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Ken Fisher

Der Aktienexperte erkennt die Missstände in der Türkei, geht aber von geringen Auswirkungen für den globalen Markt aus.

(Foto: Reuters)

Milliardär Ken Fisher im Interview „Der S&P 500 steigt noch um 35 Prozent“ – US-Vermögensverwalter sieht noch großes Kurspotenzial

Milliardär Ken Fisher spricht im Interview über die Krise in der Türkei, deren Auswirkungen auf den globalen Markt und die Gefahr eines Crashs.
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FrankfurtKlare Kante scheut Ken Fisher nicht. Jetlag sei eine Legende, betont der US-Investor und Milliardär zur Begrüßung. Wer 40 Prozent des Fluges schlafe, würde davon gar nichts merken. Auch sonst hält der Gründer von Fisher Investments, dessen Vater übrigens mit seinen Büchern Warren Buffett beeinflusste, nicht mit seinen Ansichten hinter dem Berg,

Mit dem Handelsblatt sprach der 67-Jährige darüber, warum die Party an den Märkten noch nicht vorbei ist, worauf Anleger nun achten sollten und über seine Leidenschaft für Mammutbäume.

Herr Fisher, die Turbulenzen in der Türkei halten die Märkte in Atem. Wann waren Sie das letzte Mal am Bosporus?
Ich war noch nie in der Türkei, und ich teile Ihre Meinung nicht. Sicher, in der Türkei gibt es eine Krise, die sich vor allem im Verfall der Lira widerspiegelt. Vielen Menschen dort geht es schlecht. Das Land wandelt sich in eine Diktatur, die Geldpolitik ist so lächerlich wie mancher Tweet von Donald Trump – ich kann offen gestanden nichts Gutes über die Türkei sagen. Aber: Für die weltweiten Aktienmärkte spielt die Türkei keine große Rolle und ist keine Gefahr für den Bullenmarkt. Das Land ist nicht so stark verschuldet, dass es die Konjunktur in Europa oder sonst irgendwo in der Welt ernsthaft gefährdet.

Aber fürchten Sie gar keine Ansteckungsgefahr für andere Schwellenländer?
Nein. Mein Fokus ist der Aktienmarkt, und wenn ich mir die Schwellenländer-Aktien ansehe, erkenne ich keine Ansteckung. Schwellenländer-Aktien sind zwar in diesem Jahr aus verschiedenen Gründen schon deutlich gefallen, aber: In den vergangenen Tagen, als sich die Lage in der Türkei mit dem Niedergang der Lira zugespitzt hat, haben sich die Börsen in vielen anderen Schwellenländern gut geschlagen und insgesamt sogar schön zugelegt.

Die Investoren sind jedoch nervös. Schließlich bewegen die Märkte auch andere Risiken wie der Handelskrieg und der Brexit. Alles keine Gefahr?
Nun gut, über all diese Risiken wird viel gesprochen. Aber sie sind an den Märkten längst weitgehend eingepreist, von daher droht aus meiner Sicht keine Gefahr. Umgekehrt gilt: Wenn sich die Dinge besser entwickeln, als viele Investoren denken, dann haben wir durchaus noch das Potenzial für deutlich steigende Kurse. Der berühmte Fondsmanager John Templeton hat einmal gesagt: Bullenmärkte beginnen im Pessimismus, wachsen in Skepsis, steigern sich in Optimismus und sterben in Euphorie. Doch Euphorie kann ich derzeit nicht entdecken.

Doch was ist, wenn sich die Lage durch einen eskalierenden Handelsstreit verschlimmert?
Ach, dieses Thema wird überschätzt. Wir reden aktuell von Strafzöllen von zehn bis 25 Prozent auf Waren mit einem Wert von über 640 Milliarden Dollar. Das klingt nach einer großen Zahl, aber Sie müssen sie einordnen. Die Zölle würden gerade mal 0,04 Prozent des jährlichen Wachstums des weltweiten Bruttoinlandsprodukts ausmachen. Nehmen Sie mal die amerikanischen Heroin-Importe. Sie werden auf 50 Milliarden Dollar geschätzt. Solche Schwarzmärkte gibt es überall. Sie überwinden jede Grenze. Auch alle Rohstoffe werden trotz aller Zölle stets weltweit gehandelt, und viele Leute verdienen gut daran. Alle Zölle zusammen machen da nur ein Bruchteil aus.

Der Handelsstreit könnte die Struktur des freien Handels mit seinen Lieferketten gefährden.
Das ist Unsinn. Natürlich werden einige Branchen – zum Beispiel die Automobilindustrie und ihre Zulieferer in Deutschland – härter getroffen. Aber insgesamt wird das die Wirtschaft kaum belasten. Die Firmen werden immer einen Weg finden, die Zollhürden zu überwinden.

Aber mehreren sich nicht die Zeichen für ein Ende des Aufschwungs?
Viele Leute machen mit Blick auf die Risiken an den Märkten aus einer Mücke einen Elefanten. Das gilt auch für Italien. Italien ist hochverschuldet, hat aber anders, als landläufig angenommen, kein akutes Schuldenproblem. Das Land hat die durchschnittliche Laufzeit seiner Anleihen stark verlängert und so von den niedrigen Zinsen profitiert. Von daher trifft ein Anstieg der Zinsen Italien weniger stark, als viele Leute denken. Das sieht man auch an den Märkten. Italien refinanziert sich auf ähnlichem Niveau wie die USA. Eine Krise kann ich nicht erkennen.

