Wall-Street-Händler

In den USA sorgen vor allem Technologieaktien für anhaltende Kaufstimmung.

(Foto: AP)

Musterdepots Drei Anlagestrategen, die besser sind als der Markt

Die Zwischenbilanz der Handelsblatt-Musterdepots fällt gut aus. Uneins sind die Manager über die weiteren Börsenaussichten.
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FrankfurtEs lohnt sich, die drei Handelsblatt-Musterportfolios regelmäßig im Blick zu haben: Während der europäische Vergleichsindex Stoxx 50 ins Minus gerutscht ist, erzielten die Depots seit der Neuauflage im März vergangenen Jahres teils zweistellige Renditen. Die Manager suchen nun nach der richtigen Strategie, nachdem die Kursrally bei US-Technologieaktien zwar die Wall Street angetrieben hat, sich hierzulande aber Turbulenzen abzeichnen. Die Antworten der Depotstrategen fallen darauf höchst unterschiedlich aus.

„Sowohl die Bullen als auch die Bären können derzeit schlüssige Argumente für die eine oder andere Richtung der Aktienbörsen finden“, sagt Alexander Kovalenko vom Vermögensverwalter Bayerische Vermögen, der das „Social-Trading-Depot“ steuert. „Auf der einen Seite sind die USA mit einem regelrechten Wirtschaftsboom, der durch die Steuerreform von Donald Trump noch zusätzlich gepusht wird.

Auf der anderen Seite sind in Europa, Japan und einigen Schwellenmärkten erste Abkühlungssignale aufgetreten“, urteilt der Anlageprofi. Wann der Bullenmarkt ende, könne daher momentan niemand verlässlich vorhersagen. Wesentlich skeptischer zeigt sich Ulf Sommer, der als Redakteur das „Handelsblatt-Musterdepot“ verantwortet: Die steigenden Zinsen in den USA belasteten den weltweiten Börsenaufschwung. „Zudem signalisieren sinkende konjunkturelle Frühindikatoren in Europa und vor allem Deutschland für die kommenden Monate ebenfalls eher fallende als steigende Kurse“, warnt der Journalist.

Anders beurteilt Sönke Niefünd von der Otto M. Schröder Bank, der das „Privatbank-Depot“ verantwortet, die Lage. Er rechnet zwar damit, dass die Schwankungsbreite, innerhalb der sich die Kapitalmärkte bewegen, weiterhin hoch bleiben wird. Denn die weltweite Konjunkturdynamik schwäche sich ab. „Zum Jahresende erwarten wir aber beim Dax wieder Kurse deutlich über 13.000 Punkte“, betont der Portfoliomanager. Viele Unternehmen überzeugten mit starken Fundamentaldaten. Sein klarer Ratschlag für Anleger: „Ruhe bewahren und zunächst investiert bleiben“.

Besser als der Markt

Die Musterdepots werden in der aktuellen Konstellation seit März 2017 geführt. Sie stellen Anlegern aussichtsreiche Ansätze vor, mit denen diese ihre Renditeziele erreichen können – auch in schwierigen Marktphasen wie aktuell. Sieht man von Schwankungen ab, treten die Aktienkurse in Europa seit über drei Jahren auf der Stelle. Und der Dax notiert rund 1.000 Punkte unter seinem im Januar erreichten Allzeithoch von 13.559 Zählern.

Viele Investoren fragen sich, was nun zu tun ist – die drei Depotstrategien können Anregungen geben.

Alle drei Depots entwickeln sich besser als ihr Vergleichsmaßstab: Während der europäische Aktienindex Stoxx 50 im Vergleich zum Frühjahr 2017 im Minus notiert, haben die Portfolios teils deutlich an Wert gewonnen. Mit einer besonders hohen Rendite trumpft das „Social-Trading-Depot“ auf, das knapp 14 Prozent hinzugewonnen hat.

Es kombiniert ein Aktien-Kernportfolio mit sogenanntem Social Trading. Dabei folgen Anleger auf Onlineplattformen den Strategien anderer Teilnehmer. Führend ist die Musterdepot-Beteiligung Wikifolio. „Unser Ziel ist es, ein Beispiel eines langfristig orientierten transaktionsarmen Aktiendepots darzustellen“, sagt Kovalenko. Bis jetzt habe man den Vergleichsindex geschlagen, obwohl der eigene Anlagehorizont viel weiter sei als die Zeit seit der Auflage des Depots. Er betrage mindestens vier Jahre. „Zudem haben wir in den letzten 14 Monaten nur einen Positionstausch durchgeführt“, erklärt Kovalenko. Das zeige, dass man nicht jede Woche handeln und auf alle Markt- oder Politikereignisse reagieren müsse, um eine erfreuliche Performance zu erzielen.

Überzeugen kann auch das defensiver ausgerichtete Privatbank-Depot, das selbst in einem schwierigen Umfeld rund zwei Prozent zugelegt hat: „Wir halten strategische Positionen aus den Anlageklassen Aktien, Renten und Rohstoffe“, sagt Investmentprofi Niefünd. Gekauft werden Fonds, ETFs und Einzeltitel, die Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Ausgewählt würden die Titel auf Basis einer vierfachen Bewertung: Wirtschaftlichkeit, Umwelt, Soziales und Unternehmensführung fließen ein.

Bestätigt in seiner Strategie sieht sich auch der Betreuer des Redaktionsdepots: „Einzelpositionen wie Rheinmetall, Fresenius und Geely, der rasant expandierende chinesische Autobauer, entwickeln sich deutlich besser als der Gesamtmarkt“, sagt Ulf Sommer. Ziel des Depots sei es, Kapital langfristig zu mehren. „Für die Rente in 15 Jahren oder das spätere Studium der Kinder“, ergänzt er. Gekauft würden vor allem Aktien. „Um das Risiko zu streuen, setze ich dabei gerne auf ETFs, um so ganze Indizes abzubilden.“

Zuletzt hat Sommer aber einen Teil seiner Dax-ETFs verkauft und in Zertifikate getauscht, die von einem Rückgang des Leitindexes profitieren. „In Erwartung sinkender Kurse mit einem Dax-Ziel von 11.000 Punkten und im Extremfall auch kurzzeitig weniger als 10.000 Punkten innerhalb der nächsten zwölf Monate soll die Position mit Gewinn wieder verkauft werden“, sagt Sommer.

Die vollständigen Depots finden Sie hier: Handelsblatt-Depot, Social-Trading-Depot, Privatbank-Depot.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

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