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Melinda Gates im Interview „Geld verleiht Macht“ – Die Gates-Stiftung hat große Pläne mit digitalem Geld

Die Chefin der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung spricht über digitales Geld, Frauenrechte in Afrika und ein schwieriges Gespräch mit ihrem Mann Bill.
2 Kommentare
Melinda Gates im Interview: „Geld verleiht Macht“ Quelle: Bloomberg
Melinda Gates

Die ehemalige Topmanagerin von Microsoft wirbt in Europa für ihre Finanzinnovation in Afrika.

(Foto: Bloomberg)

Das G7-Treffen der Finanzminister nutzt Melinda Gates, um zusammen mit der französischen Regierung für ein Programmpunkt zu werben: digitales Geld. Die Chefin der Bill & Melinda Gates-Stiftung glaubt, die Finanzinnovation könnte einen „gewaltigen Unterschied“ in der Entwicklung von ärmeren Ländern machen und vor allem Frauen stärken. „Es holt sie aus dem Teufelskreis der Armut heraus“, sagte Gates dem Handelsblatt.

Für das Finanzinnovations-Projekt in Afrika sollen 255 Millionen Dollar zusammenkommen, es würden Gespräche mit der deutschen Regierung laufen. „Ich bin zuversichtlich“, sagt Gates.

Derzeit ist Gates auf Europareise: Am Mittwoch bewarb sie ihr neues Buch „Wir sind viele, wir sind eins“ in London, am Donnerstag reist sie nach Frankreich zum G7-Treffen der Finanzminister. Dort stellt sie einen Report der Stiftung zur Finanzinnovation vor, mit der Frauenrechte in Entwicklungsländern gestärkt werden können – ein Herzensanliegen der Ehefrau von Bill Gates und ehemaligen Topmanagerin von Microsoft. Sie hofft, dass die G7 bei der Anschubfinanzierung für das Projekt helfen.

Lesen Sie hier das gesamte Interview:

Frau Gates, bezahlen Sie selbst mit dem Mobiltelefon?
Nein, das tue ich nicht. Aber für die Stiftung bin ich sehr viel durch die Welt gereist. Wieder und wieder habe ich dabei gesehen, welchen Unterschied digitale Finanzangebote machen. Vor allem für Frauen.

Das müssen Sie näher erklären.
Das erste Mal habe ich das 2009 in Kenia erlebt. Dort gibt es seit 2007 die digitale Währung M-Pesa von Vodafone. Die Menschen dort nutzen sie in Scharen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich nach Hause gekommen bin und zu meinem Ehemann Bill gesagt habe: Alles was du in deinem Buch „Der Weg nach vorn“ vorhergesagt hast, passiert in Kenia und Tansania. Damals ist die Stiftung in das Thema eingestiegen, weil wir sehen konnten, was es bewirken kann.

Welche konkrete Wirkung haben Finanzinnovationen in solchen Ländern?
Es gibt sehr viele Menschen ohne Bankkonto. Ich bin in entlegenen Orten gewesen, dort gibt es keine Bank. Die Menschen sammeln ihr Geld in einer Blechdose und vergraben sie. Sie verstecken es unter der Matratze oder in einem Geldgürtel. Es zur Bank zu bringen ist teuer. Sie müssen eine Busfahrt bezahlen, riskieren überfallen oder bestohlen zu werden. Selbst wenn sie es bis zur Bank unbeschadet schaffen, sind sie dort nicht willkommen …

… und die Gebühren entsprechend hoch.
Ja. Die Gebühren von digitalen Geldanbietern sind dagegen sehr niedrig. Wenn die Menschen Zugang zu einem 2G-Netz haben und ein altes Plastikhandy besitzen, dann können sie vielleicht einen oder zwei Dollar am Tag sparen. Das Geld holt sie aus dem Teufelskreis der Armut heraus. Wenn die Schulgebühren fällig werden, steht das Geld zur Verfügung. Was für uns in den USA oder Deutschland eine Selbstverständlichkeit ist, das Geld zum richtigen Zeitpunkt zum Ausgeben zu haben, das gibt es für diese Menschen nun auch.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Sagen wir, es gibt eine Malariaepidemie. Wenn das Kind zum Krankenhaus muss, kostet das viel Geld. Also muss ich als Betroffener eine Ziege oder Kuh verkaufen oder Familienschmuck. Mit diesen Dingen wird dort materieller Wert gespeichert. Aber in der Situation bekommen sie möglicherweise nicht viel für die Sachen. Geld sparen zu können, das macht einen gewaltigen Unterschied aus.

