Nasdaq-Rekord Tech-Aktien sind nicht zu stoppen

Technologie-Aktien bewegen sich auf Rekordständen. Bisher werden schlechte Nachrichten einfach ignoriert. Und warnende Stimmen gibt es wenige.
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Google, Amazon, Apple: Tech-Aktien sorgen für Nasdaq-Rekordstand Quelle: AP
Nasdaq

Amerikanische Technologieaktien legen eine Kursrally hin.

(Foto: AP)

New York, FrankfurtOb Datenskandal oder geopolitische Risiken: Technologieaktien sind dieser Tage wie Teflonpapiere – nichts von den negativen Nachrichten bleibt an ihnen haften. Stattdessen erklimmen die Tech-Werte auf beiden Seiten des Atlantiks immer neue Kursgipfel.

„Primär getrieben wird die Branche durch das innovative Umfeld“, sagt Karl Fingerhut vom Vermögensverwalter FV Frankfurter Vermögen. Ob Smartphones, selbstfahrende Autos oder Software-Clouds – „alles ist en vogue“, sagt der Experte. Die Börsenrally könne durchaus noch weitergehen, sie werde aber zunehmend von Spekulanten angetrieben.

Vorerst ist die Party also noch in vollem Gange – am Mittwoch stieg der TecDax in Frankfurt bis zum frühen Abend um 0,50 Prozent auf 2 843 Punkte – es ist der höchste Stand seit Einführung des Indexes im Jahr 2003.

Lediglich zu Zeiten der Interneteuphorie um die Jahrtausendwende waren die Bewertungen von Tech-Werten noch höher gewesen. Auch in den USA hält die Euphorie für Aktien aus den innovativen Sparten an. Der Index der Technologiebörse Nasdaq startete gut 0,3 Prozent im Plus, nachdem bereits am Dienstag mit 7 637 Punkten ein Rekordhoch verzeichnet worden war.

Vor allem die Apple-Aktie profitiert von der Begeisterung der Investoren. Der Konzern steht kurz davor, das erste US-Unternehmen zu werden, das eine Billion Dollar wert ist. Die Firma erreicht momentan eine Marktbewertung von 945 Milliarden Dollar. Papiere des Smartphone-Giganten sind in diesem Jahr um mehr als 13 Prozent gestiegen. Am Mittwoch zum Handelsstart zog die Aktie abermals an und kostete 193,60 Dollar. Den Kurs beflügeln nicht nur die soliden Verkäufe des iPhone 8 und X – vor allem in China und Japan, sondern auch die steigenden Einnahmen aus dem App-Store.

Und auch Amazon handelt auf einem Allzeithoch und ist momentan mehr als 800 Milliarden Dollar wert – dies hat den Nettowert des Vermögens von Amazon-Chef Jeff Bezos auf fast 140 Milliarden Dollar angehoben. Zudem haben sich Googles Mutterkonzern Alphabet und Microsoft in diesem Jahr auf Rekordhöhen begeben. Sie sind jetzt jeweils mehr als 775 Milliarden Dollar wert.

Das Tech-Schwergewicht Facebook ist ebenfalls nicht weit von seinem Allzeithoch entfernt. Das soziale Netzwerk hat einen Marktwert von fast 560 Milliarden Dollar.

Die Sorgen, dass nach dem Datenskandal um Cambridge Analytica die gesamte Branche mit strengeren Regulierungen bestraft werden könnte, scheinen erst einmal verflogen. Die Facebook-Aktie hatte nach dem Skandal im März um unerlaubt verwendete Nutzerdaten gut 20 Prozent an Wert verloren, machte seitdem jedoch seine Verluste wieder gut. Am Mittwoch startete das Papier allerdings leicht schwächer in den Handel, nachdem neue Berichte über bislang unbekannte Datenkooperationen, auch mit chinesischen Firmen, bekannt geworden waren.

Der Medienkonzern Netflix erreichte am Mittwochmorgen ein neues Rekordhoch und notierte bei 368,60 Dollar pro Aktie. Die Papiere des Streamingdienstes rücken für Monsanto in den S&P 100-Index der 100 größten US-Firmen des breiten S&P 500 nach.
Die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs glauben nicht, dass ein Ende des Tech-Booms in Sicht ist. Sicher sind die Aktien großer Tech-Konzerne teuer. Die Marktkapitalisierung von Facebook, Amazon, Apple, Microsoft und Alphabet (abgekürzt FAAMG) lag zuletzt bei über 3,9 Billionen Dollar. Das ist mehr als das Bruttoinlandsprodukt von Deutschland, das im vergangenen Jahr gut 3,3 Billionen Dollar erreichte.

