Ölpreisverfall und die Folgen Die russische Angst vor einem neuen Staatsbankrott

Russische Politiker schlagen wegen des ungebremsten Ölpreisverfalls Alarm und warnen vor einem neuen Staatsbankrott. Noch bleiben Analysten gelassen. Ausgerechnet Russlands Ölkonzerne könnten die Pleite verhindern.
31 Kommentare
Abwarten und Teetrinken könnte sich für Russland-Anleger als eine gute Strategie erweisen. Quelle: IMAGO
Trotz eisiger Zeiten

Abwarten und Teetrinken könnte sich für Russland-Anleger als eine gute Strategie erweisen.

(Foto: IMAGO)

MoskauDer Zweckoptimismus in der russischen Regierung ist verflogen: Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew sprach auf dem renommierten Gaidar-Wirtschaftsforum in Moskau von einer neuen Wirtschaftsrealität, der sich Russland anzupassen habe. Finanzminister Anton Siluanow warnte angesichts der niedrigen Ölpreise gar vor einer Wiederholung des Staatsbankrotts 1998, wenn sich Russland keine Haushaltsdisziplin auferlege.

Für Anleger sind solche Aussagen eine ernst zu nehmende Warnung. Die Risiken in Russland steigen, doch für Panik ist es noch zu früh: Der jetzige Ölpreis von rund 30 Dollar pro Barrel (159 Liter) ist schmerzhaft für die ausgabenfreudigen Etatverwalter in der russischen Führung, für die Ölkonzerne ist das Niveau nicht kritisch.

Rosneft-Sprecher Michail Leontjew erklärte, bei einem solchen Preis könne der Konzern sogar seine Pläne zur Erschließung der Küstenlagerstätten fortsetzen. Rosneft-Präsident Igor Setschin hatte die reinen Förderkosten des Unternehmens im Herbst auf vier Dollar pro Barrel beziffert.

Die Ölpreise müssen wieder steigen!

Branchenkonkurrent Lukoil wird bei dem aktuellen Ölpreis die Investitionskosten um 20 Prozent senken, sickerte aus Konzernkreisen durch. Aber auch hier sind die aktuellen Gewinne bei einem Förderpreis von 3,68 Dollar pro Barrel nicht in Gefahr.

Russische Ölkonzerne seien unempfindlich gegenüber Preisschwankungen beim Ölpreis, heißt es in einer Marktanalyse von Merrill Lynch. Ihnen helfe der im Verbund mit dem Ölpreis fallende Rubelkurs und das flexible Steuersystem. Tatsächlich ist das Steuersystem in Russland so gestaltet, dass der Staat den Löwenanteil der Gewinne einbehält. Bei fallenden Preisen trage er dann aber auch die höchsten Risiken, räumt Vizepremier Arkadi Dworkowitsch ein.

Die großen Ölkonzerne bleiben daher auch bei einem Preis von 15 Dollar pro Barrel in der Gewinnzone, sagte Ildar Dawletschin, Analyst von „Renaissance Capital“. Größtes Risiko für sie ist eine Änderung der Besteuerungsgrundsätze, weil dem Kreml die Einnahmen wegfallen. Die Gefahr einer Firmenpleite besteht bei den börsennotierten Konzernen allerdings nicht, meint Anton Rubzow von Vygon Consulting.

Ein Opfer des Ölpreisverfalls steht aber schon jetzt fest: Der Rubel. Schon im Dezember hat er rund zehn Prozent seines Wertes gegenüber den Leitwährungen Euro und Dollar eingebüßt. Die Talfahrt wird nach Ansicht der meisten Analysten weitergehen. „Wenn wir der Ölpreis weiter in Richtung 25 Dollar pro Barrel sinkt, werden wir sehr wahrscheinlich schon in diesem Frühjahr einen Kurs von 100 Rubel pro Dollar sehen“, prognostiziert Alexej Antonow, Analyst von „Alor Broker“.

Das dürfte die Inflation erneut ankurbeln in Russland, was die Zentralbank vor Probleme stellt. Um die Wirtschaft anzukurbeln, müsste sie die Zinsen senken, doch die steigende Inflation bindet ihr die Hände. So wird sie wohl weiter am hohen Leitzins festhalten.

Bei Aktien ist Geduld gefragt
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

31 Kommentare zu "Ölpreisverfall und die Folgen: Die russische Angst vor einem neuen Staatsbankrott"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Russland hat viel Zeit verschwendet genauso wie China.
    Man hätte schon längst die freie soziale Marktwirtschaft (Ludwig Erhard) einführen sollen. Wissenschaft ,Forschung und einen Mittelstand aufbauen und den Industriesektor modernisieren.

