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Skyline von Hongkong

Vermögende Bürger reagieren auf die aktuelle Situation.

(Foto: dpa)

Proteste Hongkong: Vermögende bringen Geld in Singapur in Sicherheit

Im Zuge der Proteste in Hongkong schichten viele vermögende Bürger ihr Geld um und bringen es nach Singapur. Experten glauben: Das war erst der Anfang.
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Hongkong Angesichts des drohenden Auslieferungsgesetzes bringen vermögende Einwohner von Hongkong ihr Geld in Sicherheit. Ein schwerreicher Tycoon habe damit begonnen, mehr als 100 Millionen Dollar von seinem lokalen Konto bei der Citibank auf das der Filiale in Singapur zu überweisen, sagte ein in die Transaktion eingebundener Berater am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

„Es hat begonnen“, sagte der Berater. „Wir hören, dass andere es auch tun.“ Singapur sei das bevorzugte Ziel, sagte ein Manager einer internationalen Bank in Hongkong. „Das sind keine Kunden vom chinesischen Festland, die möglicherweise politisch exponiert sind, sondern wohlhabende Kunden in Hongkong. Die Situation in Hongkong ist außer Kontrolle.“

Das geplante Gesetz sieht vor, dass Beschuldigte aus Hongkong sowie aus dem Ausland auch an China ausgeliefert werden können. Menschenrechtler warnen vor der Umsetzung. Sie werfen China willkürliche Festnahmen, Folter und fehlenden Rechtsbeistand für Angeklagte vor.

Tausende Menschen haben in den vergangenen Tagen gegen das Gesetzesvorhaben in Hongkong demonstriert, am Sonntag waren es sogar die größten Proteste seit der Rückgabe der früheren britischen Kronkolonie an China vor mehr als 20 Jahren.

Auch der Wirtschaftsanwalt Kevin Yam bestätigte, dass reiche Hongkonger Vermögen in Richtung Singapur verlagern würden. „An diesem Punkt würde ich sagen, dass es eher ein stetiges Rinnsal als ein Ansturm ist, aber es geschieht auf jeden Fall“, sagte er. Drei weitere Privatbankiers gaben an, von Kunden Anfragen zu den Auswirkungen des Gesetzes erhalten zu haben. „Es ist großartig für Singapur“, sagte Yam. „Und ein Eigentor für Hongkong.“

Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam will die geplanten Gesetzesänderungen trotz des breiten Widerstands in der Bevölkerung vorantreiben. Als Sonderverwaltungszone genießt Hongkong einen hohen Grad an Autonomie und hat Freiheiten, die im chinesischen Kernland tabu sind. Dort brandmarkten staatliche Medien die Proteste als rufschädigend für Hongkong.

China bestellt US-Diplomaten ein

Enden soll der Widerstand umstrittene Auslieferungsgesetz vorerst nicht. Für Sonntag ist in Hongkong eine neue Demonstration geplant. Der Konflikt belastet auch das Verhältnis Chinas mit den USA und der Europäischen Union, die sich hinter die Gegner des Vorhabens gestellt hatten.

Das Außenministerium in Peking bestellte am Freitag den Geschäftsträger der US-Botschaft ein, um ihm einen formellen Protest zu übergeben. Die Kritik der USA an dem Vorgehen in Hongkong wies Vizeaußenminister Le Yucheng dabei als „Einmischung in innere Angelegenheiten“ Chinas zurück. Er sprach von „unverantwortlichen Bemerkungen“ – ähnlich wie am Vortag, als das Außenministerium die Bedenken der Europäischen Union über das Gesetz zurückgewiesen hatte.

Die Organisatoren der Proteste teilten mit, die Polizei habe bei einem Treffen am Freitag keine formellen Bedenken gegen ihre Pläne geltend gemacht, am Sonntag wieder zu demonstrieren. Der Protestzug soll vom Victoria Park bis zur U-Bahnstation Admiralty führen, die am Regierungssitz und am Legislativrat liegt.

Mehr: Der Messaging-Dienst Telegram meldet einen massiven Cyberangriff aus China. Offenbar besteht eine Verbindung zu den Protesten in Hongkong.

  • rtr
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