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Ölmarkt-Boom Russlands Milliardäre werden immer reicher – und überholen Deutsche und Amerikaner

Der Ölpreis-Boom spült mehr und mehr Geld in die Kassen russischer Milliardäre. Anders sieht es für russische Normalbürger aus. Sie ziehen Geld von den Banken ab.
Update: 18.10.2018 - 16:49 Uhr Kommentieren
Während die reichsten Russen ihr Vermögen steigern, wird Luxus für die breite Bevölkerung immer unerschwinglicher. Quelle: dpa
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Während die reichsten Russen ihr Vermögen steigern, wird Luxus für die breite Bevölkerung immer unerschwinglicher.

(Foto: dpa)

DüsseldorfWenn es um das Vermehren des eigenen Vermögens geht, sind die russischen Milliardäre Weltspitze – allen Sanktionen durch die USA und Europa zum Trotz. Das zeigen Daten des Finanznachrichtendienstes Bloomberg. Demnach konnten die zehn reichsten Russen ihr Vermögen auf Jahressicht um 10,8 Prozent steigern – und lagen damit noch vor den Amerikanern (plus 7 Prozent) und Briten (plus 3,4 Prozent).

Dagegen konnten die zehn reichsten Deutschen ihr Vermögen nicht vermehren. Im Gegenteil. Die Vermögenswerte von Susanne Klatten, Stefan Quandt und anderen reichen Deutschen sanken den Bloomberg-Zahlen zufolge um insgesamt 14,8 Prozent. Nur den chinesischen Milliardären erging es schlechter: Das Vermögen der zehn reichsten Chinesen verringerte sich um satte 27,6 Prozent – was unter anderem am Ausverkauf von Tech-Aktienwerten und sinkenden Immobilienpreisen gelegen hat.

Dass gerade die Russen bei der Vermögensbildung zulegen, liegt am Öl. So verteuerte sich der Preis der Nordseesorte Brent im Jahresvergleich um 38 Prozent, zeigen Daten von Reuters. Anfang Oktober übersprang der Barrel-Preis die 85-Dollar-Marke und war damit so hoch wie zuletzt 2015. Auch die Texas-Sorte WTI verzeichnete einen soliden Preisanstieg von 36 Prozent im Jahresvergleich.

Die Verteuerung von Öl wirkt sich auch auf das Vermögen der russischen Milliardäre aus. Viele von ihnen sind stark im Ölmarkt engagiert: So ist zum Beispiel der laut Bloomberg reichste Russe, Leon Mikhelson, Chef des russischen Gasherstellers Novatek und zugleich Aktionär des Petrochemie-Produzenten Sibur. Mit einem Plus von 4,37 Milliarden US-Dollar verzeichnete er das stärkste Vermögenswachstum unter den russischen Milliardären.

Ebenfalls unter den Gewinnern: Wagit Alekperow, Gründer und Chef des Mineralölkonzerns Lukoil. Dessen Vermögen stieg um 3,55 Milliarden Dollar – das waren im Jahresvergleich rund 28 Prozent mehr. Allerdings wuchs das Vermögen des Milliardärs nicht so stark wie der Börsenwert seines Konzerns: Die Lukoil-Aktie gewann in den letzten zwölf Monaten 58 Prozent.

Dass die russischen Milliardäre immer reicher werden steht im starken Kontrast zu der gesamtwirtschaftlichen Situation des Landes. Den am Mittwoch veröffentlichten Daten der russischen Statistikbehörde „Rosstat“ zufolge hat sich das real verfügbare Einkommen der Russen im September im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,5 Prozent verringert.

Das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit der Banken sinkt

Dabei sind die Löhne der Arbeitnehmer im gleichen Zeitraum real gewachsen – was wiederum auf einen Rückgang bei sonstigen Vermögensquellen, etwa Einkommen aus Unternehmenstätigkeit und Kapitalerträge schließen lässt.

Dass die wirtschaftliche Situation russischer Normalbürger alles andere als rosig aussieht, zeigt sich auch an ihren Ersparnissen. So haben russische Sparer einem Bericht der russischen Zentralbank zufolge zwischen August und September Geldbestände im Volumen von 1,7 Milliarden US-Dollar von ihren Konten abgezogen. Bedenklich ist vor allem, dass die Bevölkerung nicht nur in Fremdwährung gehaltene Ersparnisse abzieht, sondern auch die in Rubel gehaltenen Vermögen.

Dass die Russen bereit sind, ihre Ersparnisse aufzubrauchen, erklären zwei Faktoren: Da ist zum einen das sinkende Vertrauen in die Funktionsfähigkeit der Banken – in der Vergangenheit mussten mehrere der Institute staatliche Hilfen beantragen. Zum anderen ziehen die russischen Sparer es vor, lieber heute als morgen zu konsumieren, weil der Rubel entwertet.

Daten von Rosstat zufolge betrug die Jahresinflation in Russland 3,9 Prozent – Tendenz steigend. Hinzu kommt, dass die Landeswährung gegenüber Dollar und Euro – auch wegen drohender US-Sanktionen – zuletzt abgewertet hat. So gewann der Dollar gegenüber dem Rubel im Jahresvergleich gut 14 Prozent; der Euro 11 Prozent.

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