Megadeal vs. Nachhaltigkeit? Bayer +592 Punkte, Monsanto -824 Punkte

Die Agrar-Großfusion bereitet sozial-ethischen Investoren Probleme. Während Bayer in der Branche oft als vorbildlich in Nachhaltigkeitsfragen bewertet wird, sieht das bei Monsanto anders aus. Ein Problem für die Aktien.
Das Logo des US-Saatgutherstellers ist auf einem Bildschirm der New Yorker Börse zu sehen: Die Aktie notiert derzeit deutlich unter dem, was Bayer bei der Übernahme bietet. Quelle: Reuters
Monsanto

Das Logo des US-Saatgutherstellers ist auf einem Bildschirm der New Yorker Börse zu sehen: Die Aktie notiert derzeit deutlich unter dem, was Bayer bei der Übernahme bietet.

(Foto: Reuters)

FrankfurtEs ist ein Megadeal, der vielen Investoren Kopfzerbrechen bereitet. Falls die Kartellwächter rund um den Globus die 66 Milliarden Euro schwere Übernahme von Monsanto durch Bayer genehmigen, entsteht zwar einerseits der weltweit größte Agrar- und Chemiekonzern – mit entsprechender Marktmacht und Ertragsaussicht.

Doch neben der Finanzierung der größten Akquisition, die ein deutsches Unternehmen jemals stemmen musste, beschäftigt nachhaltig orientierte Anleger vor allem ein weiterer entscheidender Aspekt: Lässt sich ein Engagement in Anteilsscheine des neu entstehenden Giganten unter sozial-ökologischen Gesichtspunkten überhaupt verantworten?

Und welche Folgen hätte es für den Aktienkurs und die Anteilseigner, falls Nachhaltigkeitsexperten den Daumen über Bayer-Monsanto senkten? Schließlich entscheidet das Kriterium Nachhaltigkeit bei immer mehr institutionellen Großinvestoren mit darüber, ob überhaupt Anlagekapital in die Dividendenpapiere eines Unternehmens fließen darf.

Die ersten Reaktionen von Umwelt- und Naturschutzverbänden auf die Bekanntgabe des angepeilten Zusammenschlusses geben einen Vorgeschmack darauf, gegen welche Vorwürfe sich der neue Riese künftig wird wehren müssen: „Sollten die Kartellbehörden die Fusion durchwinken, würde der neu entstehende Megakonzern eine marktbeherrschende Stellung im Bereich Saatgut, Gentechnik und Pestizide bekommen", sagte die BUND-Gentechnikexpertin Heike Moldenhauer.

Der neue dominante Marktführer könnte künftig diktieren, was Landwirte anbauen und welche Produkte auf dem Markt verfügbar seien, fürchtet die Fachfrau. Zudem würde die Umwelt durch noch mehr Monokulturen und Gentechpflanzen leiden. Auch Greenpeace bezeichnete es als „schlechten Nachricht für nachhaltige Landwirte, Verbraucher und die Umwelt" und sieht eine „bislang ungekannten Marktmacht“ für das geplante Unternehmen. „Die Lobbymacht des neuen Konzerns wird wachsen", warnt Greenpeace-Experte Dirk Zimmermann.

Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer weckt bei nachhaltig orientierten Investoren zwar schon bisher zwiespältige Gefühle. Die Aktie ist dennoch in einigen nachhaltigen Indizes und Fonds enthalten. Unter anderem im „Dow Jones Sustainability World Index“. Die Mitgliedschaft Bayers in diesem meistbeachteten Nachhaltigkeitsindex wurde erst vergangene Woche bestätigt.

Das Unternehmen ist zum siebzehnten Mal in Folge in diesem Nachhaltigkeitsbarometer seit dessen Gründung im Jahr 1999 vertreten. Der DJSI World umfasst rund dreihundert Konzerne, die hinsichtlich ihrer Leistungen als die besten ihrer jeweiligen Branche gelten. Sie sind demnach die vorbildlichsten zehn Prozent der 2 500 Mitglieder des Dow Jones World Index'. Analysiert werden drei Dimensionen: die ökonomische, die ökologische und die soziale.

Diese Manager sagten „Ja“ zu Monsanto
Werner Wenning (Vorsitzender)
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Wenn man so will, hat der gebürtige Leverkusener sein ganzes Leben in den Dienst des Chemie-und Pharmakonzerns gestellt. Der Industriekaufmann arbeitet seit 44 Jahren ohne Unterbrechung bei Bayer – in unterschiedlichen Sparten im In- und Ausland. Als der damalige Finanzvorstand 2002 das Amt als Vorstandsvorsitzender antrat, steckte Bayer im Skandal um das tödliche Medikament Lipobay. Dem Konzern drohte die Zerschlagung. Er meisterte diese Herausforderung. Im Jahr 2010 räumte Wenning seinen Schreibtisch und machte damit Platz für seinen Nachfolger Marijn Dekkers. Zwei Jahre später wurde er zum Vorsitzenden des Bayer-Aufsichtsrates ernannt. Auch ist er Vorsitzender des Kontrollgremiums von Eon und Mitglied bei den Dax-Konzernen Henkel und Siemens.

