Rally beim Dax? Die nächsten Tage sind entscheidend

Der Leitindex legt eine Verschnaufpause ein. Viele Anleger glauben dennoch, dass die Kurse weiter steigen. Eine exklusive Umfrage zeigt: Sicher ist das nicht – die Entscheidung darüber fällt schon innerhalb weniger Tage.
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Zwei Plastikbullen als Symbol für steigende Kurse stehen an der Frankfurter Börse vor dem Dax-Chart: Anleger erwarten, dass die Kurse bald wieder steigen. Quelle: Reuters
Aktienrally

Zwei Plastikbullen als Symbol für steigende Kurse stehen an der Frankfurter Börse vor dem Dax-Chart: Anleger erwarten, dass die Kurse bald wieder steigen.

(Foto: Reuters)

FrankfurtZum Jahresauftakt hielt Börsenexperte Stephan Heibel einen „heftigen Ausverkauf im Dax ohne ein entsprechendes Ereignis für sehr unwahrscheinlich“. Vielmehr könnten die Kurse bald wieder nach oben klettern, prognostizierte er am vergangenen Montag.

Das Ergebnis der zurückliegenden Handelswoche: Mit einem Plus von einem Prozent gelang dem deutschen Börsenbarometer ein positiver Start in das neue Handelsjahr. Das war Anfang 2016 noch anders. Damals erlebten die Anleger im Januar einen regelrechten Crash, als der Leitindex innerhalb weniger Wochen von 10.500 auf 8700 Zähler rutschte.

Seine Dax-Prognosen leitet Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx, aus der wöchentlichen Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment unter mehr als 2300 Anlegern ab. Zusätzlich wertet er weitere Indikatoren aus.

Das wurde 2016 aus 100.000 Euro
Platz 27: Aktien Nigeria
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Euro-Investoren, die im vergangenen Jahr an der kleinen nigerianischen Börse investierten, machten ein sehr schlechtes Geschäft. Das lag gar nicht mal an den Aktien selbst, der Leitindex Nigeria All Share verlor zwar „nur“ sieben Prozent. Das lag vor allem daran, dass der bevölkerungsreichste afrikanische Staat stark von den Öleinnahmen ist. Doch am 20. Juni gab die Zentralbank die Anbindung der heimischen Währung Naira an den Dollar auf. Die darauf folgende deutliche Abwertung der Währung Naira zu vielen Währungen macht die Aktien aber zum weltweit größten Verlustbringer. Wer Anfang des Jahres theoretisch 100.000 Euro an der Börse in Nigeria investierte, hat jetzt nur noch 61.390 Euro auf dem Konto. Privatanleger können jedoch kaum in Nigeria direkt investieren, es gibt auch keine Zertifikate oder börsengehandelte Indexfonds auf den Nigeria All Share.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 26: Ghana
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Auch gezielte Investitionen an der Börse in Ghana sind für hiesige Privatanleger kaum möglich. Das ist auch gut so. Denn der Aktienindex der ebenfalls sehr kleinen Börse in Ghana, entwickelte sich sehr schlecht. Die agrarisch strukturierte  Wirtschaft des als Musterdemokratie auf dem Kontinent geltenden Landes,  schrumpft. Das Land ist stark vom Export von Rohstoffen wie Gold, Öl, Kakao und Edelhölzern abhängig. Dabei steigen zwar im vergangenen Jahr viele Rohstoffpreise, doch der Kakaopreis brach um fast ein Drittel ein. Von 100.000 in Ghana investierten Euro blieben bis Jahresende nur 77.840 Euro übrig.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

 

