Nicht immer nur Angsthasen Wie deutsche Anleger wirklich ticken

Längst nicht alle Privatanleger in Deutschland sind Feiglinge und gebrannte Kinder des Neuen Marktes. Aber selbst eingefleischte Aktienfans brauchen bessere Beratung, denn auch ihre Performance ist nicht überragend.
16 Kommentare
Banknoten:  Aktive Anleger investieren sie in Aktien. Quelle: dpa

Banknoten: Aktive Anleger investieren sie in Aktien.

(Foto: dpa)

Wenn es um ihre Geldanlage geht, sind die Deutschen unselbstständig und risikoscheu. Sie vertrauen ihrem Bankberater blind und sind allergisch gegen Aktien – soweit das Klischee. Die Realität sieht anders aus, zumindest ein bisschen. Eine kleine Gruppe, zugegeben eine Minderheit, nimmt die Geldanlage selbst in die Hand, sie trotzt dem Zinstief und investiert in Aktien und Fonds.

Solche wertpapieraffinen Anleger sind nicht die typischen Privatanleger, das bestätigt auch Marc Tüngler. Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) hat am Dienstag in Frankfurt den aktuellen Aktionärskompass vorgestellt. Für diese Studie hat ein Forscherteam der FOM Hochschule Essen nun schon zum zweiten Mal Teilnehmer von DSW-Informationsveranstaltungen, den sogenannten Anlegerforen, befragt.

Wer ein solches Forum besucht, der hat bereits Geld in Aktien und Fonds investiert oder interessiert sich zumindest dafür. Ganz anders der Durchschnittsdeutsche: 55 Prozent geben noch immer das Sparbuch – inklusive Spareinlagen und Banksparplänen – als bevorzugte Geldanlage an. „Das ist schlichtweg eine Katastrophe“, wertet Tüngler. 42 Prozent legen ihr Geld auf dem Girokonto an, 37 Prozent nutzen einen Bausparplan und 36 Prozent setzen auf eine Renten- oder Kapitallebensversicherung. „All diese Anlageformen sind nicht gerade als Renditebringer verschrien“, sagt Tüngler.

Für Aktienfonds begeistern sich von den Bundesbürgern gerade mal 21 Prozent, direkt in Aktien investieren rund 15 Prozent. Darüber können die Besucher der Anlegerforen wohl nur lachen: Satte 95 Prozent gaben an, Aktien im Depot zu haben und knapp 54 Prozent haben Aktienfonds. Im Vergleich zum Vorjahr sind diese Zahlen sogar noch einmal leicht gestiegen.

Dass sich eine solche Aktienkultur auch auf den Rest der deutschen Bevölkerung ausweitet, ist nicht absehbar. Schuld daran ist nach Einschätzung von Tüngler auch die Politik: „Sie sorgt dafür, dass das Geld auch in Zukunft zum Großteil in Anlageformen landen wird, deren Rendite nicht einmal ausreicht, um das Kapital zu erhalten“, sagt er.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Produktinformation in der Kritik
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Nicht immer nur Angsthasen - Wie deutsche Anleger wirklich ticken

16 Kommentare zu "Nicht immer nur Angsthasen: Wie deutsche Anleger wirklich ticken"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Im Fokus seiner Kritik stehen dabei die Produktinformationsblätter (PIB). Ein Bankberater darf den Kauf von einzelnen Aktien nur dann empfehlen, wenn zu den Papieren ein solches Produktinformationsblatt existiert, ansonsten ist die Beratung gesetzlich verboten. In der Praxis gibt es zu einzelnen Aktien oder auch zur Aktienanlage allgemein aber wenige solcher PIB. „Es soll sie geben, aber ich habe tatsächlich noch keine gesehen“, sagt Tüngler."

    Sorry, aber so eine Aussage vom Hauptgeschäftsführer der DSW geht ja gar nicht. Soll er mal zu seiner Hausbank gehen....

  • interessiert mich! Können Sie mir mal nähere Details hierzu geben?
    Danke

  • Unterdessen in Europa, haben die Deutschen nur geerntet, was sie in Griechenland und anderswo gesät haben. Letztes Jahr in Griechenland hat der Präsident der PASOK Evangelos Venizelos versprochen dass es seien nicht schaden würden den Sparer Anleihegläubiger. Aber die Anleihegläubiger, auch die kleinsten, haben 53,5% ihres Geldes sofort verloren und nun müssen bis 2042 warten, um den Rest ihres Kapitals zu erhalten. Das war PSI. Jetzt haben solche Anleihen 20% des Nennwerts die vor PSI hatten. Somit 15000 armen und hilflosen Griechen werden von der griechischen Regierung recht ab dem ersten Euro beraubt. Ohne die Garantie für 100.000 Euro, die in Zypern gab. Was war die Rolle von Deutschland in das alles? Was sind Worte wert, wenn sie Sicherheit versprechen zumindest für die Armen und die Kleinen? Was ist Europa wert? Wörter ...
    http://www.youtube.com/watch?v=cjllkUXpXF4

  • Ja Beratung von Investmentbankstern, die ohne die Gelddruckmaschine der EZB und die ständigen Rettungsaktionen durch den Steuerzahler schon längst alle ihr Unternehmen in zu grunde gewirtschaftet hätten.

