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Münze Österreich Europas größte Münzstätte erwartet maues Jahr im Goldhandel

Die Tochter der Oesterreichischen Nationalbank will zugleich in Asien expandieren und bei Goldmünzen die Nummer zwei hinter den USA werden.
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Eine der beliebtesten Goldmünzen der Welt. Foto: Münze Österreich AG/obs Quelle: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH
Wiener Philharmoniker

Eine der beliebtesten Goldmünzen der Welt. Foto: Münze Österreich AG/obs

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)

Wien Die Goldmünze „Wiener Philharmoniker“ gilt als eine der beliebtesten Anlagemünzen der Welt. Trotzdem rechnet ihre Prägeanstalt, die Münze Österreich AG, mit einem herben Einbruch bei Erlösen und Erträgen. „Wir erwarten für dieses Jahr einen Umsatz von 600 Millionen Euro und einen Gewinn von 25 bis 30 Millionen Euro“, kündigt Gerhard Starsich, Generaldirektor der Münze Österreich, gegenüber dem Handelsblatt an.

2018 lag der Umsatz noch bei 964 Millionen Euro, der Jahresüberschuss bei 57 Millionen Euro und die Ausschüttung an den Eigentümer, die Oesterreichische Nationalbank, bei knapp 55 Millionen Euro.

Auslöser für die schwachen Zahlen sind aus Sicht von Starsich, dass der Boom mit Goldmünzen und Goldbarren erst einmal vorüber ist. Der gestiegene Goldpreis schrecke manche Privatanleger ab, Münzen und Barren zu kaufen. „Das Goldgeschäft unterliegt weltweit regelmäßigen Zyklen. Nach zehn Boomjahren erwarte ich nun drei bis vier ruhigere Jahre“, sagt Starsich.

„In diesem Sommer erlebten wir bei Gold einen starken Sekundärmarkt. Viele unserer Kunden haben die höheren Goldpreise genutzt, um Gewinne zu realisieren. Dieses florierende Sekundärmarktgeschäft freut zwar den Handel, aber nicht die Prägestätten.“ Dieses Jahr laufe es nach einem Jahrzehnt steigender Umsätze und Renditen im Goldbereich ruhiger. Seit 2008 habe ein Rekordergebnis das andere gejagt.

Auf die nun anbrechenden mageren Zeiten reagiert das Management bereits. Die sinkenden Umsätze will die Wiener Prägeanstalt teilweise über Kostensenkungen kompensieren. Sowohl am Personal als auch an den Betriebskosten wird gespart. Derzeit beschäftigt die Münze Österreich 201 Mitarbeiter.

Goldhandel hat sich seit Lehman verdoppelt

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank beflügelt seit Jahren den Goldmarkt. Der frühere Nachteil von Gold, keine Zinsen zu liefern, spielt heute in Zeiten von Negativzinsen keine Rolle mehr. Nach Angaben von Marktteilnehmern befindet sich der Goldhandel auf dem doppelten Niveau verglichen mit der Zeit vor der Lehman-Krise im Jahr 2008.

In den vergangenen zwölf Monaten ist eine Feinunze Gold um mehr als ein Viertel teurer geworden. Derzeit pendelt der Preis für den beliebten Mini-Barren knapp unter 1500 US-Dollar.

Der Preisrückgang Mitte Oktober ging nach Meinung der Commerzbank auf spekulative Verkäufe zurück. Die Analysten der Bank gehen von einer „anhaltend robusten Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen“ nicht zuletzt auf Grund von Gold-Indexfonds (ETFs) aus.

„Preisrückgänge werden von den ETF-Anlegern offensichtlich weiterhin als Kaufgelegenheit erachtet“, prognostiziert Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. Seinen höchsten Preis erreichte das Edelmetall im September 2011 mit über 1800 Dollar pro Unze.

Nicht nur risikoscheue Investoren legen sich weiter Gold ins Depot, sondern auch die Notenbanken horten. Um Reserven zu bilden, schafften sie 2019 bereits mehr als 450 Tonnen in ihre Tresore. Das entspricht über zehn Prozent der Welt-Jahresproduktion.

