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Private Equity Der Trend geht zum Abschied von der Börse

Immer mehr Finanzinvestoren planen die Übernahme von Unternehmen, die sie von der Börse nehmen wollen. Schlechte Erfahrungen damit blenden sie aus.
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Morgan Stanley plant, den Wagonvermieter VTG von der Börse zu nehmen. Quelle: VTG
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Morgan Stanley plant, den Wagonvermieter VTG von der Börse zu nehmen.

(Foto: VTG)

FrankfurtWas verbindet Scout 24, Osram und VTG? Alle drei Firmen sollen von Finanzinvestoren übernommen werden. Beteiligungshäuser wollen beim börsennotierten Kleinanzeigenportal, dem Lichttechnikkonzern und dem Waggonvermieter zugreifen.

Sie verfügen aktuell über viel Kapital und scheuen nicht davor zurück, Konzerne vom Parkett zu nehmen. Lieber verdrängen sie schlechte Erfahrungen wie beim Medikamentenherstellers Stada, wo der Hedgefonds Elliott den Preis nach oben getrieben hatte und den Deal für die Finanzinvestoren Bain und Cinven teuer machte.

„Öffentliche Übernahmen sind ein bedeutender Trend in den nächsten Monaten. Scout ist ein gutes Beispiel dafür“, sagt Armin von Falkenhayn, Deutschlandchef der Bank of America. Dabei sind Private-Equity-Häuser wie Hellman & Friedman und Blackstone im Fall Scout 24 bereit, eine Milliardenbewertung zu akzeptieren. Übernahmekandidaten gibt es laut von Falkenhayn in allen deutschen Aktienindizes.

Seit der Finanzkrise 2008 stellt die Branche der Finanzinvestoren beim Geldeinsammeln einen Rekord nach dem anderen auf. Mittlerweile verwalten die Fonds weltweit 3,9 Billionen Dollar, wie das Analysehaus Preqin errechnet hat. Das nicht investierte Geld liegt bei 1,14 Billionen Dollar. In Europa schätzt Goldman Sachs das verfügbare Anlagekapital auf 189 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Der Haushalt der Bundesrepublik betrug zuletzt rund 344 Milliarden Euro. Die Investoren drängen darauf, die Mittel zu investieren.

Auf der Suche nach Profit

Getrieben vom Anlagenotstand und auf der Suche nach Profit, stürzen sich Pensionskassen, Versicherungen, Staatsfonds und Family Offices auf Beteiligungsfonds. Nur so können sie ihre eigenen Renditeversprechen halten. In den vergangenen zehn Jahren hat Private Equity eine Rendite von 10,8 Prozent jährlich erzielt, errechnet Preqin. Das konnte selbst der US-Index Standard & Poor’s nicht übertreffen.

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Die Finanzinvestoren, wozu in der Öffentlichkeit wenig bekannte Namen wie EQT, KKR, BC Partners und CVC zählen, kontrollieren einen großen Teil der deutschen Wirtschaft. Sie sind an über 5.000 Unternehmen beteiligt, beschäftigen rund 960.000 Mitarbeiter und setzen insgesamt 171 Milliarden Euro um, hat der Branchenverband BVK ausgerechnet.

Seit Stada hat es nach den Worten von Holger Knittel, Chef für Fusionen und Übernahmen (M&A) bei der US-Bank Citi in Deutschland, wenig Versuche gegeben, Unternehmen von der Börse zu nehmen.

Das ändert sich gerade. „In den vergangenen vier Monaten haben sich insbesondere Finanzinvestoren deutlich mehr Übernahmekandidaten angeschaut, die noch börsennotiert sind“, hat Knittel beobachtet. Die Finanzinvestoren suchten Investitionsmöglichkeiten, und bei einigen Firmen „sind die Bewertungen bei den derzeitigen Aktienkursen attraktiv“, betont er.

Im Durchschnitt lag die Bewertung der Aktien etwa im MDax, wo sich mittelgroße Unternehmen wie Scout 24 und Osram tummeln, Ende vergangenen Jahres beim 16,9-Fachen des Jahresgewinns. Ein Jahr zuvor sei es noch das 20,7-Fache gewesen, sagt Christopher Droege, Co-Head M&A bei Goldman Sachs in Deutschland. Bei den Firmen des SDax und des techniklastigen TecDax ist die Situation vergleichbar.

