Profi-Anlageempfehlung Jetzt den Aktienanteil reduzieren

Die Konjunktur schwächelt, bald dürften auch die Gewinne von Unternehmen und Rohstoffpreise sinken. Anleger sollten reagieren und ihre Aktienquote anpassen. Welche Titel für Anleger aktuell interessant sind.
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Ulrich Stephan ist Chefanlagestratege der Deutschen Bank. Er schreibt regelmäßig für das Handelsblatt über die Geldanlage. Quelle: Deutsche Bank

Ulrich Stephan ist Chefanlagestratege der Deutschen Bank. Er schreibt regelmäßig für das Handelsblatt über die Geldanlage.

(Foto: Deutsche Bank)

Nach einem für Anleger durchwachsenen ersten Halbjahr 2012 stellt sich die Frage, wie es an den Finanzmärkten weitergeht. Dazu zunächst ein paar Fakten:

In Europa haben die aktuelle Wachstumsschwäche und der langwierige politische Entscheidungsprozess die mittelfristigen Aussichten gedämpft. Die jüngsten EU-Gipfelbeschlüsse sind dabei als Schritte in Richtung fiskalische und politische Integration von den Märkten begrüßt worden.

Die Politiker in den USA haben nach der Präsidentschaftswahl am 6. November nur wenige Wochen Zeit, um sich auf eine umfassende Haushaltsreform zu einigen - sonst werden automatisch Ausgaben gekürzt und Steuern erhöht. Nach aktueller Gesetzeslage würden diese wachstumsschwächenden Maßnahmen rund 750 Milliarden US-Dollar umfassen, dies entspricht in etwa fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Diese verfahrene Situation hat auch Investoren verunsichert, zumal die US-Konjunkturdaten zuletzt enttäuschten. Ich erwarte aber eine rechtzeitige Einigung der Politik und deutlich geringere Belastungen für die Konjunktur. Positive Impulse könnte es vom Immobilienmarkt geben: Die Hauspreise haben sich stabilisiert, und die Stimmung in der Baubranche ist so gut wie lange nicht mehr.

Auch in den BRIC-Staaten - Brasilien, Russland, Indien und China - hat sich die Konjunktur abgekühlt. Die Hoffnungen der Anleger ruhen nun vor allem auf China. Grundsätzlich bleiben die Aussichten für die zweite Jahreshälfte positiv, da die chinesische Regierung das Wachstum im Land stimulieren kann und offenbar auch will. So sollen Geschäftsbanken künftig leichter Kredite für bestimmte Infrastrukturprojekte und den Wohnungsbau vergeben können.

Für Anleger heißt das: Kurzfristig dürfte die weltweit schwächere Konjunktur zu niedrigeren Unternehmensgewinnen und Rohstoffpreisen führen. In unserem Musterportfolio mit ausgewogenem Chance-Risiko-Profil reduzieren wir Aktien deshalb um fünf und Rohstoffe um drei Prozentpunkte und halten mehr Liquidität.

Dennoch bleiben Aktien mit 30 Prozent Portfolio-Anteil ein wichtiger Baustein in der ausgewogenen Depotaufstellung. Das reflektiert eine mittelfristig positive Einschätzung der Märkte: Schlechte Nachrichten sind in vielen Preisen berücksichtigt, die Bewertungen erscheinen oft niedrig und damit auf längere Sicht attraktiv.

Ich favorisiere derzeit bei Aktien Dividendentitel und US-Aktien guter Qualität, die sich in unruhigen Zeiten als Hort der "relativen Ruhe" bewähren könnten. Auch China-Aktien zählen zu meinem aktuellen Favoritenkreis.

Am Rentenmarkt bleiben aus meiner Sicht Papiere von Unternehmen und Schwellenländern mittelfristig attraktiv, für risikoarme Strategien können europäische Pfandbriefe in Betracht gezogen werden. Im Rohstoffbereich finde ich Edelmetalle interessant. Zudem können inländische Wohn- und Gewerbeimmobilien eine chancenreiche Ergänzung für das Portfolio sein - ganz unabhängig von der aktuellen Großwetterlage an den Märkten.

