New York Stock Exchange „Meine Kunden geben schon wieder Kauforders“

Ted Weisberg hat seit 1979 einen Handelsplatz auf dem Parkett der größten Börse der Welt. Der „Bürgermeister der Wall Street“, wie ihn die Medien nennen, nimmt den Wahlausgang gelassen – und hofft auf einen Neuanfang.
Seit 1979 arbeitet er an der Wall Street. Quelle: Reuters
Ted Weisberg

Seit 1979 arbeitet er an der Wall Street.

(Foto: Reuters)

Er hat Jimmy Carter, Ronald Reagan, George Bush und Bill Clinton erlebt. Immer von der Wall Street aus. Trump ist zwar nicht der Wunschkandidat der Börse, aber sie wird es überleben. Weisberg hofft, dass jetzt ein Neuanfang kommt und irgendwann auch die Zinsen wieder steigen. Das Handelsblatt durfte ihn am frühen Morgen zuhause anrufen.

Herr Weisberg, die Wall Street favorisierte Clinton, aber ein Crash zeichnet sich trotz des überraschenden Wahlausgangs nicht ab…
Ich habe heute morgen schon die E-Mails von meinen Kunden gelesen. Sie alle wollen kaufen, die Delle ausnutzen. Bis jetzt wissen wir nicht, was noch kommt. Aber ich denke, der Wahlausgang ist keine Katastrophe für das Land. Trump ist nur ein einzelner Mann, und er könnte sogar Zeichen für einen Wandel setzen.

Wie meinen Sie das?
Er hat ja angekündigt, dass er die Steuer der Konzerne senken will. Das könnte Investoren in die USA zurückholen und das viele Geld, das Offshore herumliegt, wieder ins Land bringen. Auch erwarten wir, dass die Nullzinspolitik bald ein Ende nimmt. Wir haben alle erlebt, dass die lockere Geldpolitik nicht viel bringt. Die Wirtschaft hat sich mehr oder weniger seitwärts bewegt.

Hin und her an den Finanzmärkten

MXN/USD

WKN
ISIN
Börse
XRATE

0,00 0,00%
+0,05
Chart von MXN/USD
Peso
1 von 6

Die mexikanische Währung reagiert besonders empfindlich auf den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl. Denn Kandidat Donald Trump will den Handel zwischen den Ländern einschränken, sollte er ins Weiße Haus einziehen. Das nun designierte Staatsoberhaupt hatte neben Straffzöllen angekündigt, das Handelsabkommen NAFTA kippen oder neu verhandeln zu wollen. Trump hatte sogar den Bau einer Mauer zwischen Mexiko und den USA in den Mittelpunkt seines Wahlkampfs gestellt.

NIKKEI 225 INDEX

WKN
ISIN
JP9010C00002
Börse
TOKIO

-66,80 -0,29%
Chart von NIKKEI 225 INDEX
Nikkei
2 von 6

Der japanische Aktienmarkt war während der Wahlnacht geöffnet – der wichtige Nikkei 225 gab deutlich nach. Der Stahlkonzern Mitsui sackte um mehr als acht Prozent ab, der Baumaschinenhersteller Kubota sieben Prozent. Die Flucht in den Yen, der als ein sicherer Hafen unter den Währungen gilt, sorgte für weiteren Druck, verschärft diese doch die anhaltende Abwertung der japanischen Währung. Viele Exporteure haben durch die Währungseffekte massive Gewinneinbrüche zu verkraften.

EUR/USD SPOT

WKN
ISIN
EU0009652759
Börse
FX

-0,00 -0,04%
+1,17€
Chart von EUR/USD SPOT
Euro
3 von 6

Gerade am Devisenmarkt, der immer mal wieder für Turbulenzen gut ist, hat die Wahlnacht Spuren hinterlassen. Angesichts des sich anbahnenden Sieges Trumps hatte der Euro im Nachthandel massiv aufgewertet. Um mehr als anderthalb Prozent ging es dabei rauf über die 1,12 Dollar-Marke. Mit Europas Handelsstart beruhigte sich die Lage für die Gemeinschaftswährung wieder – und das obwohl Trump nun doch das Rennen gemacht hat.

