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Oppenheim-Investmentexperten „Gold macht im Portfolio wenig Sinn“

Die beiden neuen Chef-Anlagestrategen von Sal. Oppenheim, Lars Edler und Frank Kosiolek, fahren die Aktienquote hoch. Im Interview sprechen sie über Investments im Mai, den PC als Entscheidungshilfe und die Nachteile von Gold.
16.05.2016 - 08:08 Uhr
Die beiden Chief Investment Officers sind neu im Amt, an der bewährten Strategie halten sie fest. Quelle:
Frank Kosiolek (l.) und Lars Edler

Die beiden Chief Investment Officers sind neu im Amt, an der bewährten Strategie halten sie fest.

Köln Tradition wird beim Bankhaus Sal. Oppenheim groß geschrieben. Im Stammhaus in Köln trifft Vergangenheit auf Zukunft, Altes auf Modernes. Inmitten von vielen Kunstwerken aus verschiedenen Epochen sprechen die beiden neuen Chief Investment Officer des Hauses, Lars Edler und Frank Kosiolek, über ihre neue Position, über Kontinuität und eine veränderte Investmentwelt.

Sie sind neu im Amt, was ändert sich in der Anlagestrategie von Sal. Oppenheim?
Lars Edler: Nicht viel. Wir sind beide schon lange im Bankhaus und haben uns auch schon vor unserer Berufung mit der Anlagestrategie beschäftigt. Zudem ist Sal. Oppenheim ein Haus, das sich eng an Prozessen orientiert und weniger an Personen, auch wenn hinter den Prozessen letztendlich Personen stehen, die sie entwickeln.

Aber Prozesse kann man natürlich verändern oder anpassen…
Edler: Das ist auch das vornehmliche Recht jedes Chefanlagestrategen, so dass man in Nuancen auch Unterschiede merken kann. Aber wir arbeiten schon so lange mit dem CEO und bisherigen Chief Investment Officer Wolfgang Leoni zusammen, dass es keine Sprünge in der Anlagepolitik geben wird.

Quantitative Fondsmanager wie Sie analysieren mit Computern Aktien nach fundamentalen Kennzahlen. Wie sieht der Anlageprozess aus?
Frank Kosiolek: Der Computer ist lediglich ein Hilfsmittel, das es uns erlaubt, objektiv, schnell, effizient und strukturiert vorzugehen. Wir sind aktive Manager. In der Theorie geht man von effizienten Märkten und von rationalen Menschen aus, aber die Menschen sind nicht rational, sondern normal. Also gibt es auch keine effizienten Märkte. Und damit gibt es die Möglichkeit, eine Überrendite zu erzielen, also besser abzuschneiden als der Markt. Dabei muss man natürlich aufpassen, dass man Fehler vermeidet und dazu braucht es einen Anlageprozess, der festen Regeln folgt. Wir entscheiden nicht aus dem Bauch heraus.

Worauf basieren diese festen Regeln?
Kosiolek: Als quantitative Fondsmanager werten wir fundamentale Daten aus. Und dabei greifen wir auf neueste Technik und neueste wissenschaftliche Methoden zurück. Wir sind beide Ökonomen und schauen uns natürlich nicht den Wasserstand des Rheins an, um Kursprognosen abzugeben – da braucht es schon ökonomische Vernunft.

Wie schätzen Sie die aktuelle Marktlage ein?
Edler: Wir bauen das Risiko gerade wieder etwas aus und erhöhen die Aktienquote.

Also kein „Sell in May and go away“?
Edler: Das ist eine Strategie, die nicht funktioniert. Wenn Sie sich auf Sicht von 30 Jahren die Monatsentwicklungen anschauen, dann ist der Mai mitnichten der schlechteste Monat. Es ist eher so, dass man im August und September nicht investiert sein sollte und dann im Oktober wieder einsteigen sollte, wenn man diesen Zahlen glaubt.

Dieses Jahr könnte die Börsenweisheit aber funktionieren…
Edler: Natürlich haben wir eine Menge Risiken vor der Brust. Wir diskutieren ausführlich das Thema Brexit. Das wird am Kapitalmarkt in den kommenden Wochen natürlich eine Rolle spielen. Wir diskutieren die anstehenden Neuwahlen in Spanien und die Situation in Griechenland. Der Zustand der Weltwirtschaft ist auch ein Thema. Das sind alles gewisse Risiken, aber als aktiver Manager ist es natürlich auch wichtig, die Risiken in Opportunitäten zu verwandeln.