    Ganz bestimmt brauchen die sicherheitsbewußten und nicht zockenden deutschen Anleger Beratung von Commerzbank und Co - investiert in HRE, kauft Lehmann Zertifikate, jetzt Schifffonds, ... STUPID GERMAN MONEY!

    Die Zukunft dieser Gelddrogenjunkies und ihrer Zombiebanken und Ponzi-Schema Zockereien ist klar vorgezeichnet. Für einen Entzug ist es bereits lange zuspät und die angerichteten Schäden im System sind irreparabel. Aktuell wird mit einer Geldspritze nach der anderen nur die Schmerzen unterdrückt und irrealle Wahnvorstellungen (Blasen) erzeugt.

  • Im Reich der Kontroll- und Steuerungsillusionen ist alles planbar. Sie unterliegen hier einem allzu menschlichen Fehlschluss: wer viel Arbeit in ein Thema steckt, will den Erfolg natürlich diesen Anstrengungen zuschreiben. Ich wünsche Ihnen den dauerhaften Erfolg, aber ich muss Sie warnen: Sie sind ein Opferkandidat für den nächsten schwarzen Schwan (mit oder ohne stopp loss, mit oder ohne hedging)!

  • Für Alle, die hier nur Ihre Rendite oder die Rendite von Indices (=ETF)als alleiniges Kriterium anführen, ist vielleicht auch mal eine Risikobetrachtung interessant. Vielleicht ist ein aktiv gemanagter Fonds auf den zweiten Blick besser, da er z.B. eine geringere Vola aufweist. In einem Aufwärtsmarkt liege ich vielleicht mit einigen Einzelwerten besser, aber im Vergleich zu welchem Risiko?
    Aber auch für die Betrachter der reinen Performance gibt es Beispiele von guten aktiven Managern, z.B. DWS Deutschland vs. DAX, trotz Kosten mit einer Outperformance von 16,04% auf 3 Jahre und 33,15% auf 5 Jahre. Ich kann die Verteufelung von Fonds einfach nicht nachvollziehen.

  • @th235
    Glück ist etwas für Menschen, welche planlos leben. Erfolg ist in allen Lebensbereichen planbar. Es erfordert aber den Willen und Einsatz sich damit zu beschäftigen.

    @Benchmark
    In 2011 waren es 8,22% nach Steuern.

  • @Thomas
    ... sorry ich meinte 2011. Danke

  • @Thomas
    ... und wie war Ihre Rendite in 2010?

  • Share
    Bitte lest den Artikel auf der Online-Seite von "Mehr Schein als Sein". Das spricht doch vieles gegen die Manager, die selbst alles unter den Tisch kehren und nach außen hin so Tun, als wäre es von "Gold". Damit ist die Bilanz gemeint. Was sich dahinter verbirgt, ist schlichtweg ein Haufen Dynamit. Das zeigen die Beispiele mit dem Praktiker-Markt oder der IVG. Davor schon die Pfleiderer AG. Was macht man als Kleinaktionär, wenn die Vorstände mit den Bankern kungeln und die Banker für die Gewährung eines Kredites Provisionen verdienen, die sie nicht versteuern brauchen und der Vorstand Größenwahnsinnig wird. Dann nur zukaufen, hilft die operationalen Ziele im Unternehmen zu erreichen, nicht aus. Der Erfolg muss durch eigene Leistungen, also durch inneres Wachstum, erreicht werden. Doch davon sind die heutigen Vorstände weit entfernt. Was heisst, das jedes Unternehmen in den Sand gesetzt werden kann, ohne dass ein Kleinaktionär eingreifen kann. Da helfen keine Optionsscheine, andere Zertifikate und auch kein ausgeklügeltes Anlageverhalten, sondern nur Glück dazu, wie im Lotto. Alles anderes ist doch ein Vorgauckeln von Tatsachen. Auch die von "Thomas" angegebenen Gewinne nach Steuern u.a.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%