Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Musterdepots Der letzte Samba in Rio?

Mit Angela Merkels Besuch in Brasilien rückt der größte Staat Lateinamerikas wieder in den Blickpunkt. Für das aufstrebende Schwellenland läuft es derzeit gar nicht gut. Alexander Kovalenko fasst die Probleme zusammen.
Kommentieren
Alexander Kovalenko

Alexander Kovalenko

Düsseldorf „An d'r Copacabana es och nix jekoch“ oder eine freie Übersetzung dieser Textzeile eines kölschen Liedes von den Bläck Fööss: An der Copacabana in Brasilien ist auch nicht viel los. Von der fünften Jahreszeit sind wir noch weit entfernt, aber Brasilien macht in letzter Zeit wieder verstärkt auf sich aufmerksam. Nein, die Fußball WM war schon. Und die Olympiade kommt noch. Das einstige Musterland der Emerging Markets steckt in einer heftigen Krise.

Die Wirtschaftsleistung gemessen am BIP schrumpft vermutlich dieses Jahr um zwei Prozent. Diese negativen Nachrichten hat der Bovespa, der Aktienindex von Brasilien, mit weiteren Kursverlusten bestraft. Von seinen Höchstständen Anfang 2011 hat der Index bereits über 60 Prozent verloren und ein Ende ist nicht in Sicht. Brasilien erstickt im Sumpf der Korruptionen und die Präsidentin Dilma Rousseff hat immer weniger politischen Rückhalt.

Dabei bräuchte das Land gerade jetzt eine starke politische Führung um die notwendigen Reformen anzustoßen. Vielleicht wurden gerade allerdings die ersten Schritte in die richtige Richtung getan. Brasilien ist klassisch vom Rohstoffexport abhängig.

Die sinkenden Preise treffen das Land sehr hart. Da liegen der Abbau der Rohstoffabhängigkeit und der geplante Verzicht von Öl, Kohle und Gas nahe. Die entscheidenden Jahre Brasiliens stehen jetzt bevor. Entweder das Land fällt in die zweite Reihe der Schwellenländer zurück oder schafft den Anschluss an die Industrienationen. Es werden auf jeden Fall noch einige Sambastunden bis dahin vergehen.

Was sagen die Fundamental-Daten?

Daniel Hupfer

Daniel Hupfer

In den letzten Tagen haben die Aktienmärkte ihre Korrektur beschleunigt, und viele Rohstoffpreise fallen derzeit schneller als im Krisenjahr 2008. Ist das nun eine irrationale, temporäre Verwerfung, oder aber der Anfang einer größeren Krise?

Große Krisen zeichneten sich in der Vergangenheit dadurch aus, dass sich die fundamentalen Daten in den USA und in Europa deutlich verschlechtern. Das ist jedoch im Moment nicht der Fall. So haben sich die Einkaufsmanagerindizes in der Eurozone zuletzt verbessert, und in den USA steht eine Leitzinserhöhung auch deswegen vor der Tür, weil die Wirtschaft einen vergleichsweise guten und robusten Eindruck macht.

Die Verunsicherung kommt derzeit aus einer anderen Ecke: In China und Brasilien trüben sich seit vielen Monaten diverse konjunkturrelevante Zeitreihen ein, und eine größere Zahl von Schwellenländern kämpft mit Währungsproblemen. Aus unserer Sicht sind das noch nicht die Zutaten für einen perfekten Sturm an den Finanzmärkten, allerdings gilt es in den kommenden Wochen die weitere Konjunkturentwicklung genau zu analysieren.

Die realwirtschaftlichen Verflechtungen der jetzigen Krisenländer mit Europa und den USA sind trotz der Globalisierung nicht so groß, dass auf den ersten Blick aus fundamentaler Sicht Grund zur Panik besteht. Auf der anderen Seite orientieren sich Kapitalmärkte in ihrem Verhalten nicht an volkswirtschaftlichen Durchschnittsgrößen. Für Kapitalmärkte ist eher relevant, was fundamentale Veränderungen für große Unternehmen mit einer hohen Marktkapitalisierung bedeuten.

Und hier gibt es dann doch ein wenig Grund zur Beunruhigung. Wenn Unternehmen fast die Hälfte ihres Umsatzes in China erzielen, ist es für die Bewertung eines Unternehmens eben doch von Bedeutung, ob das Land mit sieben oder mit vier Prozent Wirtschaftswachstum wächst. Und aus einer Währungskrise unbedeutender Länder kann sich schnell auch eine größere Währungskrise entwickeln, wie das Jahr 1998 gezeigt hat. Immerhin ist viel Kapital in die Entwicklungsländer geflossen, dass nun vor dem Hintergrund diverser Enttäuschungen sowie möglicher Zinserhöhungen in den USA diese Region wieder verlässt. Der kontraktive Effekt dieses Kapitalabflusses auf die Realwirtschaft dieser Länder darf dabei nicht unterschätzt werden. Panik ist immer ein schlechter Ratgeber, aber erhöhte Aufmerksamkeit ist sicher angebracht.

Meine Taktik: spezielle Hebelprodukte

Georgios Kokologiannis Quelle: Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

(Foto: Pablo Castagnola)

Den Bestand an Absicherungsprodukten verringere ich erneut, nachdem der Dax wie erwartet bis auf den Bereich der 10.000er-Marke eingebrochen ist – und damit nahezu seinen kompletten bisherigen Jahresgewinn wieder abgegeben hat. Ich verkaufe einen weiteren Teil an Reverse-Bonuszertifikaten, die von den fallenden Märkten profitiert haben (WKN: PS0UJV). Immer wieder war an dieser Stelle vor den drohenden Rückschlägen gewarnt worden, gegen die ich das Musterdepot damit erfolgreich gewappnet hatte. Hintergrund: Meinen Berechnungen zufolge liegt das fundamental angebrachte Kursniveau für den deutschen Leitindex bei etwa 9.700 bis 10.400 Punkten.

Im Gegenzug baue ich nun die Investitionen in Anlageprodukte aus, die auch dann attraktive Renditen erzielen, wenn die Börsen nur noch schwankungsreich seitwärts laufen: Ich kaufe Bonuszertifikate, die bis Mai kommenden Jahres einen Ertrag von über dreizehn Prozent liefern, solange der Euro Stoxx 50 bis dahin nie auf 3.000 Punkte einbricht (WKN: PS3HZS). Umgerechnet entspricht das einer jährlichen Rendite von rund 16 Prozent.

Aus taktischen Gründen erhöhe ich zudem auch den Bestand an speziellen Hebelprodukten auf den europäischen Leitindex (WKN: CC9G88): Diese sogenannten „Sprintzertifikate“ münzen Kurszuwächse des Euro Stoxx 50 zwischen 3.350 und 3.650 Punkten doppelt in Rendite für das Portfolio um. Der Clou: Sinkt der europäische Leitindex bis zum Laufzeitende im Dezember noch weiter unter den festgelegten Sprintbereich ab, dann werden die Zertifikate nicht doppelt an den Verlusten beteiligt. Im Gegenzug für die überproportionalen Gewinnchancen innerhalb der Sprintspanne ist der maximale Ertrag begrenzt: Von einem Anstieg des Euro Stoxx 50 über 3.650 Zähler hinaus, profitieren die Papiere nicht mehr.

Hinweise zu den ausführlichen Berichten über die Musterdepots gibt es bei Twitter unter dem Konto: @kokologiannis

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Finance Briefing
Startseite

0 Kommentare zu "Musterdepots: Der letzte Samba in Rio?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote