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Präsidentschafts-Vorwahl Investoren fürchten Linkspopulisten: Argentinischer Peso bricht ein

Nach dem Vorwahlsieg von Alberto Fernández muss sich Argentinien wohl auf eine linkspopulistische Regierung einstellen. Die Investoren im Land reagieren geschockt.
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Die argentinische Währung ist auf ein Rekordtief eingebrochen. Quelle: dpa
Kurs des Pesos

Die argentinische Währung ist auf ein Rekordtief eingebrochen.

(Foto: dpa)

Salvador Der schlechte Ruf von Argentiniens Wahlforschern wird sich wohl so schnell nicht ändern. Kein Institut hat bei den Präsidentschafts-Vorwahlen am Sonntag einen so klaren Sieg des Oppositionskandidaten Alberto Fernández vorhergesehen. Der 60-jährige Anwalt kam auf 47 Prozent der Stimmen, Amtsinhaber Mauricio Macri nur auf 32 Prozent.

Die Wahlforscher hatten im Schnitt nur einen hauchdünnen Vorsprung für den Oppositionskandidaten erwartet. Deswegen legte die Börse in Buenos Aires noch am Freitag acht Prozent zu. Der seit drei Monaten stabile Peso und auch das erholte Konsumentenvertrauen ließ es plausibel erscheinen, dass sich Macri von den Umfragetiefs im April erholt haben könnte.

Doch es sollte anders kommen, und entsprechend drastisch war die Reaktion der Märkte auf Überraschungssieger Fernández. Der argentinische Peso fiel im frühen Handel um 22 Prozent gegenüber dem US-Dollar auf ein Rekordtief.

Mehrere auf US-Dollar laufende Anleihen des Landes standen unter Druck. Der Preis für einen 2028 fälligen Bond fiel auf 59 Cent pro Dollar von 77 Cent am Freitag. Der Ausverkauf am Montag ließ die Rendite auf 14,3 gegenüber zehn Prozent Ende letzter Woche steigen.

Die Rendite von kurzlaufenden Staatsanleihen mit Fälligkeit 2021 stieg auf ein Niveau von rund 38 Prozent. Die Jahrhundertanleihe des Landes fiel um fast 17 Cent auf 56,4 Cent pro Dollar, der größte Rückgang seit Ausgabe der Anleihe im Jahr 2017.

Die Hoffnung, dass der liberal-konservative Macri nun in zweieinhalb Monaten den hohen Rückstand wieder aufholen könnte, ist gering. Selbst wenn man alle Stimmen der rechten und Mitte-Kandidaten bei den Vorwahlen zu Macri addieren würde, könnte er schon im ersten Wahldurchgang verlieren.

Katerstimmung in Buenos Aires

Die Investoren treibt vor allem die Furcht vor wirtschaftspolitischen Veränderungen unter einem Präsidenten Fernández. Ein Wechsel in der Wirtschaftspolitik sei nun wahrscheinlich, sagt Diego Pereira von JP Morgan. Für die Investoren wäre das eine Katastrophe, wenn wieder eine links-populistische Wirtschaftspolitik wie bereits vor Macris Amtszeit dominieren würde.

Seine wirtschaftspolitischen Pläne hat Fernández bisher nur in Ansätzen dargestellt: Er will die Arbeits- und Finanzreformen zurückdrehen und das Abkommen mit dem IWF noch mal „besser“ verhandeln. Der Fonds hat Argentinien vor einem Jahr den größten Kredit in seiner Geschichte in Höhe von 57 Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt, um den Peso zu stärken und Zeit zu gewinnen, das hohe Haushaltsdefizit abzubauen.

Die Ausrichtung einer Regierung unter Fernández entscheidend mitbestimmen dürfte wohl seine potenzielle Vizepräsidentin: Cristina Fernández de Kirchner. Mit einem geschickten Schachzug hat die bei ihren Anhängern so beliebte wie bei den Gegnern verhasste Linkspopulistin ihren ehemaligen Kabinettschef Fernández an die Spitze ihrer Koalition gestellt.

Denn sie selbst hätte mit ihren hohen Ablehnungsraten wohl kaum eine Chance bei Stichwahlen gehabt. Fernández war schon früher ein enger Vertrauter von Kirchner, ab 2003 war er Kabinettschef von Néstor Kirchner gewesen, Cristinas Gatte und Vorgänger als Präsident.

Fernández war dessen Macher hinter den Kulissen. Er schloss die Koalitionen, redete mit allen politischen Lagern, besorgte Néstor Kirchner die Mehrheit im Kongress und organisierte auch den Wahlkampf für Gattin Cristina. Als Kabinettschef ihrer Regierung wurde er nach nur einem Jahr geschasst.

Danach kritisierte er seine ehemalige Chefin als undemokratisch und als Lügnerin. Doch die politische Zweckmäßigkeit auf dem Weg zu einer neuen Regierung hat die beiden nun wieder zusammengebracht.

Reformer Macri ist am Ende

Für Amtsinhaber Macri hingegen ist der Ausgang der Vorwahlen eine Enttäuschung. Eigentlich hat der Unternehmer und Bürgermeister von Buenos Aires vieles richtig gemacht, um den Scherbenhaufen aufzuräumen, den ihm seine Vorgängerin hinterlassen hat. Er einigte sich mit den Gläubigern, öffnete das Land für Importe und Investoren, strich die Subventionen. Nur das hohe Haushaltsdefizit ließ er weitgehend unangetastet – in der Hoffnung, dass ausländische Kreditgeber und Investoren die Lücke füllen würden.

Das taten sie, wenn auch zögerlicher als erhofft. Dann sanken die Preise für Agrarrohstoffe auf dem Weltmarkt, eine Jahrhundertdürre folgte, der Peso begann zu schwächeln – und Macri musste vor einem Jahr beim Internationalen Währungsfonds um einen Hilfskredit betteln. Für seine Landsleute gibt es kaum eine Institution, die mehr verhasst ist als der Fonds aus Washington.

Seitdem kam nicht mehr viel vom Reformer Macri. Ihn trieb vor allem die Hoffnung, dass die in den ersten zwei Jahren seiner Amtszeit getätigten Investitionen endlich die Konjunktur ankurbeln und dass die Soja- und Rindfleischexporte für hohe Exporteinnahmen sorgen würden. So soll auch die Inflation sinken. Die Chancen sahen bis zuletzt gut aus, dass Macri die Wende doch noch hinbekommen könnte. Diese Zuversicht ist nun vorbei.

Die Argumente von Fernández und Kirchner sind einfach zu stark: Unter Macri ist Argentiniens Wirtschaft trotz der investorenfreundlichen Politik nur in einem Jahr gewachsen, in den drei anderen Jahren dagegen geschrumpft.

Auch die Inflation war im Juni mit 56 Prozent höher als unter seiner Vorgängerin Kirchner. Der Leitzins steht bei 60 Prozent, und das Haushaltsdefizit ist weiterhin mit 3,5 Prozent im Verhältnis zum BIP eines der höchsten weltweit. Der Peso hat gegenüber dem Dollar 40 Prozent verloren.

Mehr: Trumps Zolldrohungen gegen China führen zu Kapitalabflüssen aus den Schwellenländern. Das weckt Erinnerungen an die Währungskrise im vergangenen Jahr.

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