Die Anlageempfehlung gibt die Einschätzung des Autors wieder.

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15 Kommentare zu "Profi-Anlageempfehlung: Jetzt den Aktienanteil reduzieren"

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  • Genau, einfach ohne Worte! In dieser unsicheren Zeit auf ein von Politikern beherrschtes Produkt wie Papiergeld zu setzen ist doch wohl total daneben. Für mich gibt es 70 % Aktien und 30 % Gold und fertig.

  • Bei der Gefahrenlage im Euro den Aktienanteil zu reduzieren ist grober Unfug. Dividentitel mit guter Dividendenrendite sollten momentan 100 % des Depots ausmachen !

  • Typisch kurzfristig gedacht für die Deutsche Bank. Wenn es nach denen geht, dann sollte man ja auch noch mit Nahrungsmitteln zocken.

  • Typisch kurzfristig gedacht für die Deutsche Bank.

  • 40 % Gold und 40 % Apple. Eine bessere Kombination aus Altersvorsorge (mit Apple-Aktien) und Lebensversicherung (mit Gold-Barren) gibt es nicht. Und mit 20 % ein bissl mal dies, ein bissl mal das !

  • Profi Anlageempfehlung, d.h. dann wohl, das man das genau Gegenteil machen sollte.

    Mist, grade verkauft. ;)

    Aber mal im Ernst, gegen die High Frequency Trader und die News-Bots sind die Privatanleger doch nur Schafe die geschoren werden.

  • @ Privatanlger
    @ OMG
    @ delta

    In den o.a. Artikel lesen Sie, wie wahre Profis denken und erfolgreich handeln!

    ;-)

  • Wer sich von einem höherstehenden Mitarbeiter der Deutschen Bank beraten lassen will ist selber schuld.
    Die weltweit gehandelten Derivate (Luftnummern, Wetten oder bestenfalls Absicherungsinstrumente) umfassen inzwischen das ca 11-fache des Welt-bruttosozialprodukts. Eine größere Blase als das Geld an und für sich ist wohl kaum denkbar. Es gibt nur einen Bruchteil an echten Sachwerten im Vergleich zur umlaufenden Geldmenge. Da müßte eine seriöse Anlageberatung eigentlich lauten, raus aus Geld und Derivaten, rein in Sachwerte. http://www.stock-world.de/ac_analysen/Marktberichte/Derivate-Marktvolumen-USD-708-Billionen-elfmal-hoeher-als-Welt-BIP-n4283509.html
    http://www.youtube.com/watch?v=Bnsy2HBuPs8&feature=related

  • vielleicht indem der euro völlig abschmiert?
    vg

  • In einem gesunden Wirtschaftssystem wäre Aktien zu reduzieren in Anbetracht einer Rezession die einzig logische Antwort. In einem solchen System wäre auch "richtiges Geld" (i.S.v. Gold) eine stimmige Antwort.
    Aber wir leben nun einmal in keinem gesunden Wirtschaftssystem sondern in einem System das von Politikern gemacht/gemanagt wird.
    Aus diesem Grund ist Geld/Anleihen jetzt gerade keine sinnvolle Alternative zu Aktien. Und Gold? Kurzfristig gedacht ist Gold natürlich besser als Fiat-Money. Aber langfristig hat Gold das Problem daß es nicht Legal Tender ist und wohl auch (weil nicht im Interesse der Gottspieler die Gold nicht einfach drucken können) nie mehr wird. Damit ist Gold nur so lange eine gute Anlage wie die Krise aktuell ist. Sobald sich das Ende des Tunnels abzeichnet ist Gold "tot" - und gleichzeitig dürften dann auch ordentliche Unternehmen wieder als Anlage und Dividendenbringer gefragt sein.
    Also ich gehe selbst auf die Gefahr hin daß zwischenzeitig mal Buchverluste auflaufen durch die Krise lieber mit Aktien. Etwas physisches Gold für den Extremfall... Aber ganz sicher keine Derivate, kein Cash und erst recht keine Staatsanleihen.

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