Nach drei Verlustjahren Seine Wetten auf fallende Kurse zahlen sich aus – Hedgefonds-Manager feiert Comeback

Jahrelang hatte der britische Hedgefonds-Manager Odey Geld mit seinen Spekulationen verloren. Doch nun liegt er mit seinen Wetten gegen das Pfund Sterling genau richtig.
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Der Hedgefonds-Manager warnte bereits früh vor der Geldschwemme der Notenbanken. Quelle: Odey Asset Management
Crispin Odey

Der Hedgefonds-Manager warnte bereits früh vor der Geldschwemme der Notenbanken.

(Foto: Odey Asset Management)

London/FrankfurtDie vergangenen Jahre haben es nicht gut gemeint mit Robin Crispin William Odey, den alle nur Crispin nennen. Die Masse der Anleger war einfach zu optimistisch und trieb Dow Jones, Footsie und Dax in immer neue Höhen. Das war Gift für den notorischen Schwarzseher aus London, der konsequent auf das baldige Ende des Bullenmarktes wettete.

Drei Jahre in Folge fuhr der European Fund des eigenwilligen Hedgefonds-Managers hohe Verluste ein: 2015 minus 13 Prozent, 2016 minus 50 Prozent, 2017 noch einmal minus 22 Prozent. Da half es Odey wenig, dass er, der Befürworter eines Ausstiegs von Großbritannien aus der Europäischen Union (EU), erfolgreich auf den Brexit spekuliert hatte. Seine Wetten brachten ihm zwar 220 Millionen Pfund ein. Doch der Gewinn verpuffte, wie sich am Ergebnis des Gesamtjahres 2016 ablesen lässt.

Odeys Anleger nahmen deshalb Reißaus. Das verwaltete Kapital des einstigen Erfolgsfonds schrumpfte zwischen Anfang 2015 und Ende 2017 von 2,5 Milliarden auf 162 Millionen Euro. Odey schien vom Glück verlassen, ähnlich wie sein amerikanischer Kollege Bill Gross, der frühere Pimco-Anleihekönig.

Gross’ Fonds bei Janus Henderson erlitt massive Abflüsse. Sein Fonds ist nur noch 1,2 Milliarden Dollar schwer und damit eigentlich viel zu klein für den Star-Investor, dessen Flaggschiff-Fonds bei der Allianz-Tochter Pimco einst 250-mal so groß war.

Gross hat offenbar das Vertrauen der Anleger verloren, da sein Fonds schlechter abschnitt als alle anderen vergleichbaren und seit seiner Auflage im Jahr 2014 rund 40 Prozent an Wert verloren hat – ein Desaster für einen Anleihefonds, den eigentlich Stabilität auszeichnen soll.

Massive Schrumpfkur

Doch anders als Gross erlebt Odey in diesen Tagen ein Comeback. In den ersten sieben Monaten des Jahres schaffte der European Fund eine Rendite von 25 Prozent – ein Spitzenplatz unter den Hedgefonds. Damit hat er die herben Verluste der vergangenen Jahre noch lange nicht ausgeglichen, doch scheint der Hedgefonds-Manager, der auf fallende Kurse setzt, jetzt wieder obenauf. Seine Wetten gegen britische Staatsanleihen und das Pfund Sterling haben sich ausgezahlt.

Der Mann, der im Sommer den Norden Großbritanniens genießt und dort Moor- und Raufußhühner jagt, im Winter dagegen den Süden der Insel in London City bevorzugt, besitzt ein klares Weltbild. In der Lage der Weltwirtschaft sieht er Parallelen zu den frühen 70er-Jahren, als das Regime der festen Wechselkurse von Bretton Woods zusammenzubrechen begann.

Doch es begann eine neue Ära beachtlichen Wachstums. Die Reichen wurden nach der Analyse von Odey immer reicher, der Rest profitierte nicht davon. Vor zwei Jahren sah er die Situation im Interview mit dem Handelsblatt ähnlich und warnte vor Vermögensblasen, die durch die Geldschwemme der Notenbanken erzeugt werde. „Das kann auf Dauer nicht gut gehen“, warnte er. Danach richtet er seine Investmentpolitik aus, auch wenn er einräumt, es sei immer gefährlich, sich gegen die US-Notenbank Fed zu stellen, wie er das 2016 getan hatte.

Auch am jüngsten Kursabsturz der Tesla-Aktie verdiente er prächtig. Der US-Autobauer beginne gerade „die Endphase seiner Existenz“, tönte kürzlich Odey, der in East Yorkshire aufgewachsen ist. In der Liste der reichsten Hedgefonds-Manager in Großbritannien rangiert der Mann mit den XXXL-Anzügen nach Berechnungen der Sunday Times auf Platz acht mit einem Vermögen von 750 Millionen Pfund, ein Minus von 25 Millionen Pfund.

Als Odey die Gesellschaft Odey Asset Management im Jahr 1991 gründete, gehörte die Hedgefonds-Legende George Soros zu seinen ersten Investoren. Er investierte 150 Millionen Dollar. Die Aussichten für den Berufspessimisten scheinen nicht schlecht: Die Brexit-Unsicherheit in seiner Heimat wird noch eine Weile anhalten.

Seit Wochen warnen britische und europäische Politiker vor einem Scheitern der Verhandlungen in Brüssel, die Wahrscheinlichkeit eines ungeordneten EU-Ausstiegs Großbritanniens im März 2019 steigt. Der politische Kalender im Herbst ist gespickt mit Ereignissen, die das Pfund weiter in Richtung Parität zum Euro drücken könnten.

Ende September treffen sich die britischen Konservativen zum Parteitag, wo die Brexit-Puristen gegen den Kompromisskurs von Premierministerin Theresa May rebellieren werden. Bis Jahresende finden noch mindestens drei Gipfel der Europäischen Union statt, auf denen die Zukunft Großbritanniens verhandelt wird.

Odey geht davon aus, dass es keinen Deal geben wird. Der Finanzmanager ist selbst ein überzeugter Brexit-Anhänger, er glaubt, dass Großbritannien langfristig von dem Austritt aus der EU profitieren wird. Doch vorerst hat er nur seinen eigenen Gewinn im Blick – und den erhöht er, indem er auf einen weiteren Fall des Pfunds wettet.

Es ist nicht das erste Mal, dass Odey an einer Krise verdient. Seinen Namen hat sich der 59-Jährige in dem großen Crash vor zehn Jahren gemacht. Zwischen 2007 und 2009 schaffte sein Fonds eine Rendite von 166 Prozent. Als einer der wenigen hatte er damals die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt. Nun hofft er auf eine Wiederholung seiner Serie.

Der Brite, nach dem ein Biosupermarkt eine Wurst benannt hat, setzt auch darauf, dass die Folgen der lockeren Geldpolitik der vergangenen Jahre gepaart mit den neuen Handelsstreitigkeiten zwischen den USA, China und der EU bald in einen Bärenmarkt münden. Diese Prognose hat ihm in den vergangenen Jahren hohe Verluste gebracht. Aber wenn er nur lange genug daran festhält, könnte sie tatsächlich eintreten.

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