Kommt der Brexit?
Edler: Wir glauben, dass Großbritannien in der Europäischen Union verbleibt. Deshalb ist es nur konsequent, auch einige Positionen im englischen Aktienmarkt aufzubauen, wenn möglich auch in Landeswährung. Das Thema Brexit wird am ehesten über den Währungsmarkt gespielt.

Erwarten Sie steigende Nervosität und stärkere Kursschwankungen im Vorfeld der Abstimmung?
Kosiolek: Auf der einen Seite steigt die Nervosität, auf der anderen Seite ist bisher nicht sehr viel eingepreist vom Brexit. Die Hedgefonds etwa haben lange Zeit nicht auf den Brexit gewettet. Die Angst davor dem spürt man derzeit am ehesten an der Währung.

Britische Standardwerte haben zuletzt vom schwachen Pfund profitiert.
Kosiolek: Stimmt, der Euro Stoxx und der Stoxx haben sich in diesem Jahr relativ ähnlich entwickelt.

Der Leiter Portfoliomanagement hat die Aktienquote jüngst erhöht. Quelle:
Frank Kosiolek

Der Leiter Portfoliomanagement hat die Aktienquote jüngst erhöht.

Ein Risiko für die kommenden Monate ist sicherlich auch der Rückgang des Wirtschaftswachstums in China. Anfang des Jahres haben diese Sorgen einige Turbulenzen ausgelöst. Etwas zugespitzt gefragt, wie groß ist die Gefahr, dass China die Welt in den Abgrund reißt?
Edler (lacht): China hat natürlich das Potenzial, alles Mögliche in den Abgrund zu reißen, um zugespitzt zu antworten. Es gibt einige Unsicherheitsfaktoren: Die chinesische Wirtschaft entwickelt sich von einer Industrie- zu einer Dienstleistungsgesellschaft. Die Konjunkturindizes, auf die wir früher geschaut haben, funktionieren nicht mehr. Sie führen dazu, dass wir das tatsächliche Wachstum in China vielleicht sogar unterschätzen. Die Zahlen, die wir offiziell geliefert bekommen, überschätzen das Wachstum vermutlich. Also wird die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegen. Wir haben dort wahrscheinlich immer noch ein auskömmliches Wachstum, aber es ist nicht mehr so groß wie früher. Was nach so vielen Jahren mit hohen Wachstumsraten auch normal ist.

Der Markt hat also überreagiert und die Konjunktursorgen waren übertrieben?
Edler: Wir reden von einem Rückgang, nicht von einer Korrektur im Sinne von Negativwachstum. Das wird am Markt aber sehr emotional wahrgenommen. Natürlich ist China wichtig für die gesamte Weltwirtschaft. China hat über die vergangenen Jahre sehr, sehr viel für die Weltwirtschaft und das internationale Finanzsystem getan und unter anderem dafür gesorgt, dass es nicht zu einem Abwertungswettlauf kam. Jetzt normalisieren sich die Wachstumsraten langsam und nun müssen andere in die Bresche springen und die Lücken füllen.

Wer könnte das sein?
Edler: Der amerikanische Konsument, aber auch der europäische Konsument. Da sehen wir ja auch positive Impulse.

Also geht von China keine Gefahr für die Märkte aus?
Edler: Die schiere Größe macht China gefährlich. Wenn dort die Wachstumsrate von sechs auf fünf Prozent herunter kommt, hat das natürlich Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Aber es besteht derzeit keine Gefahr, dass China die Weltwirtschaft in den Abgrund reißt.

Auch der Ölpreis hat in den vergangenen Monaten einige Kapriolen geschlagen. Geben Sie auch hier Entwarnung?
Edler: Rohstoffe sind traditionell extrem volatil. Die Entwicklung Anfang des Jahres war natürlich dramatisch, aber ich glaube, wir haben den Boden beim Ölpreis gesehen. In Anbetracht der Kapazitäten in der Ölförderung und der aktuellen Lagerhaltung glaube ich aber auch, dass der Lauf nach oben gedeckelt sein wird. Mit Sicht auf zwölf Monate sehe ich den Ölpreis nicht höher als 50 oder 55 Dollar.

Ein Dax-Plus von zehn Prozent ist möglich
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