Nasdaq 100 Trotz drohendem Handelskrieg: immer neue Rekorde bei Tech-Aktien

Während die Leitindizes in den USA und Deutschland unter dem Handelsstreit leiden, klettert der US-Tech-Werte-Index Nasdaq auf ein Allzeithoch. Es gibt einen Hauptgrund für die Rally.
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Die Tech-Aktien erreichen trotz des Handelsstreits neue Höchststände. Quelle: AP
Nasdaq

Die Tech-Aktien erreichen trotz des Handelsstreits neue Höchststände.

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DüsseldorfDer Handelsstreit zwischen den USA und China weitet sich aus. Das bleibt auch an den Kapitalmärkten nicht ohne Folgen. Doch während die großen Leitindizes Dax und Dow Jones schwächeln, haben ausgerechnet die volatilen Technologie-Titel ein neues Allzeithoch erklommen: Mit 7.385 Punkten notierte der Nasdaq 100, der die 100 größten US-Tech-Werte versammelt, am Freitag so hoch wie noch nie.

Der Index beweist damit, wer auf dem Börsenparkett den Ton vorgibt: unter anderem Apple, Amazon, Microsoft und Netflix. Die US-amerikanischen Tech-Titel könnten sich in der letzten Phase der seit rund zehn Jahren andauernden Börsenrally damit als Zugpferd erweisen.

Ganz anders sieht es bei den Indizes aus, die alle Wirtschaftsschwergewichte versammeln: Der deutsche Aktienindex Dax erreichte im Januar seine Bestmarke von 13.559 Punkten – nun liegt er acht Prozent darunter. Auch dem US-Leitindex Dow Jones fehlen zu seinem Rekordwert vom Januar (über 26.600 Punkte) etwa sieben Prozent.

Seit Jahresbeginn haben die beiden klassischen Börsenbarometer damit enttäuscht. Der Dax hat 2018 bislang knapp drei Prozent verloren, der Dow nur ein Prozent zugelegt. Erfreulicher lief die Entwicklung für Technologie-Anleger.

Tech-Titel auf Wachstumskurs

An der Nasdaq ging es seit Januar um satte 15 Prozent nach oben. Allein seit Jahresanfang gewannen die zehn größten Tech-Titel ganze 1,4 Billionen Dollar an Börsengewicht. Allein dieser Anstieg bringt mehr auf die Waage als alle 30 deutschen Dax-Titel zusammen. Der Börsenwert aller 100 Nasdaq-Werte ist seit Januar sogar um 1,8 Billionen Dollar gewachsen, womit die US-Tech-Titel jetzt 9,4 Billionen Dollar schwer sind.

Klar ist: Auch die Tech-Werte sind alles andere als unabhängig von externen Einflüssen. Im Februar und März hatten Sorgen über die Geldpolitik der US-Notenbank Fed die Kurse rund um den Globus abstürzen lassen, auch die Technologiefirmen litten. Im Anschluss belastete der von US-Präsident Donald Trump vom Zaun gebrochene Handelsstreit mit China die Wachstumsaktien.

Doch anders als bei den klassischen Industrietiteln kehrten die Anleger schnell zu den Tech-Werten zurück. Der Nasdaq 100 hat allein im Juli fünf Prozent zugelegt.

Traditionell sind Technologie-Titel volatiler als der Gesamtmarkt: Geht es an den Börsen aufwärts, legen sie am kräftigsten zu. Fallen die Kurse, geben sie noch ein Stück deutlicher nach. Doch diese alte Regel scheint unter US-Präsident Trump außer Kraft gesetzt zu sein: Die Performance von Standardtiteln und Wachstumstiteln klafft immer weiter auseinander.

Den Hauptgrund für die Technologie-Rally sehen Experten in der nun anlaufenden Bilanzsaison. Ein Börsianer bringt es so auf den Punkt: „Die Anleger wollen wissen, ob der Handelskonflikt bei den Firmen Spuren hinterlassen wird.“ Analysten zeigen sich optimistisch: Für US-Titel sehen sie einen Gewinnzuwachs von durchschnittlich 20 Prozent, auch aufgrund der Trumpschen Steuersenkung. Zwar profitieren von ihr auch Industrie-, Handels- und Banktitel. Bei den Tech-Titeln hoffen Anleger aber auf die größten Zuwächse.

