Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Ratingagentur Morningstar Die Stars unter den Fondsmanagern erzielen besonders schlechte Erträge

Vier von fünf Fonds mit großen Freiheiten bei ihren Anlagemöglichkeiten machen Verluste. Ein deutscher Anbieter kommt noch glimpflich davon.
Kommentieren
Alternative Fonds erzielen schlechte Ergebnisse: Anleger zogen im vierten Quartal 2019 23 Milliarden Euro ab. Quelle: imago/Ikon Images
Wie man Geld verliert

Alternative Fonds erzielen schlechte Ergebnisse: Anleger zogen im vierten Quartal 2019 23 Milliarden Euro ab.

(Foto: imago/Ikon Images)

FrankfurtSelten war die Kluft zwischen Anspruch und Realität so groß: Der Fondsmanager sieht sich als Star – sein Fonds jedoch liefert schlechte Zahlen. In der Eigenwahrnehmung ist der Geldlenker ein Alleskönner, hat sämtliche Märkte im Griff, weiß genau, wann er wo investieren muss, um für seine Anleger große Renditen einzuspielen, und er weiß, wann er aussteigen muss, um Verluste zu vermeiden.

Nach Rechnungen der Ratingagentur Morningstar sieht die Wirklichkeit bei den Fondsmanagern in Europa ganz anders aus. Danach lieferten mehr als vier von fünf dieser Profis mit großen Anlagefreiheiten im vergangenen Jahr Verluste ab – so schlecht war das Ergebnis noch nie. „Wenn alle Märkte unter Druck sind, können auch diese Manager sich nicht aus der Affäre ziehen, obwohl das der Anspruch ist“, sagt Morningstar-Analystin Natalia Wolfstetter.

Es geht um einen wichtigen Teil des regulierten EU-Fondsmarktes mit 420 Milliarden Euro Kapital in rund 2700 Produkten. Hier tummeln sich Manager, die mehr Anlagemöglichkeiten und Finanzmarktinstrumente nutzen können als ihre traditionellen Kollegen. Es geht meist um Handelsstrategien, die im Fachjargon unter Kürzeln wie „alternativ“ oder „Absolute Return“ bekannt sind.

Hier setzen die Geldkapitäne beispielsweise verstärkt Derivate ein oder wetten auf fallende Kurse und Preise. Oft werden solche Strategien auch von Computerprogrammen gesteuert. Größte Anbieter auf diesem Feld sind Invesco, Blackrock, Aberdeen Standard Investments und Natixis.

Die Malaise des vergangenen Jahres wird auch durch die Ertragsbilanzen der Vorjahre kaum kompensiert. Morningstar kommt auf durchschnittlich 0,2 bis 1,3 Prozent Jahresertrag während der vergangenen fünf Jahre für die im Einzelfall sehr unterschiedlichen Anlagestrategien.

Grafik

Während die vermeintlichen Alleskönner magere Renditen einspielten, lieferten die traditionellen Fondsmanager weit mehr Geld bei ihren Anlegern ab. Aktienfonds schafften über die gleiche Periode im Schnitt rund acht Prozent jährlich, auf der Anleiheseite reichte es immerhin bei Hochzinsprodukten für fünf bis sieben Prozent.

Die beiden größten Fonds unter den alternativen Angeboten traf es hart. Im Rampenlicht steht der „Global Absolute Return Strategies“ von Aberdeen Standard Investments. Nach guten Erträgen in der Zeit nach der Finanzkrise schwoll das Kapital auf 52 Milliarden Euro an. Doch dann schwächelte die Strategie. Anleger zogen ihr Geld ab.

Heute ist der Fonds auf ein Drittel seiner damaligen Größe geschrumpft. Vorläufiger Tiefpunkt aus Anlegersicht: Im vergangenen Jahr verlor der einstige Star mehr als acht Prozent seines Werts.

Früherer Star wird abgestraft

Inzwischen wurde das früher größte Produkt beim reinen Kapitalvergleich vom „Global Targeted Returns“ des Verwalters Invesco überrundet. Vor einigen Jahren hatte Invesco ein ganzes Managerteam vom damaligen Standard-Life-Konkurrenzprodukt an Bord geholt, weil der Ansatz so erfolgreich war.

Aber auch die Kopie des Originals litt zuletzt. „Das vergangene Jahr lief schlecht für uns“, räumt Clive Emery von Invesco ein. Laut Morningstar produzierte der Fonds einen Verlust von gut sechs Prozent.