Platz 25: Aktien Ägypten
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Noch dramatischer als in Nigeria schlägt in Ägypten die Währungsentwicklung zu Buche. Dort gab die Zentralbank im November den Wechselkurs des ägyptischen Pfunds frei, das daraufhin abstürzte. Das bescherte Anlegern, die im Januar 100.000 Euro in den Leitindex EGX 30 investierten einen Verlust von 20.430 Euro, so dass nur noch 79570 Euro übrig bleiben. Das fast Tragische dabei: Die Abwertung beflügelten den Aktienmarkt. Der EGX 30 selbst gehört in Lokalwährungen gerechnet mit einem Plus von mehr als 70 Prozent zu den weltweit besten Börsen und stieg auf ein Rekordhoch nach dem anderen.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 24: Aktien China
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Der Entwicklung der chinesischen Wirtschaft verunsichert Anleger weltweit seit anderthalb Jahren. Das spiegelt sich auch der Börse wider. Der Leitindex CSI 300, der die 300 größten Aktien Festlandchinas erfasst, verlor über elf Prozent. Da gleichzeitig der Yuan zum Euro weiter abwertete, bleiben Anlegern die 100.000 Euro in den Index investiert haben, nur 85.450 Euro übrig.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 23: Britisches Pfund
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Das knappe Votum der Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union schockte am 24. Juni Europa die ganze westliche Welt. Der britische Aktienmarkt erholte sich – wie auch andere europäische Börsen – von dem Schock zwar recht schnell. Auf Jahressicht hat der Leitindex Footsie deshalb in Pfund gerechnet über 14 Prozent zugelegt und stieg Ende Dezember sogar auf ein Allzeithoch. Doch das britische Pfund selbst steht weiter unter massivem Druck. Zum Euro hat es in diesem Jahr gut 13 Prozent verloren und damit so viel wie keine andere Hauptwährung. Aus 100.000 in Pfund investierten Euro wurden so nur noch 86.980 Euro.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 22: Mexikanischer Peso
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Dem mexikanischen Peso – dem zweitgrößten Verlierer der Hauptwährungen zum Euro – machte der Wahlsieg von Donald Trump zum US-Präsidenten zu schaffen. Kein Wunder, die USA sind Mexikos wichtigster Handelspartner, doch Trump will den Handel massiv besteuern und die Grenzen zu Mexiko dichter machen- auch wenn zuletzt vom dem im Wahlkampf propagierten Mauerbau nichts mehr zu hören war. Wer zu Jahresbeginn 100.000 Euro in mexikanischen Peso anlegt, verfügte Ende des Jahres jetzt nur noch über 89.510 Euro. Mexikos Leitindex IPC legte aber um zumindest rund sechs Prozent zu.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 21: Sparbuch
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Seit Jahren lässt sich mit dem Sparbuch nichts mehr verdienen. So war es auch 2016. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro anlegt hat einen Gewinn von gerade mal 50 Euro – entsprechend von 0,05 Prozent gemacht. Immerhin verloren Anleger aber zumindest nominal – also ohne Berücksichtigung der Inflation – auch nichts.

Schlussstand: 30.12.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Die Daten der aktuellen Umfrage zeigen: Von einer Trump-Rally ist kaum noch die Rede. Nur noch 27 Prozent sehen den Dax derzeit in einem Aufwärtsimpuls. 43 Prozent (plus fünf Prozentpunkte gegenüber der Vorwoche) hingegen gehen von einer Seitwärtsbewegung aus. In dieses neutrale Lager sind vor allem pessimistisch gestimmte Anleger übergelaufen, die in den hohen Kursen zum Jahreswechsel noch eine Topbildung erkennen wollten. Inzwischen gehen nur noch 23 Prozent (minus fünf Prozentpunkte) von einer Topbildung aus, also einem Ende steigender Kurse. „Die Stimmung unter den Anlegern ist damit zum Jahresauftakt ein wenig besser geworden, notiert aber in neutralem Bereich“, fasst Heibel zusammen.

Die defensive Haltung aus der Umfrage Ende Dezember zeigt sich auch diese Woche noch: Mit 80 Prozent betrachten die meisten Anleger die Dax-Entwicklung der vergangenen Handelstage als mehr oder weniger im Rahmen ihrer Erwartungen. Nur 14 Prozent haben auf den Anstieg spekuliert, sechs Prozent wurden auf dem falschen Fuß erwischt.

Starke Gewinne und abgewehrte Verluste
Hambrecht-Familie
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Zu den Gewinnern am Markt gehört Stefan Hambrecht, der Sohn des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden und heutige Aufsichtsratschef des Chemiekonzerns BASF, Jürgen Hambrecht (zu sehen im Bild). Stefan Hambrecht kaufte am 15. Januar BASF-Aktien im Wert von 62.436 Euro. Kurz darauf legte der Kurs ordentlich zu, so dass er nun einen Gewinnzuwachs in Höhe von 49,01 Prozent verbuchen kann.

Quelle: Fifam

Erwin Faust
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Ebenfalls einen guten Riecher hat der Finanzvorstand der im MDax notierten Aurubis AG, Erwin Faust, bewiesen. Zusammen mit Stefan Boel (Vorstand Business Unit Kupferprodukte) und Fritz Vahrenholt (Aufsichtsratsmitglied) kaufte der studierte Wirtschaftswissenschaftler zwischen dem 29. Januar und 01. Februar für 334.844 Euro Wertpapiere des global führenden Kupferproduzenten und -wiederverwerters. Anschließend ging es mit dem Kurs steil bergauf, sodass Faust einen Gewinn von plus 49,91 Prozent verzeichnen kann.