Und was ist mit dem Brexit?
Das könnte schwierig werden, wenn es zu einem harten Brexit kommt. Ich glaube daran, dass es eine Verhandlungslösung geben wird, aber da könnte ich falsch liegen. Dennoch wird das die Märkte nicht aus dem Tritt bringen.

Wie hoch können die Kurse noch steigen?
Sie mögen verwundert sein, aber ich bin überzeugt, dass unter dem Strich die Kurse noch zwei bis drei Jahre weiter steigen werden. Beim S&P 500 sehe ich ein Kurspotenzial von 35 Prozent. Allerdings befinden wir uns in der letzten Phase des Bullenmarkts.

Was heißt das für Anleger?
Dass die Märkte jetzt enger werden, also der Kursanstieg nur noch von wenigen Branchen und auch dort nur von immer weniger Aktien getragen wird. In der aktuellen Phase sind das vor allem die Technologie- und die großen Pharmawerte. Beide gibt es vorwiegend in den USA. Deshalb sehe ich für den US-Aktienmarkt auch das größte Potenzial.

Zuletzt stürzten Aktien wie Twitter und Facebook aber 20 Prozent ab. Ist das kein Warnzeichen?
Nein, das sind Einzelfälle. Aktien sind volatil, es gibt Kursschwankungen. Der Nasdaq 100 hat dennoch neue Rekordhöhen erreicht. Und es wird weitere geben. Aber natürlich ist die Lage für viele Investoren frustrierend. Wir haben immer noch einen Bullenmarkt, aber viele Investoren partizipieren daran nicht, weil sie auf die falschen Werte setzen.

Wie findet man denn die richtigen Werte?
Investieren ist ein bisschen wie Angeln. Beides ist Handwerk und keine Wissenschaft. Sie müssen das Wasser lesen können. Sie müssen wissen, wo die meisten Fische sind, und Sie brauchen den richtigen Köder sowie den richtigen Haken.

Manchmal ist der Fluss aber leergefischt. 2000 haben Sie das Platzen der Internetblase richtig vorhergesagt, 2007 lagen Sie falsch. Was macht Sie sicher, dass Sie jetzt richtig liegen?
Ich weiß, dass viele andere große Häuser skeptischer sind als ich. Und ich sage ja auch nicht, dass es keinen Absturz an den Märkten und keine Rezession geben wird. Aber eben noch nicht jetzt, sondern frühestens in zwei oder drei Jahren – zumindest, solange die Politik nicht etwas ganz Dummes macht.

Anleger sollten dem Markt also noch nicht den Rücken kehren?
Nein, aber es wird schwieriger. Am Anfang eines Bullenmarktes steigen die Aktien stark in der Breite, in der Mitte des Bullenmarktes ist der Anstieg immer noch breit, aber nicht mehr so deutlich. Und jetzt kommt es noch stärker auf die Auswahl der richtigen Branchen und Einzelaktien an. Langfristig allerdings sind Aktien in der Regel die bessere Wahl, und das unterschätzen viele Investoren.

Das kommt aber auch sehr auf den Anlagehorizont an.
Das stimmt, aber viele Investoren – gerade auch Privatanleger – haben einen viel längeren Anlagehorizont, als Sie denken. Die Medizin entwickelt sich immer weiter, und die Lebenserwartung steigt. Auch 55-Jährige sollten noch für 30 Jahre planen. Und langfristig gilt: Der Kapitalismus funktioniert, und Aktienmärkte sind der Spiegel des Kapitalismus. Märkte sind volatil, wir haben Rezessionen, wir haben alle möglichen Probleme. Aber langfristig entwickelt sich der Kapitalismus so, dass sich Erfindungen durchsetzen, die den Menschen helfen und für Wirtschaftswachstum sorgen. Deshalb sollten Anleger viel mehr in Aktien investieren.

Sie finanzieren eine Stiftungsprofessur für Mammutbäume, die sehr alt werden können. Gibt es eine Verbindung mit der Vermögensverwaltung?
Ehrlich gesagt: nein. Es gibt Leute, die lieben Baseball, andere interessieren sich für Vögel und Schmetterlinge. Mir haben es halt die großen Mammutbäume angetan.

Herr Fisher, vielen Dank für das Interview.

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1 Kommentar zu "Milliardär Ken Fisher im Interview: „Der S&P 500 steigt noch um 35 Prozent“ – US-Vermögensverwalter sieht noch großes Kurspotenzial"

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  • Sehr geehrte Redakteure,

    Ihr Interview mit Ken Fisher ist herzerfrischend. Unabhängig davon, ob er nun bei jedem einzelnen Thema den Nagel genau auf den Kopf trifft. Aber er benutzt seinen Denkapparat. Das unterscheidet ihn von den 1001 Dampfplauderern, die eine hirnrissige These gebetsmühlenartig bis zum erbrechen wiederholen.

    Nehmen Sie als Beispiel das Eröffnungsthema Türkei. Sie ist nach Ken Fishers Auffassung zu klein, um die weltweiten Aktienmärkte zu beeinflussen. Und zu wenig verschuldet, um die europäische Konkunktur in Mitleidenschaft zu ziehen. Das sind einfache und der Allgemeinheit zugängliche Fakten. Aber unsere Dampfplauderer wollen nichts von ihnen wissen. Ihr Anliegen ist es, große Gefahren zu melden um auf diese Weise mittlerweile wieder einmal im Mittelpunkt zu stehen.