Das sind die Übernahmekandidaten

Als Kandidat für Übernahmen durch Beteiligungshäuser gilt in Finanzkreisen der Industriekonzern Gea, bei dem zuletzt der Hedgefonds Elliott für viel Aufregung gesorgt hat, so dass Vorstände gehen mussten. Außerdem wird der Industriedienstleister Bilfinger genannt, bei dem der Hedgefonds Cevian Capital kräftig mitmischt.

Gerresheimer sei als Hersteller für Verpackungen aus Glas und Kunststoffen der dritte Milliardenkonzern, bei dem Finanzinvestoren mit dem Gedanken an einen Kauf spielten, um das Unternehmen danach von der Börse zu nehmen. Alle drei Konzerne kommen zusammen auf eine Marktkapitalisierung von 7,5 Milliarden Euro.

Dass es inzwischen in Deutschland leichter fällt, Unternehmen von der Börse zu nehmen und damit dem Trend in den USA zu folgen, zeigt sich an der veränderten Struktur bei den Aktionären. Laut Tibor Kossa, Co-Chef M&A bei Goldman Sachs in Deutschland, hängen die Veränderungen vor allem mit dem Siegeszug der börsennotierten Indexfonds (ETF) von Anbietern wie Blackrock, Vanguard und State Street zusammen.

Sie seien erfolgreicher als aktive Fonds und verlangten zudem auch noch geringere Gebühren für ihre Dienste von den Anlegern. Bei Aktien lägen sie im Schnitt mit 0,27 Prozent bei einem Drittel der Provisionen, die aktive Fonds verlangten.

Inzwischen summiere sich der Anteil der ETF von Blackrock und Vanguard an Unternehmen aus dem Deutschen Aktienindex auf neun Prozent, erklärt Kossa. Tendenz steigend. „Durch die Indexfonds nimmt einerseits die Liquidität im Handel ab, andererseits erhöhen sich die Ausschläge in Reaktion auf neue Nachrichten“, sagt der Investmentbanker. Heute seien prozentual zweistellige Kursgewinne oder -verluste durchaus normal. Damit wird die Börse unbequem für Unternehmen.

Es gibt mehr Aktivisten unter den Investoren

Gleichzeitig nehmen unter den Hedgefonds die Aktivisten zu, die Unternehmen aufmischen, um Veränderungen wie den Verkauf von Unternehmensteilen oder Änderungen in der Geschäftspolitik durchzusetzen. Sie würden oftmals durch Publikumsfonds in ihrem Ansinnen unterstützt. Kossa beobachtet deswegen eine zunehmende Bereitschaft des Managements in börsennotierten Unternehmen, „langfristige Strategien mit einem oder zwei Investoren umzusetzen“. Das spielt Private Equity in die Hände.

Die Beteiligungshäuser verfügen heute nicht nur über eine größere Feuerkraft wegen der vielen Milliarden, die investiert werden sollen. Sie können problemlos auch höhere Schulden aufnehmen. Mithilfe von Banken und Kreditfonds wurde das Verschuldungsniveau in den vergangenen Jahren kontinuierlich nach oben geschleust. Inzwischen beträgt die Verschuldungshöhe im Vergleich zum operativen Gewinn (Ebitda) das 5,4-Fache und liegt damit sogar höher als im Topjahr 2008. Damals wurde das 5,1-Fache registriert.

Angesichts des Booms bei Private Equity werden die Investoren wie Beteiligungsmanager zwar nervöser, wie eine Umfrage von Preqin verdeutlicht: Knapp drei Viertel der Großanleger und 62 Prozent der Fondsmanager sehen die hohen Preise für Unternehmen als Schlüsselproblem der Branche im laufenden Jahr an.

Der Druck, trotzdem zu investieren, lässt aber nicht nach, wie Citibanker Knittel sieht. Das Herunternehmen von Unternehmen von der Börse ist ein Trend, der sich nicht stoppen lässt. Mit Gea, Bilfinger und Gerresheimer kursieren die Namen von drei Firmen, die schon bald betroffen sein könnten.

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