Wie groß ist das Problem denn?
Es gibt 1,6 Milliarden Menschen ohne Bankkonto. Wenn wir das ändern, können wir in diesen Ländern das Bruttoinlandsprodukt um 3,7 Billionen Dollar erhöhen. Es macht solch einen gewaltigen Unterschied, deswegen ist es auch Thema bei dem G7-Treffen der Finanzminister. Indien ist hier das Vorbild, dort gibt es ein digitales Finanzsystem. Afrika ist auf dem richtigen Weg, aber es muss mehr tun.

Sie glauben, dass Ihre Initiative sogar Einfluss auf die Flüchtlingsströme haben könnte.
Die Menschen gehen nicht freiwillig von zu Hause weg und riskieren ihr Leben auf dem Mittelmeer. Es geht um Leben und Tod, es ist eine tragische Situation. Wenn man mit ihnen spricht, sagen sie einem: Wenn ich zu Hause eine Zukunft aufbauen kann, in meiner eigenen Kultur und Familie, wenn es Jobs und Chancen gibt, und man Geld sparen kann – dann wollen sie da bleiben, wo sie sind. Mit vergleichsweise wenig Mitteln kann so viel erreicht werden. 255 Millionen Dollar, das ist für Europa oder die USA nicht viel Geld. Das Investment könnte wie gesagt Billionen Dollar an Wirtschaftsleistung in Entwicklungsländern ermöglichen. Das wird Europa viele Kosten sparen, beispielsweise sich um Flüchtlinge zu kümmern.

Die französische Regierung führt die Initiative an und hat bislang 25 Millionen Euro zugesagt.
Das stimmt. Frankreich leitet in diesem Jahr die G7, der französische Finanzminister Bruno Le Maire steht sehr hinter der Idee. Aber wir brauchen die Unterstützung von vielen europäischen Ländern. Präsident Emmanuel Macron und Le Maire reden bereits mit der deutschen Regierung, wie auch die Gates-Stiftung. Es sieht gut aus, aber wir haben noch keine konkrete Summe. Darüber werden wir auf dem Finanzministertreffen reden und Fortschritte auf dem G7-Treffen Ende August vorstellen können. Ich bin zuversichtlich.

Sie erwähnten, dass digitale Finanzinnovationen speziell Frauen helfen könnten.
Wenn Frauen ein digitales Bankkonto besitzen, arbeiten sie eher im privaten Sektor – also nicht mehr in der Landwirtschaft. Das wissen wir von einer Studie 2016 über die Digitalwährung M-Pesa in Kenia. Ich habe mich in entlegenen Dörfern mit Frauen unterhalten, und alle sagten: Mein Leben veränderte sich grundlegend mit dem Zugang zu digitalem Geld. In Indien hat mir eine Frau gesagt, dass die Schwiegermutter – die dort im Haus das Sagen hat – sie ganz anders behandelt. Wenn sie genug Geld hat, um einen kleinen Fruchtstand aufzumachen, sieht ihr Ehemann sie in einem anderen Licht. Sie alle sagen: Ich habe Macht. Geld verleiht Macht.

Gehen Frauen anders um mit Geld als Männer?
Es gibt viele Studien, die belegen: Frauen investieren anders als Männer. Er wird Geld eher für Konsumgüter und Luxus ausgeben – Zigaretten, Schuhe, etwas für sich. Eine Frau wird das Geld in die Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Kinder investieren. Sie ist das Zentrum der Familie. Das macht einen großen Unterschied. Sie denkt stärker an die Zukunft. Das gilt übrigens nicht für alle Männer.

Vielen Dank für die Einschränkung.
Nein, nein, es gibt viele großartige Männer, nicht zuletzt in meinem Haushalt. Aber oft wird mir von Männern gesagt, wenn ich Familien in Afrika besuche: Die Frau ist dafür verantwortlich, die Kinder zu ernähren. Dabei sind Kinder eine Investition in die Zukunft.

Ihr neues Buch „Wir sind viele, wir sind eins“ stellt das Thema Frauenrechte in den Mittelpunkt. Was für Reaktionen erhalten Sie?
Was mich überrascht, sind die älteren Männer. Sie sagen mir: Ja, ich habe Töchter, sie haben studiert, sie arbeiten, und ich sehe, mit was für Widerständen sie zu kämpfen haben. Das habe ich nicht erwartet. Es hat sich viel Ärger aufgestaut, aus gutem Grund. Aber mehr und mehr Männer sagen: Wie kann ich helfen? Es braucht auch die Hilfe von Männern.

