Profi-Anlageempfehlung Ein neuer Blick auf die BRIC-Staaten

Lange Zeit kannte das Wachstum in Brasilien, Russland, Indien und China nur eine Richtung - nach oben. Nun entwickeln sich die Aktien dieser BRIC-Länder unterdurchschnittlich. Was ist zu tun?
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Die Skyline von Peking. China hat den Schwung zur wirtschaftlichen Supermacht gemeistert. Quelle: dpa

Die Skyline von Peking. China hat den Schwung zur wirtschaftlichen Supermacht gemeistert.

(Foto: dpa)

Brasilien, Russland, Indien und China, kurz BRIC, haben seit 2001 eine beeindruckende Wachstumsstory geschrieben. Ihr gemeinsames Bruttoinlandsprodukt hat sich mehr als vervierfacht, und hohe Wachstumsraten haben Aktienanlegern, die früh auf die Länder gesetzt haben, ansehnliche Gewinne beschert. Zuletzt haben sich BRIC-Aktien allerdings unterdurchschnittlich entwickelt. Ist BRIC ein Konzept von gestern?

Ich bin der Meinung, dass es sich lohnt, einen frischen Blick auf die Länder zu werfen. Zunächst fällt die Dominanz des großen „C“ auf: China hat als einziges der Länder den Sprung zur wirtschaftlichen Supermacht bereits geschafft und entwickelt sich weiter sehr dynamisch. 2011 entfiel über die Hälfte des BRIC-Wachstums auf China. 2012 sollte das chinesische Bruttoinlandsprodukt um rund 7,7 Prozent zulegen. Damit rutscht das Wachstum zwar erstmals seit zehn Jahren wieder unter die Acht-Prozent-Marke, doch das ist eine Verlangsamung auf sehr hohem Niveau.

Wo die Bric-Staaten schwächeln
Hoch ueber Rio de Janeiro
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Brasilien: Die Industrie des Landes hat ihre Kraft verloren
Die sechstgrößte Volkswirtschaft leidet unter der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit vieler Firmen. Wachstumsraten von sieben Prozent – das war einmal.
Gleich zwei schlechte Nachrichten schockten die zuletzt erfolgsverwöhnte brasilianische Wirtschaft. Wie die nationale Statistikbehörde jetzt mitteilte, wuchs die sechstgrößte Volkswirtschaft im vergangenen Jahr nur noch magere 2,7 Prozent, nach 7,5 Prozent im Jahr 2010. Und im Januar ist die Industrie des Landes um 2,1 Prozent geschrumpft gegenüber Dezember – das schlechteste Ergebnis seit der Krise 2008.

Die Industrie ist inzwischen der Bremsklotz der brasilianischen Konjunktur. Denn mit dem katastrophalen Jahresstart stagniert sie nun schon seit mehr als zwei Jahren. Hält die Schwäche an – und die Chance für eine kurzfristige Erholung im verbleiben Rest des ersten Vierteljahrs ist eher gering –, dann könnte Brasiliens Industrie erstmals vier Quartale in Folge schrumpfen, befürchtet das Finanzinstitut Banco Itaú. Die Regierung versucht schon seit längerem, mit Steuerbefreiungen für einzelne Branchen (Konsumgüter) und erhöhte Importsteuern (etwa für Pkw) gegenzusteuern.

Biodiesel Produktion im nordosten Brasiliens
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„Sollte das Wachstum jetzt geringer ausfallen, wird die Regierung alle Instrumente nutzen, um eine Konjunkturabkühlung zu verhindern“, erwartet José Carlos de Faria, Chefökonom der Deutschen Bank in São Paulo. Unterstützung erhält die Konjunktur dadurch, dass derzeit staatliche und private Infrastrukturprojekte für umgerechnet rund 180 Milliarden Euro bis 2014 umgesetzt werden. Und Brasilien verfügt über Spielraum für weitere Stimulierungen. Die Devisenreserven sind hoch, ausländisches Kapital strömt weiter ins Land, und auch die Notenbank kann die Zinsen noch senken. Doch Wachstumsraten von über sieben Prozent wie 2010 sind außer Sichtweite: Nach einer Umfrage der Zentralbank rechnen die führenden Investmentbanken damit, dass Brasilien 2013 rund vier Prozent wachsen wird. Alexander Busch

VIP-Taxis in Moskau
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Russland: Abhängigkeit vom Öl hemmt die Entwicklung
Der größte Flächenstaat hat die Finanzkrise gut überstanden. Doch das schlechte Geschäftsklima und die Rechtsunsicherheit bremsen die Wirtschaft des Landes.