XAU/EUR

WKN
ISIN
XC0009655157
Börse
XRATE

+0,37 +0,04%
+1.050,92€
Chart von XAU/EUR
Gold
4 von 6

Der Vorsprung Hillary Clintons im Vorfeld des Wahltags hatte den Goldpreis unter Druck gesetzt. Mit dem Triumph des Immobilien-Tycoons nun die Wende: Das Edelmetall, ein zuverlässiger Indikator für die Verunsicherung an der Börse, schoss über die 1300-Dollar-Marke je Feinunze.

S&P 500 - CME

WKN
ISIN
XC0009690048
Börse
CME

-3,10 -0,11%
Chart von S&P 500 - CME
S&P 500 Futures
5 von 6

Experten prognostizierten für die Wall Street Ausschläge von bis zu zwei Prozent – unabhängig vom Wahlausgang. Aktuell scheint es, als ob die Profis recht behalten. Die Futures für den breiteren der beiden US-Leitindizes, den S&P-500, verloren zwei Prozent. Die Derivate geben einen Vorgeschmack darauf, wie die US-Börsen am Mittag eröffnen werden.

Anm.: Die Daten des S&P Futures aktualisieren sich in dieser Darstellung mit Zeitverzögerung.

ESTX BANKS INDEX (PRICE) (EUR)

WKN
ISIN
EU0009658426
Börse
DJSTOXX

-0,19 -0,17%
0,00€
Chart von ESTX BANKS INDEX (PRICE) (EUR)
Europäische Banken
6 von 6

Die Geldhäuser der Eurozone standen ganz oben auf den Verkaufsblöcken der Händler. Die Branche sieht sich durch Trumps Wahlsieg mit gleich mehreren Problemen konfrontiert. Zum einen befürchten Investoren mit der neuen US-Führung eine härtere Gangart in der Aufarbeitung von Rechtswidrigkeiten aus der Finanzkrise – die Deutsche Bank ringt immer noch um eine Reduktion der ausgerufenen Strafzahlung von 14 Milliarden Dollar. Zum anderen sehen Anleger die Kapitalbeschaffung in Zeiten zunehmender Verunsicherung erschwert – auch das trifft vor allem Deutschlands größtes Geldhaus.

Und das könnte nun mit Trump anders werden?
Er hat zum Beispiel Investitionen der Regierung in die Infrastruktur angekündigt, also mehr Staatsausgaben. Das könnte der Wirtschaft mehr helfen, als die andauernde Niedrigzinspolitik. Das würde auch der Stimmung helfen. Zugegeben, die Aktienmärkte sind zwar unter Obama stark nach oben gegangen, aber davon hatten die einfachen Leute nichts. Sollte die Realwirtschaft nun stärker in Schwung kommen, würde das allen zugutekommen, am Ende wohl auch den Aktienmärkten. Und ich erwarte auch, dass die Zinsen wieder steigen.

Aber Trumps Pläne klingen sehr protektionistisch.
Wir können nicht in die Zukunft schauen, ich denke aber mal, dass Trump viele Sprüche gemacht hat, er kann den Welthandel jetzt nicht einfach zurückdrehen. Die „Wall“, die Mauer nach Mexiko, zum Beispiel, an die glaube ich nicht. An der Grenze gibt es schon Zäune, eine Mauer wird er nun bestimmt nicht bauen. Ich glaube nur an eine „Wall“, und das ist „Wall“ Street, (lacht). Die hat schon viele Präsidenten überlebt. Übrigens:  so ultrarechts ist er gar nicht. Er war viele Jahre Demokrat.

Trotzdem hat er im Wahlkampf neue wirtschaftspolitische Töne angeschlagen.
Er wird wohl die Gesundheitsreform wieder zurückdrehen und dürfte den Energieriesen und Ölkonzernen mehr Unterstützung geben. Fracking, die Ölgewinnung in den USA dürfte er unterstützen. Aber die erneuerbaren Energien werden bleiben.

Was heißt das für die Aktien?
Davon könnten Pharmawerte profitieren und der Energiesektor, und natürlich könnte es auch mit allen Werten nach oben gehen, die mit Infrastruktur zu tun haben. Bauindustrie, Eisenbahngesellschaften, Flugzeugbauer.  Ich glaube auch, dass der Dollar aufwerten wird, davon dürften dann auch große ausländische  Konzerne, wie etwa Siemens profitieren. Es wird mit Sicherheit noch Überraschungen geben und eine hohe Volatilität. Auch für uns hier geht auch in der neuen Konstellation das Leben weiter. Wir werden nicht untergehen.

Herr Weisberg, vielen Dank für das Gespräch.

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