Deutsche Vermögensverwalter sind in diesem alternativen Segment kaum vertreten. Eine Ausnahme ist das mit 7,5 Milliarden Euro Kundenkapital siebtgrößte Produkt unter der Regie des bekannten Managers Klaus Kaldemorgen. Der „DWS Concept Kaldemorgen“ der Deutsche-Bank-Fondssparte lag im vergangenen Jahr mit etwas mehr als zwei Prozent im Minus. Er kam demnach vergleichsweise glimpflich davon.

Im ersten Quartal des neuen Jahres haben die genannten Produkte zwar einige Prozent Gewinn erwirtschaftet. Diese Ergebnisse liegen aber weit hinter den rasanten Anstiegen der Aktienkurse. Und sie können vor allem nicht über das grundsätzliche Problem der alternativen Fonds hinwegtrösten.

„Die hohen Kosten schlagen rein, senken die Anlegererträge“, erklärt Wolfstetter. Morningstar errechnet durchschnittliche Kosten von 2,3 Prozent jährlich. Anders gesagt: Von den langfristigen Bruttorenditen der Fonds bleibt nach Abzug aller Kosten für den Anleger nur ein kleiner Rest übrig, nämlich die anfangs erwähnten Nettorenditen. Ein wichtiger Faktor bei den hohen Belastungen sind Erfolgsbeteiligungen für die Manager und Handelskosten in den Fonds

Die schlechten Ergebnisse haben der Branche nicht geschadet. Über die vergangenen Jahre sind Kapital und Fondszahl gestiegen. Auffällig ist die hohe Zahl jährlicher Neuauflagen und Schließungen von jeweils über 200 Produkten. Der Start eines solchen Produkts ist laut Morningstar-Analystin Wolfstetter für Anbieter interessant, weil sie sich in Zeiten allgemeinen Gebührendrucks damit noch eine hohe Marge sichern können.

„Aber viele neue Strategien sind kaum erprobt, da herrscht das Prinzip Versuch und Irrtum“, sagt Wolfstetter. Das bestätigt Algy Smith-Maxwell, Fondsspezialist bei Jupiter Asset Management: „Viele Manager kommen von großen Finanzhäusern und wollen einfach etwas ausprobieren.“
Kurz nach dem Start jedoch treten Probleme auf. „Die Fonds bekommen oft nur wenig Geld von Anlegern, weil sie keine längerfristige Leistungsbilanz vorzeigen können“, beobachtet Smith-Maxwell. Solche Mini-Fonds könnten aber nicht vernünftig investieren, seien deshalb zum Scheitern verurteilt.

Eine Morningstar-Rechnung stützt diese Einschätzung. Zählt man nur die vor mindestens fünf Jahren aufgelegten Produkte mit größerem Volumen und positiven Erträgen in den vergangenen drei Jahren, dann bleiben lediglich fünf Prozent der Fonds übrig.

Einen Pluspunkt haben die Fonds dennoch. Und der ist auch ein Marketingargument: Sie wollen Erträge unabhängig von der Lage an den Finanzmärkten erwirtschaften, gerade in allgemeinen Verlustphasen solche Abtaucher vermeiden. „Beim Aktieneinbruch im letzten Dezember war unser Fonds im Plus, auch den Börsenabsturz vor etwas mehr als drei Jahren haben wir nicht mitgemacht“, sagt beispielsweise Emery von Invesco.

Ein Experte beim weltgrößten Asset-Manager Blackrock stützt das Argument. „Bei historischen Tiefzinsen und vielen Aktienmärkten an ihren Höchstständen suchen Anleger Erträge, die von den Ergebnissen der allgemeinen Märkte abgekoppelt sind“, erklärt Benjamin Fischer.

Ob dieser Anspruch die alternativen Fonds auf ihrem Wachstumskurs hält, ist angesichts der schlechten Renditebilanz fraglich. Jüngste Indikationen stärken die Pessimisten. Während Investoren in der Vergangenheit jährlich deutlich zweistellige Milliardenbeträge in die alternativen Fonds pumpten, drehte sich das Bild im letzten Quartal 2018: „Anleger zogen netto 23 Milliarden Euro ab – es war das schlechteste Quartal überhaupt“, sagt Wolfstetter. Ihr Fazit: „Die Wachstumsrate der Branche wird eher schrumpfen.“

Skeptiker müssen nur auf den US-Markt blicken – denn der gibt häufig den Trend für Europa vor. In Übersee ist zu erkennen: Bereits seit drei Jahren ziehen amerikanische Anleger Geld aus solchen Fonds ab.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Ratingagentur Morningstar - Die Stars unter den Fondsmanagern erzielen besonders schlechte Erträge

0 Kommentare zu "Ratingagentur Morningstar: Die Stars unter den Fondsmanagern erzielen besonders schlechte Erträge"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote