

Herr Weber, viele Sparer machen sich Sorgen wegen der Euro-Krise. Sollten sie ihr Geld in Sicherheit bringen?
Ich sehe keinen Grund, etwas an der Anlagestrategie zu ändern. Wenn man Geld übrig hat, dann sollte man – entsprechend seiner Risikoneigung – investieren. Ich warne allerdings davor, überstürzt zu handeln. Angst ist kein guter Ratgeber.

Also die Krise einfach ignorieren?
So besonders ist diese Krise auch wieder nicht. Das ist nicht die erste Krise, die wir erleben. Und es wird auch nicht die letzte sein.

So gelassen sehen das die Wenigsten. Die meisten Anleger wollen die Krise nicht einfach über sich ergehen lassen.
Die Menschen haben immer das Gefühl, sie müssten etwas tun. Gerade in Krisenzeiten ist es sehr schwer, einfach stillzuhalten und nichts zu tun. Das steckt tief in uns drin – wie bei einem Steinzeitmenschen, der plötzlich vor einem Bären steht. Die erste Reaktion ist: weglaufen. Dabei wäre es schlauer stehenzubleiben und keine hektischen Bewegungen zu machen. Auch bei der Geldanlage ist das oft die bessere Strategie.

Wie sieht denn Ihre Strategie aus?
Niemand kann genau sagen, wie sich die Märkte entwickeln werden. Wer ehrlich ist, wird das auch zugeben. Gerade deshalb wäre es unsinnig, alles auf eine Karte zu setzen. Die wichtigste Regel ist und bleibt: Das Vermögen breit streuen! Entscheidend ist eine gute Mischung aus Aktien, Rohstoffen und Renten.

Aktien sind nicht gerade das, was die Leute unter sicherer Geldanlage verstehen.
Aktien sind Risikopapiere. Die kurzfristigen Schwankungen muss man aushalten können. Auf lange Sicht sind Aktien unverzichtbar, um mehr Rendite zu erzielen. Wissenschaftliche Untersuchungen für den US-Aktienmarkt haben ergeben, dass Aktien in den vergangenen 180 Jahren eine Rendite von durchschnittlich sieben Prozent pro Jahr abwerfen.

Währungen sind unberechenbar
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15 Kommentare zu "Martin Weber im Interview: „So besonders ist diese Krise auch wieder nicht“"

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  • Sie sind zu systemhörig und ahistorisch in Ihren Anschauungen. Wenn sich Ihre Aktien dritteln oder vierteln und Ihre Euroanleihen Eurokrisenbedingt crashen, schützt auch Ihre Streuung nicht mehr. Und
    etwas gelernt haben schützt heutzutage auch nicht mehr unbedingt vor gesellschaftlichem und beruflichem Niedergang. Wir leben in einer Zeit wo -wie den Medien unschwer zu entnehmen ist- ehemalige Plantagenbesitzer und Geschäftsführer durch widrige Umstände Hartz IV beziehen müssen. So etwas geht schnell. Seien Sie sich nicht so sicher, dass Ihnen dergleichen hundertprozentig erspart bleibt. Bedenken Sie bitte auch, dass die Politik alle 50-70 Jahre die Tendenz hat eine existenzielle Megakrise zu produzieren. Die 1860/1870 Geborenen wuchsen auch zunächst mal fast 5 Jahrzehnte in einem vor Kraft strotzenden und wirtschaftlichen prosperierenden Deutschen Reich auf.
    Dass ihnen später Vertreibung und mehrere Währungsreformen drohen könnten, hat sich von denen keiner vorstellen können. Die Sowjetunion war über fast 8 Jahrzehnte ein Weltreich. 1990 zerfiel sie. Deshalb sind die langen Zeiten deutscher Prosperität von 1949 bis 2012 kein Garant dafür, dass uns demnächst nicht eine, Ihre Existenzgrundlagen zerstörende, Mega-katrastrophe heimsucht. Seien Sie nicht zu blauäugig!

  • Nach den Handelsblatteditierungen zu urteilen, müssen Ihre Beschreibungen des interviewten Hochschullehrers Weber etwas deftig gewesen sein. In der Sache haben sie aber tendenziell recht. Viele Hochschullehrer haben
    nicht genügend Mumm um sich eurokritisch zu artikulieren. Könnte ja der Karriere schaden. Außerdem befinden wir uns zweifelsohne in einer der existentiellen Krisen seit 1900. Auch da haben Sie recht. Auch stellt sich die Frage, warum der Hochschullehrer Weber einerseits so wenig von Fremdwährungen hält, andererseits aber den größten Teil seines Aktienportfolios in Schwellenländerunternehmen investiert hat. Schon ein gewisser Widerspruch. Es ist deshalb klar: Insbesondere in Europa steht uns ein massiver Verfall der Aktienwerte bevor. Webers Tendenz zur Schönrednerei der Zustände missfällt mir deshalb auch, und ich stimme ihnen in der Substanz Ihrer Argumentation zu.