Das große Ziel rückt in die Ferne. Sieben Prozent sollte die russische Wirtschaft nach dem Willen Wladimir Putins in den kommenden Jahren wachsen. Doch der Traum des neuen russischen Präsidenten wird sich nicht erfüllen. In diesem Jahr wird sich die Konjunktur merklich abkühlen. Das reale Wachstum wird unter dem Niveau von 2011 liegen, in dem das Plus 4,3 Prozent betrug. Die offizielle Prognose des Wirtschaftsministeriums liegt bei 3,7 Prozent. Der Internationale Währungsfonds rechnet nur noch mit 3,3 Prozent. Verantwortlich dafür ist die schwache Weltkonjunktur; die Schuldenkrise in Europa spürt Russland hingegen wenig.

Gazprom
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Zwar hat die russische Wirtschaft die Finanzkrise des Jahres 2008 gut überwunden. Die Erholung sei jedoch nur auf den hohen Ölpreis zurückzuführen, der Wirtschaft mangele es an dauerhafter Kraft, sagt Odd Per Brekk, Leiter des Moskauer IWF-Büros. Um konstant hohe Zuwächse zu erzielen, muss das Land die Wirtschaft modernisieren und diversifizieren. Gleichzeitig muss sich das Geschäftsklima verbessern. Vor allem die Schaffung eines unabhängigen Justizsystems und weniger Interventionen des Staates in die Wirtschaft sind notwendig. Eine weitere wichtige Aufgabe ist der Stopp des Kapitalabflusses. Fast 85 Milliarden Dollar schafften die Russen 2011 außer Landes. Der IWF warnt: Ändert Russland seine Wirtschaftsstrategie nicht, wird das Wachstum auf mittlere Sicht zwischen 3,5 bis vier Prozent liegen. Reformiert die Regierung das Land, könne das jährliche Plus sechs Prozent betragen. Nötig seien dafür Haushaltskürzungen, eine Kontrolle über die Inflation sowie ein besser entwickeltes Finanzsystem, heißt es. Experten hoffen außerdem auf einen weiteren Wachstumsschub mit dem WTO-Beitritt, der für diesen Sommer geplant ist. Damit käme Russland wieder näher an das von Putin ausgegebene Ziel heran. Oliver Bilger

PAC CONSTABLE
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Indien: Die Wirtschaft braucht dringend neue Impulse
Mit 6,1 Prozent ist die Wirtschaft des Landes im Schlussquartal 2011 so langsam gewachsen wie seit mehr als zwei Jahren nicht. Die Regierung will gegensteuern.

Das Besorgniserregende an den jüngsten Konjunkturdaten ist, dass sich ausgerechnet drei für das Land überaus wichtige Sektoren als Wachstumsbremsen erwiesen: Das produzierende Gewerbe schaffte nur ein Plus von 0,4 Prozent, nach 7,8 Prozent im Vorjahr. In der für Indien immens wichtigen Landwirtschaft sank das Wachstum von elf auf magere 2,7 Prozent, und die Produktion der Minen schrumpfte gar um 3,1 Prozent.

Hinzu kommt die hohe Inflation von zuletzt acht bis zehn Prozent, die der Binnenwirtschaft schadet. Die Notenbank RBI hat mit einer Erhöhung des Leitzinses auf inzwischen 8,5 Prozent gegengesteuert, damit aber die wirtschaftliche Dynamik gebremst. Ökonomen erwarten deshalb, dass die RBI bei ihrer nächsten Sitzung am 15. März den Leitzins zum ersten Mal seit März 2010 wieder senken könnte.

Kokosnüsse gegen den Durst
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Mit anderen Stimuli tut sich die Regierung schwer. Sowohl die weitere Liberalisierung der Wirtschaft als auch höhere Subventionen erscheinen politisch kaum durchsetzbar. So zog Premier Manmohan Singh den Plan, größere Investitionen ausländischer Einzelhändler zu erlauben, nach landesweiten Streiks binnen weniger Tage wieder zurück. Auch bei den Subventionen steht die Regierung unter Druck. Eine schwache Rupie, hohe Ölpreise und die ausufernde Agrarförderung dürften das Defizit im aktuellen Haushalt von geplanten 4,6 Prozent der Wirtschaftsleistung auf 5,5 Prozent treiben.