  • Herr Spiegel, vorsicht mit dem Alkohol vor acht.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Herr Vinci Queri@
    Sie zerstören den wahren Glauben am Widerstand gegen das System, wie soll es nur weitergehen. Christus ist tot, Mohammed ist tot, Staufenberg............. und mir ist auch schon ganz schlecht. ?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte verwenden Sie keine Zitate ohne Quellenangabe und bleiben Sie sachlich.

  • Nein, ich bin kein Fan von Putin und nein, ich halte Putin auch nicht für einen luprenreinen Demokraten.
    Ich halte ihn für einen Bösewicht.
    Allerdings, und jetzt kommts, wenn Russland erneut in den Staatsbankrott rauscht, muss damit gerechnet werden, dass Putin entmachtet wird.
    Doch mit denen, die Putin dann ersetzen würden, könnte es viel schlimmer kommen.
    Noch furchtbarer wäre es, würde Russland anschließend führungslos.
    Deutschland und die EU brauchen Putin jedoch, also sollten im Eigeninteresse der genannten Institutionen Notfallmaßnahmen ausgearbeitet werden für den Fall, das Russland stabilisiert werden muss.

  • Denken Sie auch daran, daß die Perser demnächst ihr Öl wieder verkaufen können.
    Der Preis für Öl wird wieder fallen oder warum haben die USA den Persern erlaubt
    Ihr Öl zu verkaufen ? Klare Sache, die Bösen werden weiter bluten. 20 Dollar das Fass bis die Russen einknicken.

  • Aktuell werden weltweit 93mio bl/d gefördert und 91 mio. bl/d verbraucht. Durch diesen Angebotsüberschuss sinken die Preise ins Bodenlose. Für alle Erdölexportierenden Staaten wäre eine Angebotsreduzierung vorteilhaft. Russlands Einnahmen wären bei einer Förderung von 10Mio. bl/d zu 100$/bl. höher als aktuell 11 Mio. bl/d zu 30$/bl. Gleiches gilt für das Königreich Saudi Arabien, den Iran...

    Soweit mir bekannt handelt es sich in erster Linie um einen Konflikt zwischen Saudi Arabien, Russland und dem Iran. Saudi Arabien weigert sich als einziger Exporteur die Mengen zu kürzen, fordert die anderen Erdölexporteure auf sich an einer potentiellen Mengenreduzierung zu beteiligen und argumentiert, dass die anderen Kontrahenten mehr betroffen sind.

    Alle Beteiligten Staaten versuchen den Eindruck zu erwecken, dass ihnen die niedrigen Preise nichts ausmachen. Die Saudis spielen einen Verkauf von ARAMCO durch (potentieller Erlös 2 Billionen!!! $).

    Meines Erachtens ist Russland in der schlechtesten Situation. Die anderen Exportprodukte Russlands, Erdgas (an den Erdölpreis gebunden), Kohle (Preis zusammengebrochen), Metalle sind gleichfalls zusammengebrochen. Auf der anderen Seite hat Russland einen sehr teuren militärischen Konflikt geführt und muss nun die Krim mit ernähren.

    Es stellt sich die Frage wann Russland massive Kürzungen des Staatshaushalts einleiten muss, ggf. den Konflikt mit der Ukraine beenden muss.

  • ..... lauter wirres Zeug

    Was soll uns das sagen?

  • Gemach, gemach,
    meine lieben Russland-Experten!
    Sie alle hier tun so als ob Russland wirtschaftlich schon immer bestens gestanden hatte. Und als ob den teilweise märchenhaftes Reichtum mancher Großstadtbürger
    auf alle und auf ganzes Land übertragen kann. Von all dem ist alleine das Gegenteil wahr. Sie brauchen ja nur das euren Idols Putin Lamento anzuhören, welches er selbst immer wieder über die allgemeine Misswirtschaft, allgegenwärtige Korruption und administrative Willkür seines Landes beklagt.. Von amerikanischen Pionieren auf allerneuesten technologischen Gebieten, wie Musk zB., ist weit und breit nichts zu sehen. Das trifft leider auch auf kleine Firmengründer zu der ehrlich, dh. unabhängig vom verlogenem Moskauer System, sich einen Wohlstand erarbeiten möchte.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%