  • Ausschlaggebender Faktor bei der Geldanlage, insbesondere in Aktien, ist die Beweglichkeit und Aufgewecktheit des Anlegers.
    Kaufen, hinlegen und warten gilt nicht mehr.
    Beispiele: 2009 und 2010 stiegen die Aktien praktisch weltweit um mehr als 40 % pro Jahr. Sehr erfreulich, aber nur für den, der 2007 ausstieg und vorübergehend völlig auf Anleihen setzte.
    Die asiatischen Aktienmärkte steigen unverändert, das sind inzwischen Volkswirtschaften, die mehr Vertrauen verdienen als alle PIFIGS und BRICs, da sie nur gering verschuldet sind und sich von der Exportabhängigkeit befreien.
    Und wer es wirklich gemütlich haben will, kauft physisches Gold. Ergebnis in 2012 bisher +6.9 % in Euro gerechnet, trotz aller Unkenrufe. Und solange die Krise weiter köchelt, ist da zumindest kein Einbruch zu erwarten.
    Staatsanleihen? Die Blase ist schon am platzen, weg damit.
    Gelassenheit? Ja, aber den Überblick behalten!

  • Ich sehe auch keinen Grund zur Panikmache.
    Wer was halbwegs brauchbares gelernt hat und seine Erspaarnisse halbwegs gestreut und felxibel angelegt weiß, der sollte selbst nach gewissen Verwerfungen seinen Lebensunterhalt bestreiten können. Jene die ihre Allgemeinbildung von Youtube-Verschwörungstheorien bekommen und ihr ganzen Vermögen in Form von Gold unter ihrem Bett horten werden es in fast allen Szenarien schwerer haben.

  • Der interviewte Hochschullehrer ist symptomatisch für die Gesundbeter und Krisenunterschätzer unter unseren sogenannten Wirtschaftwissenschaftsseliten. Diese Leute haben in den letzten Jahrzehnten noch jede Krise in ihrem Ausmass unterschätzt. Auch handelt es sich bei der Eurokrise nicht um eine normale Krise. Es droht unsere Währung kaputtzugehen. Da können sichere Währungen wie der Australische Dollar trotz gewisser Schwankungen sich schon lohnen. Außerdem ist die Ansicht, die Wertentwicklung von Aktien sei besser kalkulierbar als die von Fremdwährungsanleihen, ja nun wirklich mehr als gewagt. Die Volantilität von Aktien ist ungleich größer als die von hochwertigen Währungen. Hinzu kommt, dass in einer Megakrise wie der jetzigen auch fundamental unterbewertete Aktien sich schnell dritteln oder viertel, weil die Anleger alle Dividendenpapiere unabhängig von ihrer inneren Wertigkeit abstossen. Zu bedenken ist auch, dass die deutschen Aktienmärkte inmmer noch von ihren Höchständen aus dem Jahr 2000 weit entfernt sind, und auch die ausgezahlten Dividenden die Wertverluste nicht völlig ausgleichen konnten. So toll scheint es um die langfristige Wertentwicklung von Aktien also gar nicht bestellt. Mir erscheint deshalb ein gut gestreuter Schwellenländeranleihenzinsfonds allemal besser als Aktien.
    Viele Aktienbesitzer, die auf die Verharmlosungsbemühungen
    der Wirtschaftswissenschaftler hören, werden dafür noch bitter durch drastische Werteinrüche in ihrem Portfollio bezahlen müssen. Der interviewte Hochschullehrer
    ist meines Erachtens mit seinen Gesundbeteransichten eine einzige Enttäuschung.

  • 25% europäische Staatsanleihen - na dann viel Glück...

  • Alle Aktienindizes stehen weltweit nur wenig von ihrem All-Time-High entfernt. Die Weltwirtschaft wächst mit hoher Rate seit vielen Jahren. Die allermeisten Anleihen von Staaten und Unternehmen wurden und werden bedient. Selbst die Währungsschwankungen zwischen den wichtigsten Leitwährungen schwanken nur noch gering. Das sind Fakten. Dem Autor muss also Recht gegeben werden. Es handelt sich somit offensichtlich um eine Wahrnehmungsfrage - und das ganz große Panikgeschrei von Berufsneurotikern.

  • Ich gebe dem Herrn Professor Recht, nur bei den Renten bin ich anderer Meinung - die würde ich mir besser verkeifen wollen

  • Insbesondere Artikel 35 des ESM-Vertragswerkes greift direkt unsere Verfassung an.
    Entweder es ist gibt dafür einen Anlass - dann haben wir eine ausgiebige ökonomische Krise.
    Oder eben nicht - dann haben wir eine demokratische Krise.
    Vielleicht haben wir auch beides.
    Aber einfach hinzustehen und zu bagatellisieren ist schon bemerkenswert naiv.

  • "Wissenschaftliche Untersuchungen für den US-Aktienmarkt haben ergeben, dass Aktien in den vergangenen 180 Jahren eine Rendite von durchschnittlich sieben Prozent pro Jahr abwerfen."
    Na, die Studien möchte ich mal zu sehen bekommen! Das geht nicht mal,wenn man die Pleitefirmen wie Lehmann Brothers und viele andere rausrechnet. Von 1929 an hat es etwa 25 Jahre gedauert, bis bei US-Aktien wieder ein Preisniveau wie vor dem Schwarzen Freitag erreicht war. Weder vor noch nach dem großen Crash, war es schlau, in Aktien einzu-steigen. Aktiengesellschaften gründen macht reich oder vor dem Börsengang einsteigen (siehe Facebook). Martin Weber ist schlichtweg fester Bestandteil der [...]-maschinerie. Dieser [...] leugnet schlichtweg die größte Krise seit Ende des 2.Weltkriegs. Warum nimmt das Handelsblatt solche [...] ernst und bietet Ihnen ein Podium?
    +++Beitrag von der Redaktion editiert+++

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