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Nachhaltigkeit Ratingagenturen wie Moody's und S&P drängen auf den Markt für Öko-Ratings

Die großen US-Ratingagenturen werben mit nachhaltigen Unternehmensbewertungen. Sie setzen auf Übernahmen, um spezialisierten Agenturen Marktanteile abzuringen.
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Die Energiefirma PG & E scheiterte an Klimarisiken. Quelle: AP
Waldbrand

Die Energiefirma PG & E scheiterte an Klimarisiken.

(Foto: AP)

Frankfurt Die Bilder des zerstörerischen Feuers gingen um die Welt. Tagelang wüteten im vergangenen November die Flammen im Norden Kaliforniens. Mit über 80 Toten, Tausenden zerstörten Häusern und Zehntausenden Hektar vernichteten Waldes gilt das „Camp Fire“ als schlimmster Waldbrand in der Geschichte des US-Bundesstaates.

Auslöser des Feuers war ein Defekt an einem Strommast des US-Energieversorgers Pacific Gas and Electric (PG&E). Verbreiten konnte es sich jedoch nur so rasant, weil zu dieser Zeit extreme Dürre in Kalifornien herrschte. Schnell wurde klar, dass die Schäden die Finanzkraft von PG&E übersteigen. Jahrelang hatten Ratingagenturen wie S&P, Moody’s oder Fitch PG&E eine gute Bonität attestiert – nun musste der Konzern beinahe über Nacht Insolvenz anmelden. Seither gilt er als erster Großkonzern, der wegen eines mangelhaften Managements seiner Klimarisiken pleiteging.

Dabei hatten auf Nachhaltigkeitsratings spezialisierte Agenturen Investoren lange vor dem verheerenden Brand auf die Risiken aufmerksam gemacht. So senkte bereits im Jahr 2017 Oekom Research, die heute unter dem Namen ISS ESG firmieren, das Nachhaltigkeitsrating von PG&E von „C-Minus“ auf „D“ herab, den zweitschlechtesten Wert auf der Skala der Ratingagentur. Begründung: das schlechte Management der Waldbrandrisiken.

Viola Lutz, Leiterin des Bereichs Klimarisiken für die Investorenberatung bei ISS ESG, sagt: „PG&E ist ein Beispiel für die sich ändernde Risikolandschaft.“ Klimaschutz, Soziales und Unternehmensführung, die unter der Abkürzung ESG zusammengefasst werden, hätten immer öfter Einfluss auf die Kreditwürdigkeit von Unternehmen.

Das haben allerdings nun auch die großen Ratingagenturen wie S&P oder Moody’s erkannt. Sie lassen ESG-Faktoren immer stärker in ihre Bonitätsratings einfließen. Zudem drängen sie in den Markt für ESG-Ratings, die bislang von Anbietern wie Sustainalytics oder ISS Oekom dominiert werden. Dabei setzen sie verstärkt auf Übernahmen. Erst kürzlich hat Moody’s das auf die Analyse von Klimarisiken spezialisierte Unternehmen Four Twenty Seven übernommen.

Ende vergangenen Jahres hat Moody’s zudem Vigeo Eiris gekauft, einen Datenanbieter und führenden Gutachter für grüne Anleihen. Über den Kaufpreis schweigt die Agentur. S&P hat sich kürzlich mit True Cost verstärkt, einem auf die Berechnung von CO2-Fußabdrücken spezialisierten Analysehaus. Und Oekom Research aus München wurde vergangenes Jahr vom Stimmrechtsberater ISS übernommen.

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Ein Ende der Übernahmewelle ist nicht in Sicht: „Es gibt viel Bewegung im Markt“, sagt Joop Hessels, Leiter des Geschäfts mit grünen Anleihen bei der niederländischen Bank ABN Amro. „Wir werden noch mehr Übernahmen, Fusionen und ähnliche Kooperationen sehen.“ Der Wettbewerb um Analyseteams, Datenanbieter und Marktanteile dürfte sich weiter verschärfen.

Angeheizt wird der Wettbewerb vom Wandel des Anleihemarktes: Grüne und nachhaltige Anleihen sind zwar nach wie vor eine Nische – doch die wächst kräftig. Der italienischen Bank Unicredit zufolge wurden im ersten Halbjahr 2019 grüne Anleihen mit einem Volumen von 106 Milliarden Dollar neu platziert. Ein neuer Rekord – und ein Anstieg um 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Unicredit schätzt, dass das Volumen neuer Green Bonds bis Jahresende auf 200 Milliarden anwächst – auch das wäre ein neuer Rekord.

Der wichtigste Wachstumstreiber für den Green-Bond-Markt ist weiterhin Europa, sagt Agnes Gourc, Leiterin Nachhaltige Kapitalmärkte bei BNP Paribas. „Die Mehrheit der Emittenten kommt aus Europa, zudem gibt es eine starke Investorenbasis.“ Mittlerweile lohne sich die Emission grüner Anleihen für immer mehr Staaten und Unternehmen, sagt Gourc. „Es zeichnet sich ab, dass viele grüne Anleihen einen höheren Preis und damit eine niedrigere Rendite erzielen.“

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Das steigert das Angebot, doch auch die Nachfrage ist riesig, wie die Emission einer Anleihe der Niederlande kürzlich zeigte: Das Orderbuch der sechs Milliarden schweren Anleihe sei 3,5-fach überzeichnet gewesen, berichtet ABN-Amro-Banker Jessen. Sein Institut war der Berater der niederländischen Regierung für die Emission.

Um von dem Boom zu profitieren und gleichzeitig ihr Kerngeschäft mit Kreditratings zu stärken, verfolgen die Ratingagenturen drei Strategien: Zum einen trimmen sie ihre Bonitätsanalysen auf Nachhaltigkeit. S&P beispielsweise berücksichtigt bei der Analyse von Geschäftsrisiken und finanziellen Risiken eine Bandbreite an ESG-Faktoren. Wenn etwa strengere Umweltauflagen oder Missmanagement die Fähigkeit eines Unternehmens beeinträchtigt, seine Schulden zurückzuzahlen, sinkt auch das Rating.

Zwischen 2015 und 2017 gingen S&P zufolge über 200 Änderungen von Unternehmensratings und -ausblicken auf ESG-Faktoren zurück – das sind rund 15 Prozent aller Änderungen bei Firmenratings. Tobias Mock, Managing Director bei S&P Global Ratings sagt: „Wir fokussieren uns auf die Faktoren, die den Kassenbestand, die Profitabilität oder die Verschuldung beeinflussen.“

Olaf Tölke, Managing Director beim Konkurrenten Scope ergänzt: „Gute Unternehmensführung ist neutral für das Rating. Das wird erwartet.“ Anders sehe es bei schlecht gemanagten Unternehmen aus: „Das verhindert ein besseres Rating und kann im Extremfall zu einer Abwertung führen.“

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