Innovative Ideen, neue Produkte

Das hat einen einfachen Grund: Anleger erwarten hier die größten Wachstumschancen im schon weit fortgeschrittenen Konjunkturzyklus – schließlich ist die Innovationskraft des Silicon Valleys weiter ungebremst. Die zwei Schwergewichte Amazon und Microsoft erreichten am Freitag neue Rekordwerte, auch dank des Cloud-Geschäfts mit virtuellen Datenspeichern. Hier zählen beide zu den führenden Anbietern, was nicht nur die Gewinne beflügelt, sondern auch die Phantasie der Anleger.

Ähnlich sieht es beim größten Social Network der Welt aus, Facebook. Der Datenskandal um Cambridge Analytica konnte dem Aktienkurs kaum etwas anhaben. Seit März steigen die Papiere wieder und notierten am Freitag rund ein Drittel höher auf einer neuen Bestmarke.

Ähnliches gilt für den Streaming-Anbieter Netflix, dessen Kurs sich wegen stetig wachsender Abonnement-Zahlen dieses Jahr um 115 Prozent gesteigert hat. Rechnet man fünf Jahre zurück, dann hat sich der Kurs verzehnfacht. Inzwischen ist die kalifornische Firma mit 170 Milliarden Dollar Börsenwert zweimal so teuer wie alle Volkswagen-Aktien. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

Neben der Innovationskraft treiben auch Übernahmespekulationen die Phantasie der Technologie-Anleger. Schon berüchtigt sind die Bieterschlachten der Chip-Riesen, deren Übernahmeappetit traditionell hoch ist. Am Donnerstag bot der Chip-Hersteller Broadcom – kurz nachdem die Übernahme des Rivalen Qualcomm gescheitert war – knapp 19 Milliarden Dollar für CA Technologies. Deren Papiere, ebenfalls im Nasdaq 100 gelistet, legten daraufhin 19 Prozent zu.

Außerdem im Fokus der Anleger: der Kabelnetz-Marktführer Comcast. Dieser bleibt weiter am britischen Bezahlsender Sky dran und hat sein Übernahmeangebot noch einmal aufgestockt.

Schließlich lassen Nachrichten wie die, dass der auch an der Nasdaq gelistete chinesische Internet-Riese Baidu groß ins autonome Fahren einsteigen will, Investorenherzen höher schlagen. Während die alten Industrieunternehmen die Schlachten der Vergangenheit schlagen, erobern die Tech-Titel die Zukunftsmärkte, wie eine beliebte Erzählung lautet. Wie lang die Rally noch anhält, ist allerdings umstritten.

Gefährliche Überhitzung

Mit den wie durch Zauberhand gegen jeden Trend steigenden Notierungen stellt sich wieder die Frage nach dem fairen Preis der Tech-Aktien. Kritiker verweisen etwa auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Tech-Titel. Dieses gibt an, wie viele Jahresgewinne ein Unternehmen ansparen müsste, um auf seinen aktuellen Börsenwert zu kommen – und liefert so einen Anhaltspunkt bei der Einschätzung, welche Aktien überteuert sind.

Fakt ist: Mit einem Wert von 26,9 liegt das KGV des Nasdaq 100 deutlich über dem des Dow Jones (18,6). Beim breiteren Index S&P 500 liegt das KGV bei 21,3. Im Nasdaq Composite, der alle knapp 2.600 an der US-Technologiebörse gelisteten Titel zusammenfasst, liegt das KGV sogar noch höher. Kritiker sehen eine gefährliche Überhitzung bei US-Titeln, insbesondere bei den erfolgsverwöhnten Tech-Aktien. Ewig könne die Rally nicht mehr weitergehen, spätestens wenn die Euphorie über Trumps Steuerreform verpufft sei, drohe ein deutlicher Einbruch.

Viele Tech-Investoren sehen das naturgemäß anders. Sie verweisen darauf, dass Technologiewerte als typische Wachstumsaktien traditionell ein höheres Kurs-Gewinn-Verhältnis aufweisen als andere Werte, – Handelspapiere, die einen kontinuierlichen, aber überschaubare Gewinn verbuchen.

Und noch eine weitere Zahl lässt die die Silicon-Valley-Fans gut schlafen: Im Jahr 2000, vor dem Platzen der Dotcom-Blase, lag das KGV der Nasdaq-100-Titel deutlich höher: bei einem Wert von 200.

Tech-Anleger sehen da noch Luft nach oben und hoffen auf sprudelnde Quartalsgewinne. Dann könnte der Rekordwert vom Freitag schon bald erneut überboten werden.

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