Mit Ihrem Ehemann Bill Gates war das anfangs nicht so einfach, oder?
In dem Buch beschreibe ich, wie wir ein schwieriges Gespräch über den Jahresbrief der Stiftung führten. Am Ende hat Bill eingesehen, dass es nicht funktioniert, Dinge weiter so zu tun, wie sie immer schon getan wurden. Es war mehr als überfällig, dass auch ich in dem Jahresbrief zu Wort kam. Als er es von meinem Standpunkt aus sah, war er bereit, die Dinge zu ändern. Frauen müssen für ihre Rechte kämpfen, und es ist nicht einfach für Männer, Wandel zuzulassen.

Sie haben sich auch in anderen Dingen durchgesetzt: Bill fährt zwei Tage die Woche die Kinder zur Schule.
Absolut richtig. Was wir nicht vorhergesehen hatten, wie sehr es die anderen Eltern beeinflusste. Die Frauen sind nach Hause gekommen und haben gesagt: Wenn Bill Gates das kann, dann auch du. Plötzlich brachten viel mehr Väter ihre Kinder zur Schule.

Frau Gates vielen Dank für das Interview.

Mehr: Die Mitgründerin der Gates Foundation hielt sich über Jahre im Hintergrund. Im neuen Buch „Wir sind viele, wir sind eins“ erzählt Melinda Gates nun, wie sie ihre Haltung änderte.

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2 Kommentare zu "Melinda Gates im Interview: „Geld verleiht Macht“ – Die Gates-Stiftung hat große Pläne mit digitalem Geld"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ja, ja - die Gates Stiftung. Spendet in Afrika für die Verringerung der Kindersterblichkeit, ohne den Menschen gleichzeitig klar zu machen, dass 5-6 Kinder (Kindersterblichlichkeit mittlerweile um 80% reduziert!) zu Überbevölkerung, unzureichende Versorgung mit Nahrungsmitteln und, und, und führen.
    Im Übrigen ist M-Pesa keine Digitalwährung, sondern nur ein Onlinekonto für Kenia-Schillinge, d.h. eine Analogwährung. Weiterhin wurde bei diesem Sachverhalt nicht hinterfragt, dass die Gebühren für eine M-Pesa Transaktion im Worst-Case 60% betragen und im MIttel ca. 20%.
    Passt ergänzend zum 1. Kommentar. Es wäre ja schön, wenn in einem Interview mal nachgefragt werden würde und nicht nur PR abgedruckt wird.

  • "Geld verleiht Macht"

    JA, wenigstens in diesem Punkt sagt die "nette" Frau Gates die Wahrheit.
    Ansonsten lügt sie wie gedruckt. Die Gates-Stiftung verfolgt hier nämlich alles andere als hehre Ziele und erweist sich tatsächlich als das genaue Gegenteil eines Wohltäters. Ich lege Thomas Jahn das Buch seines Handelsblatt-Kollegen Norbert Häring ans Herz (springt der denn bei einem solchen Interview mit Frau Gates nicht im Dreieck??): "Schönes neues Geld"
    Was ist nämlich das TATSÄCHLICHE Ziel u.a. der Gates-Stiftung? Es nennt sich "FINANZIELLE INKLUSION".
    Unter diesem wunderschönen Begriff verbirgt sich nichts anderes als das Bestreben, eine BARGELDLOSE GESELLSCHAFT ZWECKS TOTALER KONTROLLE zu errichten!!
    Eine "schöne neue Welt" durch "schönes neues Geld" also. Und als "Testkaninchen" dienen hier insbeondere arme Entwicklungsländer respektive solche mit korrupten Regierungen:
    „Sie werden mit Geld von Gates, Weltbank und Co. und mit technischer Hilfe von Unternehmen wie Mastercard, Visa und Vodafone dabei unterstützt, den Zahlungsverkehr zu digitalisieren und das Bargeld zurückzudrängen (… ) Die teilnehmenden Notenbanken müssen als Gegenleistung Selbstverpflichtungen abgeben und sich in Sachen Regulierung und Marktöffnung nach den Vorgaben von Gates und Washington richten.“ (Norbert Häring: Schönes neues Geld, Campus Verlag, 2018, S. 54)
    Die Gates-Stifung ist tatsächlich also nichts anderes als eine jener "Schattenmächte", die die Bargeldabschaffung anstreben - und die Gates´ selber gehören zu den PLUTOKRATEN.
    Diese Leute arbeiten GEGEN eine freiheitliche Gesellschaft. Das Handelsblatt sollte für diese Sorte "Wohltäter" nicht auch noch Werbung machen!


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