Markus Steilemann
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Seit 2015 ist Dr. Markus Steilemann bei der Bayer-Tochter Covestro für den Bereich Innovation verantwortlich. Im vergangenen Jahr wurde ihm beim Fertiger und Entwickler von Werkstoffen wie Lacke sowie Kleb- und Dichtstoffsystemen zudem die Leitung des Segments Polyurethanes anvertraut. Dafür bedankte sich der 46-Jährige am 29. Juli mit einem Kauf von Aktien im Wert von 124.887 Euro. Im MDax verlief es für das Unternehmen in der Folgezeit sehr gut, sodass sich Steilemann zusätzlich über einen Gewinn in Höhe von plus 53,93 Prozent freuen darf.

Eckart Sünner (r.)
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Dr. Eckart Sünner ist arbeitet als selbstständiger Rechtsanwalt und ist seit 2007 ein Teil des Aufsichtsrats der Infineon Technologies AG. Der aus der Siemens AG hervorgegangene Halbleiterhersteller ist seit September 2009 im Dax notiert. Am 10. Februar erwarb Sünner Wertpapiere im Wert von 110.300 Euro und darf nun einen satten Gewinnsprung von plus 61,01 Prozent verbuchen.

Matthias Zachert
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Matthias Zachert ist einer der medienpräsentesten Manager des vergangenen Jahres und seit April 2014 Vorstandsvorsitzender der Lanxess AG. Der Spezialchemie-Konzern ist mit mehr als 91 Millionen Aktien im MDax vertreten. Der Vorstand wird durch Michael Pontzen, Dr. Rainier van Roessel und Dr. Hubert Fink komplettiert. Gemeinsam erwarben sie am 18. Januar Aktien des eigenen Unternehmens im Wert von 719.090 Euro. Anschließend folgte ein unglaubliches Plus von 76,68 Prozent.

John-Leonard Stephenson
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Es geht allerdings auch andersherum. Manager, die Gewinner sind, obwohl sie keine Gewinne erzielt haben. John-Leonard Stephenson ist beispielsweise der COO der Norma Group. Am 11. August verkaufte der Manager seinen Anteil der Wertpapiere des im MDax notierten Marktführers für Verbindungstechnik im Wert von 223.120 Euro und schützte sich damit vor einem weiteren Wertverlust von minus 20,18 Prozent.

Ralf Schremper
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Ein richtiges Gespür hat auch der Chefstratege der Pro Sieben Sat 1 Media SE, Dr. Ralf Schemper, bewiesen. Der Medienkonzern ist Ende März aus dem MDax in den Dax aufgestiegen. Noch zu Beginn desselben Monats verkauften er sowie Dr. Gunnar Weidenfels (Finanzvorstand), Antoinette Aris , Rolf Nonnenmacher, Erik Adrianus Hubertus Huggers und Adam Cahan (alle Aufsichtsratsmitglieder) ihre Aktien im Wert von 3.702.523 Euro und bewahrten sich somit vor einem Verlust von minus 21,06 Prozent.

Eine wichtige Änderung gab es bei der Erwartung. Nach dem freundlichen Jahresauftakt gehen nun 29 Prozent (plus vier Prozent gegenüber der Vorwoche) von weiter steigenden Kursen in drei Monaten aus. Nur noch jeder Vierte fürchtet einen Ausverkauf – minus fünf Prozentpunkte. Eine Seitwärtsbewegung erwarten 30 Prozent.

Damit ist der Zukunftsoptimismus deutlich gewachsen. Der ist wichtig für Verschnaufpausen, damit sich keine Abwärtsdynamik entwickeln kann. Sollten die Kurse fallen, wird bei einem hohem Zukunftsoptimismus in der Regel frühzeitig gekauft. Eine kurzzeitige Verschnaufpause oder auch eine längerfristige Korrektur endet in solchen Fällen meistens schnell.

Steigendes Kaufinteresse
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  • Spätestens am 20.01.2016 wird das Geld der Investoren von den Finanzplätzen der EU/Deutschland an die Wallstreet abfließen. Trump und die US Volkswirtschaft (Dow Jones) gibt für die Zukunft einfach mehr Wirtschaftspotential her.  Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.
     

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