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Merrill-Lynch-Umfrage Warum Anlageprofis jetzt so skeptisch sind

Internationale Investoren sind einer aktuellen Umfrage zufolge so pessimistisch wie zuletzt während der Finanzkrise. Dafür gibt es mehrere Gründe.
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Die pessimistischeren Einschätzungen haben bedeutende Folgen für die Anlagestrategie der Investoren. Quelle: AFP
Händler an der Börse in New York

Die pessimistischeren Einschätzungen haben bedeutende Folgen für die Anlagestrategie der Investoren.

(Foto: AFP)

FrankfurtDie schlechten Nachrichten der vergangenen vier Wochen waren offensichtlich zu viel für internationale Investoren. Ihre Stimmung ist gekippt. „Die Investoren sind so pessimistisch wie zuletzt während der Finanzkrise“, sagt Michael Hartnett, Chefanlagestratege der Bank of America Merrill Lynch (BofAML). Die US-Bank hat in der vergangenen Woche 179 professionelle Portfoliomanager befragt, die zusammen knapp 530 Milliarden Dollar verwalten – und sich äußerst skeptisch zeigen.

Martin Lück, einer der leitenden Kapitalmarktstrategen beim Fondsgiganten Blackrock, drückt seine Besorgnis so aus: „Es gibt viele Brandherde, die in den nächsten Wochen und Monaten eskalieren könnten – mit teils desaströsen Auswirkungen für die Märkte.“ Auch die beiden Chef-Aktienstrategen der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS, Thomas Schüßler und Andre Köttner, warnen. Sie sehen ein großes Risiko, dass der US-Leitindex S&P 500 gegenüber seinem Höchststand um mehr als zehn Prozent verlieren wird.

Als größtes Risiko, sozusagen als Brandherd Nummer eins, empfinden 56 Prozent der von der BofAML befragten Investoren den von US-Präsident Donald Trump angezettelten Handelsstreit, der sich immer mehr zuspitzt. Vor einem Monat hatten „nur“ 37 Prozent den Handelsstreit als größtes Risiko gesehen. Seither hat sich der Konflikt mit dem US-Bann für den chinesischen Elektronikriesen Huawei zum Technologiestreit ausgeweitet.

Zudem ist auch Mexiko erneut ins Visier der USA geraten. Die angedrohten Zölle gegen das Nachbarland hat Trump zwar zuletzt fallen lassen, aber Schüßler und Köttner beruhigt das nicht. „Zölle entwickeln sich zunehmend zu einer Allzweckwaffe, die auch für andere politische Ziele der Regierung Trump eingesetzt werden“, meinen die Chef-Aktienstrategen der DWS. In der Tat hat Trump die angedrohten Strafzölle gegen Mexiko zurückgenommen, nachdem das US-Nachbarland einer Reihe von Maßnahmen zur Reduzierung der illegalen Einwanderung aus Mexiko in die USA zustimmte.

Doch das ist es nicht allein. Auch beim Brexit stehen die Zeichen laut dem Blackrock-Strategen Lück mit dem Hardliner Boris Johnson als möglichem britischem Premier „auf Eskalation“. Hinzu kommt, dass der Streit zwischen Italien und der EU über die Schulden des italienischen Haushalts wieder aufgeflammt ist. In den Blickpunkt gerückt ist außerdem der Konflikt zwischen den USA und dem Iran – und in der Türkei spitzt sich der Streit zwischen Präsident Recep Tayyip Erdogan und den Oppositionsparteien zu.

Abschwung befürchtet

Das alles lässt bei Investoren die Ängste vor den wirtschaftlichen Folgen der Konflikte hochkochen. Unter dem Strich erwartet die Hälfte der von der BofAML befragten Portfoliomanager, dass sich das weltweite Wirtschaftswachstum in den kommenden zwölf Monaten deutlich abschwächen wird.

In der Mai-Umfrage hatten das netto nur fünf Prozent befürchtet. Netto bedeutet, dass es fünf Prozent mehr Investoren gab, die einen Wirtschaftsabschwung befürchteten, als solche, die das nicht taten. Einen so deutlichen Rückgang der Erwartungen gab es laut BofAML-Mann Hartnett noch nie.

Die pessimistischeren Einschätzungen haben bedeutende Folgen für die Anlagestrategie der Investoren. Netto sind laut BofAML 21 Prozent in ihren Portfolios in Aktien untergewichtet, halten also weniger Aktien, als es ihre Vergleichsindizes vorgeben. So niedrig war die Aktienquote zuletzt im März 2009 und damit inmitten der Finanzkrise.

Die Weltwirtschaft schlitterte danach in die größte Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg. Allerdings: Die Aktienmärkte starteten im März 2009 schon wieder durch und setzten – zumindest in den USA – zu einem kaum unterbrochenen Höhenflug an.

Dass sich dies wiederholt, ist unwahrscheinlich. Anders als derzeit hatten die Notenbanken in der Finanzkrise ein großes Instrumentarium zur Verfügung. Die jahrelange geldpolitische Lockerung, bei der die Notenbanken die Märkte mit Geld fluteten, hat das Arsenal der Zentralbanken indes schrumpfen lassen.

Für die USA, wo die Notenbank (Fed) die Leitzinsen in den vergangenen dreieinhalb Jahren von null auf ein Band zwischen 2,25 und 2,5 Prozent erhöht hat, ist das zwar nicht ganz so der Fall. Die Kehrtwende der Fed in diesem Jahr, bei der Notenbankchef Jerome Powell mehrfach eine mögliche Zinssenkung andeutete, gilt als ein Grund dafür, dass sich die Aktienmärkte vom Einbruch des vierten Quartals 2018 wieder recht deutlich erholt haben. Und am Dienstag gaben Andeutungen von Mario Draghi, dem Chef der Europäischen Zentralbank, in Richtung einer lockereren Geldpolitik den Börsen Auftrieb.

Machtlose Notenbanken?

Dennoch: Die Investoren trauen den Notenbanken nicht mehr viel zu. Elf Prozent der Investoren sehen eine „Machtlosigkeit“ der Notenbanken als größtmögliches unerwartetes Risiko für die Märkte. Sie fürchten, dass die Zentralbanken nicht mehr genug ausrichten können, um die Märkte zu stabilisieren.

Mehr: Die US-Notenbank Fed entscheidet am Mittwoch über die Zinspolitik. Zudem gibt es derzeit ein Treffen von EZB-Vertretern im portugiesischen Sintra. Lesen Sie hier, was diese beiden Ereignissen für Investoren bedeuten könnten.

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