Die Münze Österreich hat sich in diesem Marktumfeld ehrgeizige Ziel gesetzt. „Unser Ziel ist es, global dauerhaft auf Platz zwei zu sein“, kündigt CEO Starsich an.

Derzeit sind die Österreicher als Hersteller von Goldmünzen weltweit hinter USA, Australien, Kanada und Südafrika nur die Nummer fünf unter den größten Prägestätten der Welt. Um das Ziel der Nummer zwei hinter den Vereinigten Staaten zu erreichen, wollen die Österreicher nun den Markt in Asien verstärkt ins Visier nehmen.

„Noch kaufen die Asiaten vor allem Barren. Doch wir werden den Markt in Fernost stärker mit unseren Münzen bearbeiten.“ Derzeit ist Japan mit zehn Prozent der Exporte der zweitgrößte Auslandsmarkt der Österreicher.

Experimente mit neuen Produkten jenseits von Münzen und Barren wollen die Wiener Edelmetallproduzenten aber nicht machen. „Wir werden keine modischen oder gar kitschigen Produkte auf den Markt bringen. Für uns steht die Nachhaltigkeit im Mittelpunkt“, betont Starsich. Sein Haus verstehe sich im Edelmetallbereich als Vollanbieter.

Rund 30 Prozent der Exporte gehen nach Deutschland

Hoffnungen setzt die Münze Österreich auch auf den deutschen Markt. „Wir versuchen unsere Position am deutschen Markt zu verbessern“, kündigt Starsich an. Dafür soll die Zusammenarbeit mit Banken und großen Edelmetallhändlern ausgebaut werden

Deutschland ist der größte Auslandsmarkt der traditionsreichen Münzstätte. Nach Unternehmensangaben gehen derzeit rund 30 Prozent der Exporte in die Bundesrepublik.

Besonders in Deutschland ist das Edelmetall als Barren oder Münze beliebt. In keinem anderen Land in Europa wird nach Angaben des World Gold Council zufolge mehr Gold gekauft.

Traditionell ist auch Osteuropa für die Münze Österreich ein wichtiger Markt. Die Münze Österreich besitzt seit Jahren in den östlichen Nachbarländern wie Tschechien, Slowakei und Ungarn hohe Marktanteile.

In der Wiener Verkaufsstelle im Herzen der Donaumetropole geben sich die Osteuropäer quasi die Klinke in die Hand. Dort können Edelmetalle bis 10.000 Euro ohne Ausweis gekauft werden. 80 Prozent der Kunden zahlen nach Unternehmensangaben in bar.

Erst ab 70.000 Euro werden Goldbarren und Goldmünzen aufgrund der Geldwäscherichtlinie nur gegen Banküberweisung verkauft. Die Verkaufsstelle für die Laufkundschaft brummt so sehr, dass sie vergrößert werden soll.

„In unserem Shop in Wien erzielen wir zehn Prozent unseres Umsatzes“, berichtet CEO Starsich. Deshalb will er die Verkaufsfläche des Shops vergrößern und die Kundenbetreuung ausbauen.

Derzeit arbeitet die Münze Österreich an neuen Produkten, die aber erst in zwei bis drei Jahren auf den Markt kommen werden. Nähere Angaben macht die Münzstätte nicht.

Starsich will vor allem junge Kunden für Gold-, Platin- und Silbermünzen begeistern. Dafür setzt sein Unternehmen auf populäre Motive.

„Wir wollen uns beispielsweise mit Tiertalern neue Zielgruppen erschließen. Die Dinosaurierserie in einer Auflage von 65.000 Talern war an einem Tag ausverkauft“, berichtet der Generaldirektor, der bereits seit acht Jahren an der Spitze der Münze Österreich steht.

Mehr: Gold gilt als sicherer Hafen in Krisenzeiten. Doch die Verbraucherzentralen beklagen bei vielen Anbietern „irreführende Werbung“.

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