Doch „anders als bei der Technologie-Mania der 90er-Jahre kann ein Großteil des Erfolgs durch starke Fundamentaldaten, Umsätze und Gewinne erklärt werden“, argumentieren Goldmans Aktienstrategen Peter Oppenheimer und Guillaume Jaisson. „Es geht weniger um Spekulationen über die Zukunft.“ Technologie sei heute schließlich so mächtig wie die Verkehrsaktien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als das Eisenbahnnetz in den USA gebaut wurde, erläutern die Strategen.

Später dominierten dann Industriekonzerne, die wiederum von Energieaktien abgelöst wurden. „Die führenden Tech-Unternehmen heute haben einen hohen Marktwert. Aber das spiegelt die deutlich höheren Ausgaben für Technologie wider“, meinen die Experten. Oft würden neue Plattformen gleich den gesamten Markt einnehmen. Oppenheimer und Jaisson sprechen von einem Schneeballeffekt, ähnlich wie in der industriellen Revolution: „Eine Technologie führte zur nächsten, und das hat die traditionellen Branchen dazu gebracht, die Technologie-Ausgaben immer weiter zu erhöhen, um zu überleben.“

Für Experten ist der Boom der Tech-Aktien ein Zeichen, dass die Zeiten des Bullenmarkts noch lange anhalten. Tech-Werte seien der herausragende Sektor, der nach einer strukturellen Wachstumsstory aussehe und weiterhin Gewinnwachstum zeigen werde, meint Sönke Niefünd von der Otto M. Schröder Bank. Als Indiz für den Stellenwert des Sektors werde auch die Aufnahme von Twitter in den S&P-500 gewertet. In Deutschland bleibt der TecDax-Wert Wirecard sein „Objekt der Begierde“.


Die wenigen warnenden Stimmen werden bislang überhört. Anleger scheint der schwelende Handelsstreit der USA mit China, der EU, Kanada und Mexiko nicht zu interessieren. „Ich finde es etwas merkwürdig, dass trotz des drohenden Handelskonflikts mit China und der Befürchtungen um den Verlust von technologischem Know-how die US-Tech-Aktien weiter in die Höhe schießen“, sagt Koon Chow, Analyst der Schweizer Bank UBP.

Weniger enthusiastisch für US-Aktien ist Luca Paolini, Chefstratege beim Schweizer Haus Pictet. Viele positive Nachrichten seien in den Kursen schon enthalten, die Erwartungen der Analysten zu positiv. Auch niedrigere Bewertungen lockten ihn nicht, weil Zweifel wegen Risiken aus steigenden US-Zinsen größer seien. Bisher halten sich Anleger an die Tech-Optimisten.

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2 Kommentare zu "Nasdaq-Rekord: Tech-Aktien sind nicht zu stoppen"

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  • "...bitte niemals die Fundamentaldaten ignorieren"

    Fundamental lag die Shiller PE Ratio (CAPE), einer der zuverlässigsten Instrumente für die Bewertung von Aktien(-Indices) für den S&P 500 nur ein einziges Mal in der Geschichte für kurze Zeit höher als heute (32,67) - nämlich Ende 1999 bis Anfang 2000 kurz vor dem Platzen der Dotcom-Bubble:
    http://www.multpl.com/shiller-pe/
    Für den Nasdaq liegt die Ratio aktuell sogar bei ca. 44.
    Selbstverständlich ist das Monster-Blasen-Niveau.
    Das Problem ist nur, dass die Blase auf dem Anleihen- / Bondmarkt noch weitaus riesiger ist. Anleihen sind jedoch reine Forderungen, hinter Aktien steht jedoch ein Realwert.
    Eine dieser Blasen platzt demnächst, denn es ist für die Zentralbanken nun unmöglich geworden, beide mit heißer Luft ( fiat money) weiter zu "stabilisieren" oder gar weiter aufzupumpen...

  • ... erinnert mich an die DOTCOM Blase ...
    Liebe Anleger, bitte niemals die Fundamentaldaten ignorieren: Es ist niemals falsch auf den Unternehmenswert an der Börse, der Marktkapitalisierung zu achten, den Umsatz und den Gewinn anzusehen!

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