Oliver Zühlke
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Er ist seit 2015 Vizechef des Bayer-Aufsichtsrates. Der gelernte Chemikant ist Betriebsratschef, vertritt im Gremium daher die Arbeitnehmerseite. Was die geplante Bayer-Übernahme des US-amerikanischen Saatgutspezialisten betrifft, äußert er sich zuversichtlich. Er findet, dass Monsanto besser ist als sein Ruf. Der Bayer-Konzern habe den Mitarbeitern in einer mehrseitigen Erklärung umfangreiche Zusagen beim Kündigungsschutz und Standorten gemacht. „Es wird keinen Jobabbau geben“, sagte Zühlke der „Rheinischen Post“.

Paul Achleitner
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Paul Achleitner kennt sich mit der Tätigkeit in Aufsichtsräten aus: Er sitzt bei Daimler im Gremium und ist Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Bank. Dort lief es zuletzt nicht rund: Großaktionäre wollen einen Wechsel an der Aufsichtsratsspitze, sobald Achleitners Vertrag 2017 ausläuft. Der Vorwurf: Achleitner habe zu lange am Ex-Vorstandschef Anshu Jain festgehalten. Gründe für die Wut der Aktionäre gibt es viele: Ein dramatischer Kurssturz, ungeklärte Skandale, keine Dividende und eine Schlammschlacht im Aufsichtsrat. Achleitner selbst will eine zweite Amtszeit nach 2017, auf der Hauptversammlung sagte er: „Deshalb stehe ich heute hier und würde mich auch wieder hier hinstellen, wenn dieses Jahr eine Wiederwahl anstünde.“ Die Aktionäre quittierten die Ankündigung mit Schweigen.

Clemens Börsig
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Der promovierte Betriebswirtschaftler Börsig hat viel Erfahrung in Führungs- und Aufsichtsratsfunktionen: Von 1997 bis 1999 war er Finanzvorstand bei RWE, von 2006 bis 2012 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Bank. Als solcher hatte ihm die Staatsanwaltschaft im Deutsche-Bank-Prozess schweren Prozessbetrug vorgeworfen – genauso wie Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen, den Vorgängern Josef Ackermann und Rolf-E. Breuer sowie Ex-Vorstand Tessen von Heydebreck. Sie hätten in einem früheren Prozess gelogen, um Schadensersatzansprüche des Medienunternehmers Leo Kirch abzuwenden, so die Staatsanwaltschaft. Dafür fanden sich keine Beweise, das Verfahren endete mit einem Freispruch. Seit 2013 ist Börsig Vorsitzender des Vorstands der Deutsche Bank Stiftung. Mitglied des Aufsichtsrates ist er bei Bayer seit April 2007.

Simone Bagel-Trah
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Sie ist wohl die einflussreichste Frau im Dax: Simone Bagel-Trah ist die erste und bislang einzige Aufsichtsratsvorsitzende eines Dax-Konzerns. Als Mitglied der fünften Generation der Henkel-Familie leitet sie nicht nur das Kontrollgremium des Persil-Konzerns, sondern hat auch im Gesellschafterausschuss das Sagen. Seit 2014 ist Bagel-Trah Mitglied im Bayer-Aufsichtsrat. Für dieses Amt bringt die gebürtige Düsseldorferin Fachwissen mit. Denn: Bagel-Trah hat im Bereich Mikrobiologie und Pharmazie promoviert – und ist bis heute geschäftsführende Gesellschafterin des Biotech-Dienstleisters Antiinfectives Intelligence. Das schlechte Image des Saatgutspezialisten Monsanto ist der Naturwissenschaftlerin daher durchaus bekannt. Trotzdem hat sie der Milliarden-Übernahme durch Bayer zugestimmt.

Thomas Ebeling
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Thomas Ebeling sitzt seit April 2012 im Aufsichtsrat von Bayer. Mit der Pharmabranche kennt sich der gebürtige Hannoveraner aus: Von 2000 bis 2007 war er CEO des Pharmageschäfts von Novartis, anschließend für ein Jahr Chef der Sparte Consumer Health. 2009 wechselte er dann in die Medienbranche als Vorstandsvorsitzender von Pro Sieben Sat 1, der im März der Sprung in den Dax gelang.

Johanna W. (Hanneke) Faber
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Die gebürtige Niederländerin ist ein Neuzugang im Bayer-Aufsichtsrat. Sie gehört dem Gremium seit April an. Als Chief Commercial Officer ist sie beim niederländischen Handelskonzern Ahold für die Werbung zuständig und Mitglied der Geschäftsleitung.

Drei Nachhaltigkeitsfonds halten die Bayer-Aktie als eines der Top-Investments mit um die drei bis vier Prozent: Axa WF Framlington Eurozone RI, Goldman Sachs Global Responsible Equity Portfolio (GSAM Global Sustain Equity Portfolio) und Euro Capital Durable. Bei vielen strengen Nachhaltigkeitsfonds jedoch führen schon einfache Ausschlusskriterien zum Ausschluss von des Leverkusener Konzerns.

Dagegen ist Monsanto nur im ECPI Global Megatrend 100 Equity Index notiert - laut eigenen Angaben handelt es sich um einen Ethikindex. Im deutschsprachigen Raum ist der US-Konzern gemäß der Plattform nachhaltiges-investment.org nur in einem Nachhaltigkeitsfonds einer der Top-Werte: im DWS Invest Global Agribusiness, der sich als nachhaltiger Themenfonds positioniert. Bei den bedeutenden Nachhaltigkeits-Ratingagenturen gilt Monsanto sogar ausnahmslos als ein „No Go“.

Kritiker sehen perfides Geschäftsmodell
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