Um die Wirtschaft zu stimulieren, will die Regierung nun die großen Staatsbetriebe bewegen, Teile ihrer Cash-Reserven aufzulösen und im Land zu investieren. Rund 35 Millionen US-Dollar sollen so zusammenkommen. Auf mittlere Sicht dürften Regierung und Zentralbank zudem versuchen, die Rupie aufzuwerten, damit Unternehmen im Ausland billiger Energie und Maschinen einkaufen können. Stefan Mauer

Vorbereitungen für den chinesischen Nationalfeiertag
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China: Mehr qualitatives Wachstum wäre besser
Das Turbo-Wachstum der vergangenen Jahre hat zu verheerenden Umweltschäden geführt. Weniger Wachstum ist deshalb das Gebot der Stunde.

Chinas Kommunistische Partei plant gern von langer Hand. Schon in den 1990er-Jahren hatte die Partei die Devise ausgegeben, im neuen Jahrtausend die Wachstumsraten zu senken, damit Qualität Vorrang vor Quantität habe. Das gelang zwar in den Jahren 2006 bis 2011 nicht, statt der erstrebten 7,5 Prozent gab es ein Plus von zehn Prozent. Doch derzeit scheint das Wachstum wie geplant zu sinken.

Der aktuelle Wachstums-Zielwert für die Zeit bis 2015 beträgt sieben Prozent, 2012 sollen es 7,5 Prozent sein. „Wir passen derzeit unsere Wirtschaftsstruktur an“, gab Regierungschef Wen Jiabao jüngst zu Protokoll. Tatsächlich zeigen aktuelle Daten, dass Chinas Exporte zurückgehen und gleichzeitig die Importe stark steigen.

China stärkt aktiv seine Binnenkonjunktur und diversifiziert seine Wirtschaft durch massive Unternehmenskäufe im Ausland. Die Inflation dürfte 2012 unter drei Prozent bleiben, das gibt Raum für Zinssenkungen. Ich gehe deshalb fest davon aus, dass die Wachstumsstory Chinas weitergeht. Indien hätte schon aufgrund seiner schieren Größe das Potenzial, China auf dem Weg an die Weltspitze nachzufolgen. Doch es gibt viele Hemmnisse, vor allem die völlig ungenügende Infrastruktur: Erst im Sommer schnitt ein massiver Blackout rund 600 Millionen Inder von der Stromversorgung ab.

Die indische Politik erscheint notorisch ineffizient, klare Mehrheiten und schnelle Entscheidungen sind kaum zu erreichen. Sofern Indien die angekündigten Reformen umsetzt, sollte das Land auch künftig ein robustes Wachstum erzielen können. Fluch und Segen Russlands ist seine Abhängigkeit von fossilen Rohstoffvorkommen: Das Land profitiert als Exporteur von steigenden Öl- und Gaspreisen, doch wenn die globale Konjunktur lahmt, schlägt dies rasch auf die russische Wirtschaft durch.

Für Russland sprechen eine niedrige Verschuldung und ein solides Wachstum von voraussichtlich vier Prozent in diesem Jahr. Deutlich langsamer wächst Brasilien, das unter den Folgen einer dirigistischen Wirtschaftspolitik leidet. Die Regierung hat einen Kurswechsel eingeleitet und ein marktfreundliches Investitionsprogramm aufgelegt. Die Erfolge dürften aber noch auf sich warten lassen.

Was bedeutet dies für Anleger? Ich bevorzuge derzeit im Segment der Schwellenländer eine China-plus-Strategie: Aktien aus China erscheinen wegen seiner wirtschaftlichen Dominanz und seines nachhaltigen Wachstums langfristig unverzichtbar. Zur Diversifizierung können weitere aussichtsreiche Schwellenmärkte hinzukommen, wobei neben den BRIC-Ländern auch aufstrebende Märkte wie Indonesien, Mexiko oder Südkorea berücksichtigt werden sollten.

Die Empfehlung gibt die Einschätzung des Autors wider.

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